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Bürgerärger in Flensburg : DLRG fühlt sich im Stich gelassen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neubau-Finanzierung in Fahrensodde wackelt: Lebensretter sollen erst Abbrucharbeiten für marode städtische Gebäude bezahlen.

Vor nicht mal einem Jahr staunte die DLRG über eine Rettungstat aus dem Nichts. Oberbürgermeisterin Simone Lange, damals noch Bewerberin fürs Amt, schlug mit der sie tragenden Ratsmehrheit von CDU, SPD und Grünen vor, durch eine einmalige Investitionskostenbeihilfe von 250  000 Euro den Bau eines großzügigen neuen DLRG-Quartiers in Fahrensodde zu ermöglichen und einen jahrelangen Notstand zu beenden. Eine – wie damals berechnet – Win-Win-Situation, da die Dienstleistung der DLRG für das maritime Flensburg den Einsatz mindestens wieder einspielt. Jetzt liegt eine neue Rechnung auf dem Tisch, die zeigt, dass die Stadt in Verhaltensmuster zurückzufallen scheint, die zwischen 2013 und 2014 die Etablierung eines maritimen Dienstleistungszentrums verhinderten.

Auf die Freude folgte der Schock. „Wir können sofort loslegen“, freute sich gestern Vormittag DLRG-Vorsitzender Torsten Brocks. Da war noch alles eitel Sonnenschein. Ministerpräsident Torsten Albig hatte am Sonnabend bei einem Sponsorenessen im Robbe & Berking Yachting Heritage Center die letzten fehlenden 50.000 Euro aufgetrieben, die folgende Hauptversammlung segnete daraufhin freudig den Bauauftrag für das – vermeintlich – durchfinanzierte Projekt in einer Größenordnung von 500.000 Euro ab.

Und jetzt kommt der Haken. Das im „Ristorante Italia il Porto“ lukullisch gewonnene Sponsorengeld dürfte zu großen Teilen für das große Aufräumen auf dem heruntergekommenen städtischen Grundstück draufgehen. Zwei marode Gebäude (mit Asbest-Problematik) müssen abgebrochen werden, der Untergrund, so Brocks, ist mit seinen uralten Rohren und Leitungen und teils unbekannter Vergangenheit ein einziges Überraschungsei. Gewerbegrundstücke werden in Flensburg meistens baureif verkauft. Hier ist das anders. „Wir haben der DLRG einen erheblichen Zuschuss von 250.000 Euro eingeräumt und gehen daher davon aus, dass die Dinge, die mit dem Bau zusammenhängen, damit abgegolten sind“, gibt Rathaussprecher Clemens Teschendorf die Position der Verwaltung wieder.

Die knauserige Sicht ist nicht neu. Ein Grund für das Scheitern des Vorhaben-bezogenen Bebauungsplans Fahrensodde 20 im Winter 2014 war die Erwartung der Stadt, sich das Aufräumen auf dem über Jahrzehnte vernachlässigten Militärgrundstück und das Hinstellen der Extras – Uferpromenade, öffentliche Parkplätze, Naherholungsflächen etc. – von ihrem Investor bezahlen zu lassen. Für Brocks ein echter Schock. „Ich habe in diversen Gesprächen darauf hingewiesen, dass wir das nicht können. Wenn nur ein Munitionsfund dabei ist, sind wir pleite!“ Die DLRG hätte ohnehin Flächen bevorzugt, die zuvor noch nicht überbaut waren. „Wir haben auf Wunsch der Stadt bezüglich Größe und Lage Abstriche gemacht“, gibt er zu bedenken. „Diese Zusatzkosten der Baugrund-Herstellung liegen also auch in städtischer Verantwortung.“ Wie es jetzt weitergeht, weiß er nicht. „Ich muss das erst einmal sacken lassen.“ Zum Glück hat der Vorstand Zeit. Er wurde einstimmig für weitere  drei Jahre gewählt.  Immerhin zwei  Jahre brauchte  die vorherige Planung bis zum Scheitern.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 05:46 Uhr

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