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Flensburger Tageblatt

17. April 2014 | 09:11 Uhr

Fachhochschule Flensburg - Durchgefallen: Protest gegen Professor

vom

Dass ein Student durch eine Prüfung rasselt, ist nicht ungewöhnlich. Wenn es aber gleich in 17 von 20 Fällen heißt "durchgefallen", ist das auffällig. So geschehen an der Fachhochschule Flensburg.

Flensburg | Die Bilanz des Notenspiegels der Klausur "Chemische Verfahrenstechnik" vom 26. Juni an der Fachhochschule Flensburg: In 17 von 20 Fällen heißt es "durchgefallen". Alle 20 Studenten aus dem sechsten Semester - auch die drei erfolgreichen - haben beim Prüfungsamt der FH Widerspruch eingelegt. Denn die Schuld für das miese Abschneiden geben sie nur einer Person: Professor Jens Born.
"Immer wieder stellt er Aufgaben, die nicht zu lösen sind", sagt Peter Degen, der selbst betroffen ist und seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. In der aktuellen Klausur - die dem Tageblatt vorliegt - habe Born im Bereich der Prozesstechnik die Berechnung chemischer Prozesse verlangt, die nie in der begleitenden Vorlesung behandelt worden sind. "Um sich mit den neuen Inhalten vertraut zu machen, reicht die einstündige Bearbeitungszeit bei Weitem nicht aus", klagt Degen. Dazu müsste man Unterlagen über alle existierenden Prozesse vorliegen haben. Zudem habe Born die für die verlangte Berechnung von zu- oder abzuführenden Wärmemengen in einem Reaktor notwendigen Eingangswerte nicht angegeben. Degen: "Die Aufgabe war nur mit Annahmen unsererseits zu lösen."
"Wir wollen wissen, was da los ist"
Besonders häufig stelle Born derartige Aufgaben in den Grundlagenvorlesungen zur Biochemie. Besonders dramatisch: Studenten, die eine solche Klausur auch beim dritten Mal nicht bestehen, werden exmatrikuliert - auch wenn sie ansonsten alle Leistungen erbracht haben. Das ist nach Angaben der betroffenen Studenten schon häufiger der Fall gewesen, zuletzt vor zwei Jahren. "Man kann lernen so viel man will, kriegt man wieder so eine unlösbare Aufgabe vorgesetzt, ist man raus", sagt Degen, der nichts gegen schwere Klausuren hat. "Aber sie müssen im Verhältnis stehen", sagt er. Daher hat der Student wie viele seiner Kommilitonen die Biochemie-Prüfung an der Hochschule in Hamburg absolviert.
Gerüchte, nach denen Born die Biochemie-Vorlesungen abgegeben habe, da Betroffene Anwälte eingeschaltet haben, ließen sich gestern nicht erhärten. Der massive Protest der Studenten gegen die aktuelle Klausur hat jedoch mittlerweile das FH-Präsidium erreicht. "Ich bin vor Kurzem vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses informiert worden, dass es erhebliche Probleme und Gesprächsbedarf gibt", erklärt FH-Chef Herbert Zickfeld auf Nachfrage. Es gebe bereits einen Termin für ein klärendes Gespräch mit Jens Born, der derzeit im Ausland weilt und auch auf E-Mail-Anfragen nicht reagiert hat. Zickfeld verspricht eine faire Ermittlung: "Wir wollen wissen, was da los ist. Die Studenten werden ernst genommen", versichert er.
"Warum macht uns ein Professor den Abschluss so zur Hölle?"
Widersprüche gegen Leistungsbewertungen hatten in der Vergangenheit selten Aussicht auf Erfolg. "Zumeist ging es, leider, zu Lasten der Studenten, da die rechtlich vorgegebenen Bewertungsspielräume von den Dozenten eingehalten werden", räumt Ausschussvorsitzender Roger Geffert ein. Dort, wo es Auffälligkeiten gebe, blieb nur das Gespräch. "Wir haben keine Sanktionsmöglichkeiten."
Im aktuellen Fall droht sechs durchgefallenen Studenten der dritte und letzte Versuch. Degen: "Warum macht uns ein Professor den Abschluss so zur Hölle?"

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von Kristof Gatermann
erstellt am 10.Aug.2012 | 07:12 Uhr

Themen zu diesem Artikel:

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01. | Udo Damerau | 16.08.2012 | 13:42 Uhr
Nachtrag

.
zu dem Aspekt, weitergehend als in Vorlesungen zu studieren / lernen, sich zu interessieren / informieren:

Ich weiß nicht, wie viele Studenten hier im SHZ an den Kommentaren zu den einzelnen Beiträgen beteiligt sind - aus Zeitgründen vielleicht wenige.

Bei manchen Themen werden von den Kommentar-Verfassern per Link Hinweise zu Quellen mit weiteren Informationen angeboten.

Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass dies nur in wenigen Fällen wahrgenommen wird - erkennbar aus den einzelnen Reaktionen / Antworten.
Das Spektrum reicht von strikter Ablehnung / Verweigerung nicht des Inhaltes, sondern der Kenntnisnahme, bis hin zu ´Glaubensfestigkeit´, also Ablehnung, ohne sich mit einer gegensätzlichen Auffassung oder deren Fakten zu befassen, diese abzuwägen oder gar, seine bisherige Meinung zu ändern.

Es gibt hier zwar einen Unterschied zwischen Lern-Erfordernis und Informations-Möglichkeit - gemeinsam aber ist beiden: eigener Wille und die Fähigkeit, Gelesenes zu verarbeiten, müssen vorhanden sein.

Vielleicht ist das nicht bei jedem so gegeben ...

02. | Udo Damerau | 16.08.2012 | 12:14 Uhr
Studium

Jetzt mische ich mich doch noch ein! (was sonst, bei dem Wetter...)

Ohne Studium, ohne Kenntnis von Professoren und Klausuren, habe ich vieles in mehreren Richtungen ohne ´Lehrer´ selbst ´gelernt´, um nicht ´studiert´ anzuwenden.
Wo ist der Unterschied?
Ich musste keine Klausuren bewerten lassen, sondern meine Fehler und Lücken selbst finden und beseitigen.

Es ist natürlich hilfreich, wenn jemand - wie auch immer und mit welchen didaktischen Hilfsmitteln auch immer - etwas ´vorkaut´ und spezielle Fragen zum Thema beantwortet.
Aber das kann zusätzliche Literatur ebenso - und das ´tut´ seit einigen Jahrzehnten das Internet in einem früher nie für möglich gehaltenen Maß.

Selbstverständlich ist ein umfassendes Studium mit allen Neben-Aspekten oder -Themen oder -Fächern etwas anderes als das gezielte Befassen mit einem bestimmten Sachgebiet.

Aber worum geht es hier:
Um eine Klausur in einem ** bestimmten Sachgebiet ** - oder habe ich etwas falsch verstanden?

03. | Mar Cel | 16.08.2012 | 10:29 Uhr
Kommt drauf an...

Ich hatte selber einige Vorlesungen/Klausuren/Hausarbeiten bei Herrn Professor Born und kann daher durchaus verstehen, dass man sich über den Herrn auslassen kann. Auf jeden Fall stimmt es, dass man ihn nur sehr schwer erreicht und er sich mit Korrekturen mehr als genügend (gerne mehr als 6 Monate) Zeit lässt. Auch hatten wir einen Fall bei dem jemand seinen Job erst verspätet antreten konnte, weil die Korrektur auffällig lange ausblieb mit "nicht bestanden" als Resultat (was bei üblicher Bearbeitungszeit hätte korrigiert werden können). Ich kann daher die Kritik an seiner Arbeitsweise verstehen. Das Niveau allerdings ist nicht übertrieben, Hackengas ist da die Devise. Ich habe mich lange Zeit über den Herrn aufgeregt, bis ich die "Schuld" letzlich doch bei mir zu suchen hatte. An der FH und an der Uni fehlt es den Studierenden über weite Strecken an Lehr- und Studiengeist. Mit der Erwartungshaltung die Klausur mundgerecht in der Vorlesung zu behandeln, schön alles auf Papier oder im Skript zu finden und einer Woche Vorbereitung denken Viele es sei getan. Dazu kommen noch die Kandidaten, die Fragen alá "Das müssen wir aber nicht in der Klausur können, oder?", "Können Sie uns vielleicht eine Probeklausur stellen?" in Richtung Lehrstuhl werfen oder sich eben die Blöße geben und damit an die Presse gehen, was ich, meine eigene Meinung, mehr als peinlich finde und was mich ein Stück weit aufregt, wenn die Hochschule, die mich von einem "Schüler" zu einem, sich Thematiken eigenständig erarbeitenden, Absolventen erzogen hat. Das irgendwann dieser Sprung kommen sollte, wenn man entsprechend gefordert, und hier lobe ich mir Herrn Borns (harte) Lehrmethoden,...vor dieser Erkenntis verschließen sich von Jahr zu Jahr mehr. Und dass es nicht unmöglich ist haben ja drei gezeigt.

04. | Marc Laatzke | 10.08.2012 | 12:52 Uhr
Studere heißt "Sich bemühen" und nicht "geschenkt" bekommen

Ich stimme dem Kommentar des Herrn Jürgensen in einigen Bereichen durchaus zu. Über das Niveau mag man sich streiten, ist sehr stark abhängig vom Fachbereich und auch von den Professoren. Kofferklausuren gibts an fast jeder Hochschule und die findet man dann auch recht schnell im Internet. Ich persönlich habe dort im Fachbereich Wirtschaft studiert und fand das Niveau im Schwerpunkt dann durchaus ansprechend. Aber - ich war 12 Jahre aus der Schule raus und habe alle "Scheine" im ersten Anlauf versucht und bis auf 2 auch geschafft, auch die für Wirtschaft so gefürchteten Mathe und Statistik-Scheine. Und das trotz Durchfallquoten von bis zu 75 %. Und warum? Weil ich mich nicht auf dem Vorlesungsstoff ausgeruht habe und auch nicht davon ausgegangen bin, dass dieser Stoff reichen könnte. Wer Erwachsenenbildung genießt, sollte nicht erwarten, dass alles auf dem Silbertablett serviert wird.

05. | Jens Jürgensen | 10.08.2012 | 12:31 Uhr
Erwartungshaltung

Leider ist die Erwartungshaltung der Studenten, wie es auch im Artikel anklingt, etwas schief. Natürlich wird nicht alles in Vorlesungen vorgebetet, was man wissen muss - deswegen ist es ein Studium. Die Zeit einer Vorlesung reicht gar nicht für den kompletten Stoff. Und dass man Annahmen treffen muss, ist ja nun gerade ein Merkmal von Akademikern, auch von solchen einer FH.

Das fachliche Niveau der FH Flensburg ist eh nicht besonders hoch, sie ist lediglich geographisch in Deutschland ganz oben. Viele Klausuren sind von Jahr zu Jahr die gleichen, die Klausuren der letzten Jahre sind komplett mit Antworten in einschlägigen Internetforen erhältlich, oft genügt es, diese auswendig zu lernen, um eine Klausur zu bestehen. Selbst für gute Noten reicht das. Dies hat sich herumgesprochen, es gibt genügend Studenten, die nur nach Flensburg kommen, weil man hier für minimale Leistung praktisch garantiert besteht und gute Noten bekommen kann.

Es ist gut, dass ein Professor diese Abwärtsspirale nicht mitmacht und tatsächlich Leistung verlangt. Sollte es tatsächlich echte fachliche Mängel geben, beispielsweise unlösbare Aufgaben, dann muss man erstmal sehen, ob diese anteilsmässig überhaupt für das Bestehen relevant waren oder eigentlich nur für die Differenzierung der Note. Und selbst wenn sie unlösbar waren - das zu erkennen, sollte einem angehendem Absolventen möglich sein. Dies entsprechend wissenschaftlich formuliert sollte durchaus die volle Punktzahl geben. Einfach nichts zu machen und sich hinterher zu beklagen, ist allerdings ein Zeichen, dass ein Studium vielleicht doch nicht die richtige Wahl war.

Das einzige Problem, dass ich sehe: Diese harte Wahrheit hätten die Studenten schon im ersten und nicht im letzten Semester erfahren sollen. So sind sie ja geradezu dazu ausgebildet worden, dass man nur Vorlesungsinhalte nachbeten muss. Dass diese hohen Durchfallraten offensichtlich nicht das erste Mal auftreten, relativiert das allerdings wieder. Jeder konnte es wissen.

06. | Rafter Man | 10.08.2012 | 10:34 Uhr
Böse Zungen sagten mir mal, sowas sei "Natürliche Auslese"

Bei solch einer Druchfallquote frage ich mich ja, was sich der "Professor" dabei denkt: Das ist doch auch ein Armutszeugnis für ihn selbst?

LEIDER läuft es häufig so im Leben, auch wenns echt weh tun kann.. gewöhnt euch lieber dran, auch, wenn ihr dieses mal vielleicht sogar echte Chancen habt, zu gewinnen .. ='(


Übrigens: Quatscher und Blender haben auch gerade wieder Hochzeit!

07. | Kevin Hansen | 10.08.2012 | 09:21 Uhr
Riesen Skandal

Ich kenne das Problem an der Fh-Flensburg und schließe mich meinen Vorredner an. Zu meiner Zeit haben von knapp 50 Studenten die Elektrotechnik-Klausur ([Name entfernt. Die Redaktion]) nur 2 bestanden und das ist normal. Das kann nicht sein und der Professor sollte sich schämen. Das spricht nicht gerade für Ihn und seine Lehrmethoden. Das Hauptproblem ist, das die Studienabgänger oder Studiengangwechsler bei der Evaluation nicht in die Statistik fallen. So stehen die Professoren gut dar.

08. | Hardy Hardt | 10.08.2012 | 08:49 Uhr
Solche Profs gibt es häufig

Das Problem ist nicht neu und nicht auf den zitierten Fall beschränkt.

Während meiner Studienzeit in meiner Funktion des StuPa Präsidenten gab es häufiger Gespräche mit dem Rektorat, heute Präsidium.
Hauptprobleme:
- Die 'Freiheit der Lehre'; will heißen ein Prof kann unterrichten wonach ihm die Nase steht
- Das Beamtentum; Man kann auch grottenschlechte Profs nicht feuern, allenfalls versetzen
- Die Disziplinargewalt sitz in Kiel beim Ministerium nicht beim Rektorat. Im fernen Kiel ist ein Fall nur eine Nummer und wird entsprechend nachlässig bearbeitet. Würde die Disziplinargewalt beim Rektor liegen, sähe das ganz anders aus! Mein Rektor hat damals ein Disziplinarverfahren angeschoben, welches irgenwann eingestellt wurde. ergebnis, er hatte keine Energie, das nochmals zu tun, wenn ohnehin NICHTS dabei rum kommt.
Der Rektor könnte zwar einen unfähigen und/oder lustlosen Prof zur Gartenpflege heranziehen, nur sei dies zum einen ein sehr teurer Gärtner, zum anderen gäbe es ohnehin zu wenig Profs.

Ein Hauptproblem ist auch, daß nur die wenigsten Profs Fachwissen UND pädgogische Kenntnisse UND soziale Kompetenz mitbringen, einige auch nichts von den dreien!

Für die Studenten in Flensburg bleibt zu hoffen, daß der Prof entfernt und die Klasur(en) für ungültig erklärt werden!

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