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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2014 | 19:49 Uhr

Doppelter Einsatz für Noels Leben

vom

Zwei Typisierungs-Aktionen in Oeversee und Schleswig sollen am Wochenende helfen, einen Knochenmarkspender für den Siebenjährigen zu finden

Schleswig/Oeversee | Manchmal sagt ein Wort mehr aus als ein ganzes Buch. Leukämie. Das ist eines dieser Wörter. Es braucht keine weiteren Erklärungen. Wohl kaum eine andere Krankheitsdiagnose ist mit so viel Angst und Schrecken verbunden wie diese. Alle 45 Minuten, so erklärt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), erkrankt alleine in Deutschland ein Mensch neu an Leukämie. Das sind 32 pro Tag. 11 680 im Jahr. Es kann jeden treffen, jederzeit.

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Einer, der diese Erfahrung jetzt machen musste, ist der siebenjährige Noel Hauke. Bevor er mit seinen Eltern 2009 in die USA zog, hat er mit seiner Familie lange Zeit im Oeverseer Ortsteil Sankelmark gewohnt. Mutter Ramona arbeitete dort als Kindergärtnerin, Vater Andreas war als Tornado-Pilot beim Aufklärungsgeschwader in Jagel stationiert, übernahm vor drei Jahren einen Posten als Fluglehrer der Luftwaffe in New Mexico. Der Kontakt in den Kreis Schleswig-Flensburg ist dennoch nie abgebrochen. Im Gegenteil: Die Familie hat hier offenbar gute Freunde hinterlassen. Denn die Hilfsbereitschaft, die die Haukes erfahren, seitdem sie zwei Tage vor Weihnachten wie ein Blitz von der Blutkrebserkrankung des Sohnes getroffen wurden, ist groß. So groß, dass am Wochenende in Oeversee und Schleswig zwei privat organisierte Typisierungs-Aktionen stattfinden, die dabei helfen sollen, einen geeigneten Knochenmarkspender für den kleinen Noel zu finden.

Dass die Chance zwar nicht sehr groß ist, den passenden Spender zu finden, weiß angesichts einer Treffer-Wahrscheinlichkeit von 1:20 000 auch Yvonne Christiansen. Dennoch hat sie sich mächtig ins Zeug gelegt, und setzt große Hoffnungen auf die Typisierungs-Aktion am Sonnabend in Oeversee, die sie initiiert und organisiert hat. "Als ich von Noels Erkrankung gehört habe, konnte ich nicht einfach hier sitzen und nichts tun", sagt die Erzieherin des Naturkindergartens Oeversee, wo sie lange mit Noels Mutter Ramona zusammengearbeitet hat. Natürlich hofft sie nun auf eine große Resonanz auf die Aktion, "aber selbst, wenn nur 30, 40 Leute kommen. Wer weiß: Vielleicht ist am Ende ja der richtige Spender dabei. Ich freue mich über jeden, der kommt", sagt Yvonne Christiansen, deren siebenjähriger Sohn Jannes mit Noel befreundet ist.

Anfang des Jahres hat die ehemalige Nachbarin der Haukes deshalb "einen kleinen Stein angestupst, der inzwischen mächtig ins Rollen gekommen ist", wie sie sagt. Nachdem sie sich bei der DKMS gemeldet hatte, um die Modalitäten für eine Typisierung abzuklopfen, folgten etliche Telefonate und persönliche Gespräche mit Freunden, Sponsoren und Institutionen im Ort. "Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen und bin stolz und dankbar, wie viele Menschen nun insgesamt mithelfen", sagt sie. Räumlichkeiten, Getränke und Kuchen werden komplett kostenlos gestellt. Selbst die medizinische Betreuung der Spender ist gesichert: Die Krankenschwestern Nina Geldmacher und Heidrun Eichel, beide aus Oeversee, nehmen Blut ab, und haben zu diesem Zweck weitere Kolleginnen rekrutiert.

Viel organisiert und viele Arbeitskollegen mit ins Boot geholt hat in den vergangenen Wochen auch Raik Meier. Der Jageler Tornado-Pilot ist ehemaliger Kollege von Andreas Hauke, beide Familien sind seit Jahren miteinander befreundet. "Natürlich war ich geschockt, als ich von Noels Erkrankung erfahren habe. Das geht wohl jedem so, insbesondere, wenn man ein Kind hat. Mein Sohn Lukas ist neun Jahre alt und hat schon oft mit Noel gespielt", erzählt der Major, der in enger Absprache mit Yvonne Christiansen eine zweite Typisierungs-Aktion, die am Sonntag in Schleswig stattfindet, organisiert hat. Dafür hat er erfolgreich bei seinen Kameraden auf dem Fliegerhorst und auch bei Nachbarverbänden, etwa dem Flugabwehrraketengeschwader aus Husum, ordentlich die Werbetrommel gerührt und. "Die Hilfsbereitschaft ist enorm groß", sagt Meier. Allein die Jageler Sanitätsstaffel sei mit rund 50 Frauen und Männern im Einsatz, um bei den "hoffentlich ganz vielen Spendern", wie Meier sagt, Blut abzunehmen. Selbst Handball-Legende Jan Holpert hat er als Pate gewinnen können. Der langjährige Torwart der SG Flensburg-Handewitt wird deshalb am Sonntag in Schleswig dabei sein.

Die Familie Hauke hingegen ist bei den beiden Aktionen nicht vor Ort. Erst vorgestern sind sie von El Paso nach Hannover geflogen. Dort wird Noel, der bemerkenswert tapfer mit seiner Erkrankung umgeht, in der Uni-Klinik weiter behandelt. Und dort wartet er auf einen passenden Knochenmarkspender. Hoffentlich wird er am Wochenende in Oeversee oder Schleswig gefunden.

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erstellt am 01.Mrz.2012 | 05:58 Uhr

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