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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Wildes Flensburg : Duburg: Der Rehbock vom Rummelgang

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Urbanes Äsen statt freie Natur: Ein Zuwanderer aus der Marienhölzung entzückt die Nordstadt-Bewohner.

Flensburg | So jung und schon so viele Fans: Anwohner auf Duburg, von Burgfried bis Rummelgang, nennen „ihren“ einjährigen Rehbock längst liebevoll ihr Maskottchen und haben ihm eine Wasserschale hingestellt. Nun zieht es Wildtiere seit Jahren schon in die Städte – vor allem Füchse, Marder, Schwarzwild. Dass sich jedoch ein Reh in die Hinterhöfe und Gärten so nahe der Flensburger Altstadt zwischen Jugendstil der Toosbüystraße und hängenden Schuhen der Norderstraße niederlässt, ist durchaus ungewöhnlich.

Sagt auch Clemens Teschendorf, der das auf die „gesunde Stadtnatur“ schiebt und Wildtiere, wenn im Urbanen, eher am Stadtrand verortet. Der Pressesprecher im Rathaus sieht weder aus Sicht des Natur- noch Tierschutzes Handlungsbedarf. Dies wäre nur der Fall, wenn das Tier einen kranken oder gestörten Eindruck machte, erklärt Teschendorf.

Dass das nicht so ist, bestätigen unter anderem Augenzeugen des Kulturfolgers. Evelin Bordel berichtet, dass ihr Bruder Stefan den Rehbock vorgestern zuletzt gesehen habe. Das Tier zeige sich am liebsten in den frühen Morgen- und in den Abendstunden. Duburg-Bewohnerin Bordel berichtet von einem „Aufstand“ unter den Anwohnern und, dass eine Unterschriftenliste in Arbeit sei, seit es hieß, das Tier solle geschossen werden. „Ich finde, das ist ein Unding“, sagt sie mit Blick auf den populären neuen Nachbarn und denkt dabei nicht zuletzt an die Kinder von der Marientreppe, die das Reh schon in ihr Herz geschlossen hätten.

Entwarnung gibt der Kreisjägermeister Heinrich Sievertsen, der im Scherz von einem „Rehbock mit Büchern“ unterm Arm spricht. Der Jährling sei nämlich zuerst vor ungefähr vier Wochen im Garten der Dänischen Zentralbibliothek (Norderstraße) gesehen worden. In den Grünanlagen auf Duburg hat sich Sievertsen seinerzeit mit einer Gruppe von Fachleuten einen Eindruck verschafft. „Wir haben gar keine Möglichkeit, den Bock zu strecken“, sagt Sievertsen. Der Eigentümer des Grundes habe ein klares Verbot ausgesprochen, dort zu schießen. Da hilft auch keine Ausnahmegenehmigung. Grundsätzlich gilt: Die Jagdausübung ist in befriedeten Bezirken untersagt – Hofräume und Gärten sind befriedet. So steht es im Jagdgesetz.

„Das Lebendfangen ist mit Abstand die beste Lösung“, findet Michael Hocke, der beim Ortstermin mit Sievertsen dabei war. Doch das wird kein Kinderspiel, weiß der pensionierte Polizist und Vorsitzende des Hegerings VI. „Mit weiten Sätzen, hohen Sprüngen“, so beschreibt es Hocke, habe sich der Bock an einer Mauer entlang fortbewegt. Heinrich Sievertsen hält das Einfangen sogar für unmöglich. Drei Dutzend Mann bräuchte man dafür, schätzt der Kreisjägermeister. „Und wir laufen Gefahr, dass sich der Bock einen Lauf bricht.“ Dann müsste er getötet werden. Die letzte Option, den Zuwanderer zu betäuben, schließt Sievertsen ebenfalls aus. „Wir müssten auf mindestens 15 Meter ran“, sagt er. Das lässt der Rehbock aber nicht zu. „Wir sind nicht rangekommen“, erinnert sich Michael Hocke an die erste Begegnung und gibt zu bedenken, dass es gar keine geeigneten Kartuschen für das 25 Kilo leichte Wildtier gebe, um es nur zu betäuben – und nicht einzuschläfern.

Die beste Möglichkeit, so Sievertsen, wäre, wenn der Bock den gleichen Weg zurücknimmt, den er auch gekommen ist. Der Kreisjägermeister vermutet, dass der Jährling aus der Marienhölzung in die Innenstadt kam. Die Leitstelle und damit die Polizei sei informiert, ergänzt er. „Wer denkt, das Reh sollte dort lieber nicht sein, sollte es auch nicht füttern“, empfiehlt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Und spricht Heinrich Sievertsen damit aus der Seele.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 08:06 Uhr

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