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Flensburger Tageblatt

29. Mai 2016 | 21:11 Uhr

Verbindung nach Dänemark : Die Wiedergeburt einer Fähr-Idee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fahrradfähre Holnis-Brunsnis: Glücksburg kann das Projekt nicht aus eigener Tasche finanzieren. Positive Signale gibt es von der Naturschutzbehörde.

Flensburg | Eine Ewigkeit ist sie zwar noch nicht unterwegs, aber ein bisschen erinnert sie schon an den Fliegenden Holländer. Seit 2001 geistert das Projekt einer Fährverbindung zwischen der deutschen Halbinsel Holnis und dem dänischen Brunsnis durch die Träume der Touristiker beidseits der Grenzen. Jetzt scheint es gerade wieder einmal ein bisschen konkreter zu werden. Gorm Casper von der Tourismus Agentur Flensburger Förde und die Stadt Glücksburg überlegen, wie sie den dicken Fisch endlich an Land ziehen können.

Für Touristiker ist die Sache sonnenklar. Wer von Holnis bzw. Brunsnis aus Radwanderer und Spaziergänger auf dem Wasserweg über die hier nur anderthalb Kilometer breite Förde übersetzen kann, hat ein touristisches Pfund, mit dem er wuchern kann. Auf deutscher wie dänischer Seite warten auf Sommergäste landschaftliche Schönheit und Entschleunigung pur. Gorm Casper, Chef der in Flensburg ansässigen Tourismus Agentur Flensburger Förde (Taff): „Die Touristen fragen uns Löcher in den Bauch. Warum fährt kein Schiff nach Dänemark?“

Das war bislang zu auskömmlichen Kosten für keinen Schiffer zu bewerkstelligen. Die dänische Seefahrtsbehörde Søjfartsstyrelsen beharrte auch für den kleinsten grenzüberschreitenden Schiffsverkehr auf die Einhaltung der internationalen Standards nach Solas (Safety of Life at Sea). Jede Fahrradfähre, die seit 2001 für die ursprünglich mittelalterliche Linie projektiert wurde, scheiterte, weil sie denselben technischen Anforderungen unterlag wie die Meeresriesen der dänischen Super-Reederei Maersk. Ein Wunder, dass der in Flensburg lebende Däne Hendrik Vestergaard dieses dicke Brett so lange bohrte, bis tatsächlich etwas Greifbares für die Region dabei herauskam. 14 Jahre lang hatte Vestergaard dieses Projekt vergeblich durchzusetzen versucht. Vergangenen Dezember teilte Torsten Amt Olsen, Oberinspekteur des großen Widersachers Søjfartsstyrelsen mit, dass Dänemark sich im kleinen Grenzverkehr auf der Innenförde auch weniger strenge Sicherheitsstandards vorstellen könnte. Etwa die eines modernen Binnenschiffs.

Seither haben Petra Franke und Gorm Casper ein Papier vom August 2003 mehrmals gelesen. Die damals in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie trifft Aussagen zu den wichtigsten Zahlen für die damalige Diskussion. Bei einem Fahrtpreis von 2,50 Euro pro Person (zuzüglich 50 Cent für jedes Rad) könne sich das Projekt bei jährlich 40 000 Fahrgästen selber tragen. Damals hatte Glücksburg auch die europäische Förderkulisse abgefragt. 50 Prozent der erforderlichen Investitionen von 928 000 Euro waren förderfähig. Blieb noch ein Eigenanteil von über 450 000 Euro – den Glücksburg damals wie heute nicht auftreiben kann. Bürgermeisterin Kristina Franke findet das Projekt toll. Aber bezahlen kann Glücksburg es aus eigener Tasche nicht. Die Stadt ist so überschuldet, dass Kiel den Haushalt 2015 erst am Nikolaustag absegnete. Und für 2016 sieht es auch nicht besser aus, bekennt die Bürgermeisterin. „Bei uns reicht es so eben noch für das Pflichtprogramm.“

Glücksburg kann nur auf Hilfe hoffen. Der von Vestergaard betriebene Förderverein für die Fähre ist vor diesem Hintergrund Hoffnungsträger Nummer 1. Franke sieht das Projekt federführend bei der Flensburger Taff angesiedelt. Und in der Tat hat Gorm Casper dort die Herausforderung angenommen. Vorrangig muss der Tourismus-Chef Machbarkeit und Förderfähigkeit des Fährprojektes prüfen. Immerhin: die Untere Naturschutzbehörde habe signalisiert, dass im streng geschützten Natura 2000-Habitat vor Holnis eine Anlegebrücke grundsätzlich denkbar sei. Endgültig muss das eine Umweltverträglichkeitsprüfung feststellen, und auch die Machbarkeitsstudie von 2003 muss aktualisiert werden. Beides kostet Geld – und einen Investor hat Glücksburg noch nicht. Glücksburg, sagt Casper, kann nur die Rolle des Projektträgers spielen. „Für die Finanzierung müssen wir andere Quellen finden.“ Gut daran ist eines. „Die Wirtschaftszahlen dürften seit 2003 noch besser geworden sein“, prognostiziert Hendrik Vestergaard. Er glaubt an seine Fähre. Möglicherweise war er noch nie so dicht an der Realisierung dran wie jetzt.

Gut für die Planer: Sie brauchen sich nur um den Anleger zu kümmern. Im Dezember jedenfalls saß noch eine dänische Reederei mit am Tisch, die auf eigenes Risiko das geeignete Fahrzeug beschaffen und betreiben will. Das letzte Wort hat dann nochmals Søjfartsstyrelsen im Rahmen einer Einzelabnahme für das Schiff. Auch in Flensburg hofft man auf das dänische Seefahrtsamt. Die Viking-Reederei, die eine Linie zwischen Glücksburg und Flensburg betreibt, könnte sich vorstellen, künftig einen Zwischenstopp in Kollund einzulegen. „Wir haben versucht, mit Kopenhagen in Kontakt zu kommen, damit aber noch keinen Erfolg gehabt“, sagt Viking-Chef Jens Görrissen.

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erstellt am 30.Jan.2016 | 13:00 Uhr

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