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Flensburger Tageblatt

19. September 2014 | 21:51 Uhr

Fachhochschule Flensburg : Durchgefallen: Protest gegen Professor

vom

Dass ein Student durch eine Prüfung rasselt, ist nicht ungewöhnlich. Wenn es aber gleich in 17 von 20 Fällen heißt "durchgefallen", ist das auffällig. So geschehen an der Fachhochschule Flensburg.

Flensburg | Die Bilanz des Notenspiegels der Klausur "Chemische Verfahrenstechnik" vom 26. Juni an der Fachhochschule Flensburg: In 17 von 20 Fällen heißt es "durchgefallen". Alle 20 Studenten aus dem sechsten Semester - auch die drei erfolgreichen - haben beim Prüfungsamt der FH Widerspruch eingelegt. Denn die Schuld für das miese Abschneiden geben sie nur einer Person: Professor Jens Born.
"Immer wieder stellt er Aufgaben, die nicht zu lösen sind", sagt Peter Degen, der selbst betroffen ist und seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. In der aktuellen Klausur - die dem Tageblatt vorliegt - habe Born im Bereich der Prozesstechnik die Berechnung chemischer Prozesse verlangt, die nie in der begleitenden Vorlesung behandelt worden sind. "Um sich mit den neuen Inhalten vertraut zu machen, reicht die einstündige Bearbeitungszeit bei Weitem nicht aus", klagt Degen. Dazu müsste man Unterlagen über alle existierenden Prozesse vorliegen haben. Zudem habe Born die für die verlangte Berechnung von zu- oder abzuführenden Wärmemengen in einem Reaktor notwendigen Eingangswerte nicht angegeben. Degen: "Die Aufgabe war nur mit Annahmen unsererseits zu lösen."
"Wir wollen wissen, was da los ist"
Besonders häufig stelle Born derartige Aufgaben in den Grundlagenvorlesungen zur Biochemie. Besonders dramatisch: Studenten, die eine solche Klausur auch beim dritten Mal nicht bestehen, werden exmatrikuliert - auch wenn sie ansonsten alle Leistungen erbracht haben. Das ist nach Angaben der betroffenen Studenten schon häufiger der Fall gewesen, zuletzt vor zwei Jahren. "Man kann lernen so viel man will, kriegt man wieder so eine unlösbare Aufgabe vorgesetzt, ist man raus", sagt Degen, der nichts gegen schwere Klausuren hat. "Aber sie müssen im Verhältnis stehen", sagt er. Daher hat der Student wie viele seiner Kommilitonen die Biochemie-Prüfung an der Hochschule in Hamburg absolviert.
Gerüchte, nach denen Born die Biochemie-Vorlesungen abgegeben habe, da Betroffene Anwälte eingeschaltet haben, ließen sich gestern nicht erhärten. Der massive Protest der Studenten gegen die aktuelle Klausur hat jedoch mittlerweile das FH-Präsidium erreicht. "Ich bin vor Kurzem vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses informiert worden, dass es erhebliche Probleme und Gesprächsbedarf gibt", erklärt FH-Chef Herbert Zickfeld auf Nachfrage. Es gebe bereits einen Termin für ein klärendes Gespräch mit Jens Born, der derzeit im Ausland weilt und auch auf E-Mail-Anfragen nicht reagiert hat. Zickfeld verspricht eine faire Ermittlung: "Wir wollen wissen, was da los ist. Die Studenten werden ernst genommen", versichert er.
"Warum macht uns ein Professor den Abschluss so zur Hölle?"
Widersprüche gegen Leistungsbewertungen hatten in der Vergangenheit selten Aussicht auf Erfolg. "Zumeist ging es, leider, zu Lasten der Studenten, da die rechtlich vorgegebenen Bewertungsspielräume von den Dozenten eingehalten werden", räumt Ausschussvorsitzender Roger Geffert ein. Dort, wo es Auffälligkeiten gebe, blieb nur das Gespräch. "Wir haben keine Sanktionsmöglichkeiten."
Im aktuellen Fall droht sechs durchgefallenen Studenten der dritte und letzte Versuch. Degen: "Warum macht uns ein Professor den Abschluss so zur Hölle?"

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erstellt am 10.Aug.2012 | 07:12 Uhr

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