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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:37 Uhr

Flensburg-Mürwik : Ein Feiertag mit der Chefin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vereidigung von 256 Offiziersanwärtern auf der Admiralswiese der Marineschule / Von der Leyen dankt für ein „mutiges Bekenntnis“

Der Eid auf die Fahne ist die wichtigste Verabredung im Leben eines Soldaten. Und es gibt anerkanntermaßen in Deutschland für diesen Termin keine beeindruckendere Kulisse als die Marineschule in Mürwik, die seit 1910 Seeoffiziere eines Kaiserreiches, einer Diktatur und zweier Republiken ausgebildet hat. Gestern legten 256 junge Menschen den Eid auf die Fahne der Bundesrepublik ab. Und zuverlässig entfaltete die Admiralswiese hoch über der blauen Förde, gleich vor dem „Roten Schloss“ für die Rekruten und viele hundert Angehörige und Gäste ihre Magie.

Das geht in Flensburg auch ohne Gorch Fock, das auswärts weilende Schiff der Schule. Das wechselhafte Wetter spannte einfach einen blauen Himmel mit dramatischen Wolken in tiefgrau und hellweiß, der mäßige Wind aus West sorgte für angenehme Kühlung. Was vor allem die angetretenen Rekruten und die Ehrenformation dankbar angenommen haben dürften. Manch einer hatte noch die Generalprobe vom Donnerstag in den Knochen. Technisch betrachtet war die zwar gelungen, hatte aber unter Mitwirkung ergiebiger Regengüsse stattgefunden. Über den winzigen Schauer gegen 11.30 Uhr dürften die Seeoffiziere in spe daher nur milde gelächelt haben.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen fand also bei ihrem Besuch in der Marineschule beinahe perfekte Verhältnisse vor. Die Einschränkung „beinahe“ muss sein, weil ein verstimmtes Mikrofon den ersten Teil ihrer Rede so modulierte, als habe die Oberkommandierende Helium geatmet. Außerdem entleerte sich die einzig gefährliche Schauerwolke ausgerechnet während dieses Programmteils über der Marineschule, aber die zur Hilfe eilende Bootsmannsanwärterin Monique Weber schirmte die Ministerin dann perfekt vor weiteren Wetterunbilden ab.

In ihrer Rede umschiffte von der Leyen wohl absichtlich die vielen Klippen der globalen Sicherheitslage. Ihr war es wichtiger, den jungen Menschen auf der Admiralswiese für eine Entscheidung von Tragweite zu danken. Dieser Eid sei ein großes Versprechen, in einer Zeit, „in der wir in unserer Welt zu viel Krieg, Terror und Unfreiheit erleben, die Beugung des Rechtsstaates oder Missachtung der Menschenwürde erleiden“, sagte sie. Von der Leyen verwies darauf, dass Deutschland in einer unübersichtlichen Zeit längst nicht mehr nur ferner Beobachter ist. Sie verwies auf das Flüchtlingselend und seine Ursachen, auf den Einsatz der Marine im Mittelmeer, in denen tausenden Flüchtenden das Leben gerettet wurde. „In diesen Einsätzen zeigt die Marine, was es heißt, diesen Eid geschworen zu haben.“ Sie überging die andere Dimension dieses Bekenntnisses nicht, nämlich schlimmstenfalls Leib und Leben für Frieden und Freiheit der anderen aufs Spiel zu setzen. „Dafür gebühren ihnen unser Dank, unser Respekt und unsere Unterstützung.“

Zum Abschluss gab die Dienstherrin ihren Soldatinnen und Soldaten ihre besten Wünsche mit auf den Weg („Ich wünsche ihnen alles Gute auf ihrem Weg und bleiben sie behütet!“), dann folgte die Eideszeremonie, das Deutschlandlied („Augen geeeeeeraaade Aussssss!!, Nationalhymne!“) und die Meldung an die Verteidigungsministerin durch Fregattenkapitän Jens Pientka: „Melde die Vereidigung der Crew siebensechzehn durchgeführt!“ – „Vielen Dank!“ Und dann war nach gut einer Stunde – bei nur einer Teilnehmerin hatte hatte der Kreislauf den Dienst quittiert – für die Formation der Offiziersanwärter noch nicht Schluss. Weitere 30 Minuten waren sie Fotomotiv für entzückt-gerührte Angehörige, Freunde und Freundinnen. Ein ereignisreicher Tag. Vermutlich hatte von der Leyen Recht, als sie eingangs vorhersagte, die Teilnehmer würden sich noch lange daran erinnern. Fiona Frost, Teilnehmerin, war jedenfalls am Ende fix und fertig. „Es war schön, das mit meiner Crew zu erleben. Ich muss das jetzt erst einmal sacken lassen.“

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erstellt am 06.Aug.2016 | 23:15 Uhr

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