zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Flensburger Tageblatt

23. April 2014 | 11:15 Uhr

Frank Kepp gegen die Nospa - Ein fristlos Gekündigter wehrt sich

vom

Heikle Kreditvergabe: Der Ex-Sparkassenvorstand Frank Kepp klagt vor dem Landgericht gegen seinen früheren Arbeitgeber Nospa. Kepp war fristlos entlassen worden.

Flensburg | Seit dem 25. November 2010 wird die Geschichte der untergegangenen Flensburger Sparkasse noch negativer beurteilt als zuvor - in der Nospa zumindest, und vor allem was die Rolle des zweiten Vorstands Frank Kepp betrifft. An diesem Tag hatten Anwälte der Nord-Ostsee-Sparkasse beim Landeskriminalamt (LKA) Einsicht in die Ermittlungsakten genommen, die die Kieler Staatsanwaltschaft zusammengetragen hat. Unter anderem geht es dabei um einen Kredit aus dem Jahr 2005, den Kepp mit abgesegnet hat: Unter der Firmierung AMP Media seien seinerzeit 14 Millionen Euro an Richard Orthmann und Ulrich Rotermund zur Verfügung gestellt worden. Zum Ankauf von Aktien, erklärte am Mittwoch im Landgericht der Vorsitzende Richter Dieter Sauerberg. Dort klagt Ex-Sparkassen-Vorstand Frank Kepp vor der Kammer für Handelssachen gegen seine fristlose Kündigung vor mehr als einem Jahr (AZ: 6 O 45/11).
Von dieser fristlosen Kündigung war bislang nichts bekannt. Das Verfahren läuft parallel zu mehreren weiteren im Komplex alte Flensburger Sparkasse. Neben mehreren Ermittlungsverfahren der Kieler Staatsanwälte gegen den früheren Flensburger Sparkassenvorstand um Ex-Chef Frerich Eilts und weitere Beschuldigte klagt die Nospa gegen Eilts und Kepp auf Schadenersatz. Gesamforderungen: mehr als 25 Millionen Euro. Auch die Klage von Frerich Eilts auf Weiterzahlung seiner Pensionsleistungen von jährlich rund 126.000 Euro (AZ: 2 O 13/11) sei noch nicht entschieden, so Sauerberg in der Verhandlung.
Sorge um Versorgungsansprüche
Im Fall von Frank Kepp handelt es sich um eine so genannte Verdachtskündigung, bei der dem fristlos Gekündigten schwerwiegende Verfehlungen nachgewiesen werden müssen. "Es müssten objektive Verdachtsgründe vorliegen", sagte Sauerberg. Keine drei Monate davor hatte die Nospa die Trennung am 29. September 2010 noch so verkündet: "Im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat hat Herr Kepp sein Amt als Mitglied des Vorstandes mit sofortiger Wirkung niedergelegt." Nach Durchsuchungen im August 2010 habe es "eine gewisse Dynamik" gegeben, sagte Sauerberg. Der wirtschaftliche Hintergrund der Klage Kepps seien seine Versorgungsansprüche. Nach annähernd zehn Jahren als Vorstandsmitglied (2000 bis 2010) und zuvor bereits mehrjähriger leitender Tätigkeit bei der Flensburger Sparkasse dürfte es auch bei Kepp um höhere fünfstellige Pensionszahlungen pro Jahr gehen.
Nach der Akteneinsicht vom 25. November 2010 hatte Kepp zunächst am 9. Dezember ein Schreiben zur fristlosen Kündigung vom damaligen Verwaltungsratsvize Ex-OB Klaus Tscheuschner erhalten - und ein weiteres vier Tage später von Verwaltungsratschef von Gerlach. "Heikelster Punkt: Ist das Anhörungsverfahren ordnungsgemäß durchgeführt worden?", erklärte der Vorsitzende Richter Dieter Sauerberg. Zum AMP-Komplex etwa ist Kepp mit Schreiben vom 30. November angehört worden: "Streitig ist, ob ihm Einsicht in die Kreditakte hätte gewährt werden müssen." Sauermann erklärte, Kepp habe von seiner Verteidigerin eine CD-Rom zu den Vorgängen erhalten. "Da sind unendlich viele Unterlagen. Ob die vollständig sind, kann ich nicht erkennen", sagte Kepp am Mittwoch. Wobei Sauermann zu bedenken gab: "Die Vorgänge sind Ihnen ja bekannt gewesen."
Entscheidung am 18. April erwartet
Nun geht es um heute schwer zu klärende Fragen, für die Kepp jetzt geradestehen soll. Eine davon: Durfte der 14-Millionen-Kredit an AMP gegen Verpfändung von Beate-Uhse-Aktien als Sicherheit vergeben werden? Während die Nospa-Anwälte von einer Aktie im Sinkflug sprachen, machte Kepp geltend, dass die Beate Uhse AG seinerzeit eines ihrer besten Geschäftsjahre vorgelegt habe.
Nun soll dem Kläger Akteneinsicht in den Geschäftsräumen der Nospa gewährt werden. Er dürfe auch Kopien machen. "Herr Kepp, Sie stehen hier ja nicht in vorderster Linie", sagte der Vorsitzende Richter mit Blick auf die gesamte juristische Aufarbeitung der Flensburger-Sparkasssen-Geschichte. Eine Entscheidung in der Sache Kepp gegen die Nospa soll am 18. April verkündet werden.

Anzeige
Anzeige

von Carlo Jolly
erstellt am 27.Jan.2012 | 11:39 Uhr

Diskutieren Sie mit.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

01. | Fair Value | 26.01.2012 | 19:21 Uhr
ein letztes Wort zur Heuchelei

die begleitet uns jeden Tag.
kürzlich wurde ein Kandidat zum Landrat gewählt,in dessen Amtszeit als langjähriger Bürgermeister einige Millionen "verschwunden" sind.
War er nicht auch Chef und müsste das "irgendwie" verantworten?
Aber danach kräht kein Hahn (nicht der aus der Schweiz) mehr sondern nur der Erfolg zählt.
Aber Harrislee ist ja auch nicht pleite und wer schert sich um kommunale Fehlbeträge?!
Gibt es jemand, der Dr.Buschmann die Pension nicht gönnt?

02. | Fair Value | 26.01.2012 | 18:55 Uhr
heuchlerisches Getue

Frerich Eilts hat damals noch mit Wedegärtner und später mit Kepp die SSK richtig voran gebracht.Das lief viele Jahre kontinuierlich besser.
Kepp und Eilts haben sich auch sozial und kulturell sehr engagiert gezeigt und vieles "auf den Weg gebracht" bzw. positiv begleitet.
Dass die SSK ins Trudeln geriet,lag m.E. in der -wie sich später herausstellte- falschen Einschätzung der Kunden Orthmann/Rotermund/Hahn etc.
Was wäre denn,wenn Orthmann,Rotermund und Hahn nicht in die Schweiz verzogen wären sondern heute noch seriöse Geschäftsleute in Flensburg wären?!
Ich habe weder Eilts noch Kepp während ihrer Zeit bei der SSK als unseriös oder gar als Hasardeure kennengelernt.
Die Mitglieder der Aufsichtsgremien freuten sich,wenn sie sich öffentlich mit ihnen zeigen konnten.
Kepp und Eilts waren aus meiner Sicht gute Banker und sie sind letztlich auf das hereingefallen,was man im Norden schätzt : Das Wort und einen Handschlag.

03. | Günter Fortenbacher | 26.01.2012 | 14:50 Uhr
Hans & Jens : ich traue mich, den Namen Bogislav-Tessen von Gerlach hier zu nennen,

der seine Finger mehr im Spiel hatte, als es in auch diesem Artikel beschrieben wird.
Schon im Jahre 2005 drohten dem Kreis Schleswig-Flensburg "andere Banken", also
solche die nicht zum "Sparkassen-Club" gehörten, Konten dicht zu machen.

Grund : Überschuldung.

Verantwortlich : Bogislav-Tessen von Gerlach.

Quelle : Diese Zeitung, NDR-TV.

04. | Jens-Søren Jess | 26.01.2012 | 10:31 Uhr
Kredite für Stützungskäufe von BU-Aktien und diese Aktien dann als Sicherheit?

Sofern alle bekannten Details stimmen, dann wurden die genannten Kredite vergeben, damit die BU Aktie vom Kreditnehmer gestützt werden konnte. Das Kapital wurde damit "interessant'" verbraucht. Die Kapitaldecke bzw. das Unternehmen BU AG wurde dadurch künstlich hochgehalten und die Aktie war letztendlich total überbewertet. Und zu welchem Kurs bzw. Satz wurde die künstlich hochgehaltene Aktie als Kreditsicherheit dann bei der Flensburger Sparkasse hinterlegt bzw. vom Vorstand (und Revision?!) abgezeichnet? Wurde der Kurs seit Jahren künstlich hochgehalten, damit der Erlös aus Aktienverkäufen die Kassen maximal klingeln lassen? Und inwieweit der Vorstand der Sparkasse jetzt wissend oder unwissend ist, werden wir möglicherweise ja bald erfahren?

05. | Hans Andersen | 26.01.2012 | 07:28 Uhr
Haftung: ja - aber für alle Beteiligten

15 Mio vergibt eine Sparkasse nicht so einfach. Bei einem Kredit in der vorgenannten Höhe wirken der Kreditausschuss und somit auch der Verwaltungsrat mit. In beiden Gremien saßen seinerzeit wie auch heute unwissende Provinzpolitiker, die sich gerne mit Wichtigkeit schmückten. Hier ist meines Erachtens zumindest grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich gehandelt worden - auch hier sollte eine Haftung der damals Beteiligten geprüft werden. Wer Verantwortung übernimmt, sollte auch dafür gerade stehen.
Denn letztendlich haben die sogenannten Kommunalpolitiker den Vorstandsvorsitzenden seinerzeit mit soviel Macht ausgestattet, dass Widersprüche fast unmöglich waren. Wer aufbegehrte, bekam die Quittung, da war dann auch der Personalrat nicht zu laut - man wollte ja befördert werden.
Lernfazit: es fehlte die Unterstützung der Zivilcourage, da wäre der Untergang der FleSpa mit Sicherheit vermieden worden. Die Probleme wurden von einigen schon früh erkannt, die bewarben sich dann z. B. meiner Kennntnis nach in den Osten unseres Landes um nicht weiter so mitzumachen.

Alle 5 Kommentare ansehen
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Abschied - Der leise Tod des Bäckerhandwerks

Ein Drittel der Backbetriebe im Kreisgebiet hat seit 2005 geschlossen. Der Verband rechnet mit dem mittelfristigem Aus.