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Bildung in Flensburg : Die Waldschule hat ein WC-Problem

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit einer Petition kämpfen Eltern um neue sanitäre Anlagen – und die Stadt stellt Maßnahmen für 2018 in Aussicht

Sie ist bei Schülern wie Eltern beliebt und mehrfach ausgezeichnet worden. Doch die Waldschule hat ein Problem. Ein drängendes Problem. Denn die sanitären Anlagen sind in die Jahre gekommen – und nicht erst seit gestern eine Zumutung für die Nutzer. Schlecht beleuchtet, nicht behindertengerecht, ramponierte Türen, rutschige Böden, leere Seifenspender, angekettetes Klopapier. Allein die Fotos vom Innenleben der Kabinen scheinen schon einen unangenehmen Geruch zu verströmen.

Neben dem olfaktorischen Problem macht sich auch Vandalismus breit. Für die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Franziska Krüger-Bley ist Letzteres allerdings nicht Ursache der beklagenswerten Zustände, sondern die Folge. „Die Hemmschwelle sinkt, weil es viel schlimmer nicht werden kann. Die Abwärtsspirale“, sagt sie, „lässt sich nur mit einem Konzept aus baulichen Maßnahmen sowie einem schulinternen Regel- und Maßnahmenkatalog stoppen.“ Elternvertreter übergaben nun eine Petition an die Stadt, in der sie sehr deutlich eine Verbesserung der sanitären Anlagen fordern. Über 250 Unterschriften stehen dahinter.

Niemand kann sich erinnern, wann das letzte Mal an die marode Bausubstanz Hand angelegt worden ist. Auch Schulleiter Volker Masuhr nicht. Mit der Elterninitiative rennt man bei ihm offene Türen ein. Masuhr verweist darauf, dass er Jahr für Jahr auf die Missstände hingewiesen habe und die Schule aufgrund anderer Prioritäten „immer nach hinten rausgefallen“ sei. Tatsächlich räumt Michael Draeger, Leiter der Kommunalen Immobilien, ein, dass Instandhaltungsarbeiten „auch ohne Petition“ für 2017 angedacht worden seien. „Leider ist der Dachschaden an der Gemeinschaftsschule West dazwischen gekommen.“ Die Maßnahme sei nunmehr für nächstes Jahr fest eingeplant. Für die Lösung, die sich die Eltern wünschen – also barrierefreie, behindertengerechte Schultoiletten – gebe es allerdings noch keinen konkreten Ansatz. Fest stehe allerdings, dass die Kosten dafür enorm seien und lange Wege durch die Gremien erfordern würden. Franziska Krüger-Bley kontert diesen Hinweis: „Wenn Inklusion politisch gewollt ist, muss man auch die Mittel dafür bereitstellen.“ Die Eltern hoffen darauf, dass ihre Kinder von den im Nachtragshaushalt des Landes bereitgestellten 10 Millionen Euro als Sofortprogramm zur Sanierung der Schultoiletten in Schleswig-Holstein profitieren werden.

Volker Masuhr geht noch einen Schritt weiter. Weil die Schule als DaZ-Zentrum 50 zusätzliche Schüler (insgesamt 356) verkraften muss, gebe es nicht nur zu wenig Toiletten, sondern ein akutes Raumproblem. „Wir haben dadurch vier Klassenräume verloren.“ Er verweist auf einen Ratsbeschluss für einen Neubau mit integrierter Mensa. Derzeit nehmen 70 Schüler ihr Mittagessen in einem Klassenzimmer schichtweise ein. Die große Lösung terminiert Michael Draeger aber erst auf die Jahre 2019  /  20.

Zunächst also müssen die Schüler unter den unwürdigen Bedingungen weiterleben, vor denen, so Elternvertreter Danny Nainzadeh, „Lehr- und Reinigungskräfte offenbar kapituliert haben“. Viele Kinder, fügt er an, würden morgens zum Frühstück schon gar nichts mehr trinken wollen. „Weil sie befürchten, dann in der Schule eine der Toiletten aufsuchen zu müssen.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 06:12 Uhr

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