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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:19 Uhr

Top-Talente : Die US-Girls vom Flensburger Ruderklub

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Flensburger Ruderinnen bringen ihr an amerikanischen Unis erworbenes Know-how mit an die Förde

Ob für Einheimische oder Urlauber: Noch mehr als während des übrigen Jahres bilden Innenförde und Hafen in den Sommerferien das Herz Flensburgs. Grund genug, um ein paar Hauptdarsteller und Geheimtipps auf dem Wasser in einer Serie unter die Lupe zu nehmen. Heute stellen wir zwei erfolgreiche Sportlerinnen des Ruderklubs Flensburg (RKF) vor.

„Wenn die Wasserblasen am Bug blubbern. Wenn man alles gegeben hat – und dann auch noch gewinnt“, sagt Charlotte Wesselmann, „das ist das schönste Gefühl!“ Und die 21-Jährige gewinnt fast immer. Neben ihrer ein Jahr älteren Schwester Paula ist sie eines der größten Talente, dass der Ruderklub Flensburg je hervorgebracht hat.

Seit etwa zehn Jahren schon haben die Geschwister das Ruder fest in der Hand. Vom Kinderrudern über die Juniorklasse bis hin zu den Senioren – und das ist man in dieser Sportart bereits mit 19 Jahren. Die schnellen Schwestern räumten bei internationalen Wettbewerben im Vierer oder Achter reihenweise Edelmetall ab. Es hagelte Gold, Silber und Bronze auf Deutschen Meisterschaften. Schon bald wurde Charlotte in den U19-Kader berufen, nahm in Litauen an der Jugendweltmeisterschaft teil und gewann im Vierer die Bronzemedaille.

Die Erfolge der beiden blieben den wachsamen Augen der „Scouts“ nicht verborgen, die weltweit auf der Suche nach Talenten sind. Charlotte wurde im letzten Jahr von einem „Headhunterteam“ der University of Michigan angesprochen. Während Paula bereits in South Carolina studierte („dann bin ich sechs Stunden schneller zu Hause“), entschied sich ihre Schwester nach reiflicher Überlegung aufgrund idealer Perspektiven für die Berkeley-Universität in Kalifornien. „Dort sind die besten Ruderinnen konzentriert, außerdem hat man die besten akademischen Voraussetzungen“, sagt die 21-Jährige, die in den USA ein Architekturstudium begonnen hat.

Im Herbst 2015 flog sie über den Großen Teich – und traf auf optimale Bedingungen. „Wir sind 60 Frauen im Team, alle sind sehr ehrgeizig und trainieren hart.“ Hart heißt: sechsmal wöchentlich, zweimal täglich. Doch man zahlt es ihr zurück. Bis auf den Flug kommt die Uni für alle Kosten auf – für Wohnung, Lebensmittel, Extras.

Unlängst gewann sie im Team und im 2. Achter die nationalen US-Meisterschaften. „Den deutschen Frauen-Achter haben wir von der Zeit her auch schon mal hinter uns gelassen“, sagt Charlotte. Und sie sagt es, als wäre es das Normalste der Welt.

Das Niveau im Rudersport hat sich enorm entwickelt. Noch in den 50er Jahren hielt Ruder-Legende Karl Adam es für ausgeschlossen, dass ein Männer-Achter auf 2000 Metern jemals unter der Zeit von sechs Minuten bleiben könne. Der Frauen-Achter von Berkeley liegt derzeit lediglich 17 Sekunden darüber. Der US-Achter gewann die Olympischen Spiele in Rio mit 6:01,49 min. Und bei den Männern ist die mutmaßliche Schallmauer längst pulverisiert.

Was braucht man, um ein Rennen zu gewinnen? „Erfahrung und einen unbedingten Willen“, sagen beide wie aus einem Mund. „Nach 500 Metern fängt ohnehin alles an, weh zu tun.“ Es sei eben nicht die Kraft, die letztlich ausschlaggebend sei, sondern der Einsatz von Kopf und Technik. „Dann ist es wie Fliegen.“

Die „Wesselmänner“ sind nur noch selten zu Gast auf dem Vereinsgelände am Ostseebad. „Aber wenn sie kommen, stehen wir stramm“, scherzt Ehrenmitglied Uli Gorzolla. Er lobt die Schwestern nicht nur nur für ihre Leistung, sondern auch dafür, dass sie bodenständig und auf dem Teppich geblieben sind. Ein etwas schiefes Bild für Sportlerinnen, die ihr Leben auf dem Wasser verbringen. Aber treffend zugleich.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 14:30 Uhr

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