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Flensburger Tageblatt

30. Juli 2016 | 16:55 Uhr

Raritäten : Die Telefonzelle verliert den Anschluss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Flensburg gibt es immer weniger öffentliche Fernsprecher. An einigen Standorten werden die Häuschen durch Basistelefone ersetzt.

Flensburg | Sie waren in verschiedenen Situationen der Retter in der Not: Gelbe, weiße oder, auch vereinzelt, nostalgische rote Telefonzellen. Ein Lebenszeichen von der Klassenfahrt, aus dem Urlaub oder eine kurze Mitteilung, dass es abends etwas später wird – nicht selten verschwanden die Menschen deshalb in den rechteckigen Häuschen und kramten in ihren Taschen nach Kleingeld. Doch die Zeiten sind vorbei. Deutschlandweit sind nur noch 30  000 der öffentlichen Fernsprecher in Betrieb – Tendenz fallend. Wie viele Telefonzellen in Flensburg stehen, können weder die Stadt noch die Deutsche Telekom genau sagen. „Wir halten keine regionalen Daten mehr für die externe Kommunikation vor“, erklärt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle. „Aus Kostengründen werden Standortzahlen nur für den Fall erstellt, dass ein operativer oder geschäftlicher Anlass vorliegt.“

Fest steht aber, dass die Zahl der farbenfrohen Kästen in der Stadt gesunken ist. Schuld daran ist die Verbreitung von Handys und Smartphones. Bundesweit kommen 1,4 SIM-Karten auf jeden Einwohner. Dass die Telefonzellen so zu Raritäten werden, wen wundert’s. An einigen Stellen in Flensburg, an denen Passanten Telefonkarten und Münzen zückten oder nach Wechselgeld fragten, sind die Telefonhäuschen verschwunden. Zum Beispiel an der Alten Post. Der Grund: Die Deutsche Telekom passt ihren Bestand an Telefonzellen fortlaufend an den Bedarf bei den Bürgern an, sagt Halle. „Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete, Wartung oder Beseitigung von Schäden durch Vandalismus.“ Allein für Vandalismusschäden kommen auf das Unternehmen eine Million Euro Jahr zu. Auch stillgelegte und noch nicht abgebaute Telefonzellen können Halle zufolge aus den oben genannten Gründen weiter Kosten verursachen. Ob und wann eine Telefonzelle abgebaut wird, findet im Austausch zwischen der Telekom und der Stadt statt. Der Konzern dürfe Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat stehen. Der Umsatz, so Halle, sei ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. Können sich Telekom und Stadt nicht auf einen bestimmten Standort einigen, tauscht die Telekom das Häuschen gegen ein „Basistelefon“, das wesentlich günstiger ist. Solche Basistelefone – Telefone auf einem Metallpfosten – stehen den Einwohnern auf dem Sandberg oder am Hafermarkt zur Verfügung. Halle weist daraufhin, dass man dort nur noch mit einer Telefonkarte Gespräche führen könne. Das solle unter anderem Diebstähle und Vandalismus verhindern.

Die öffentlichen Fernsprecher sind nun also lediglich an Orten, an denen es „wirtschaftlich Sinn macht“, noch zu finden: Am Bahnhof, am Südermarkt, am Zob, am Twedter Plack, in der Apenrader Straße, in der Neustadt, am Hafermarkt, im Adelbylund oder in der Waldstraße (beim Sky-Markt). „Der Kunde ist die wesentliche Entscheidungsinstanz hinsichtlich des Angebots an öffentlichen Telefonen“, stellt Halle klar. Die Telekom-Sprecherin vermutet, dass die Kommunen die Telefonzellen bereits flächendeckend abgeschafft hätten, wenn sie selbst für den Betrieb aufkommen müssten. Die meisten noch erhaltenen Standorte seien heutzutage kaum noch rentabel zu betreiben.

Eine Umfrage unter den Flensburgern bestätigt, dass nur noch wenige den traditionellen öffentlichen Hörer in die Hand nehmen. Viele Passanten in der Innenstadt schütteln nur lachend den Kopf. Nein, Telefonzellen würden sie schon lange nicht mehr benutzen. Das sei in der Zeit von Handys und Smartphones nicht mehr nötig. Diese seien sowieso deutlich praktischer. Nur Jutta Bauer erzählt, dass sie vor ein paar Wochen auf ein öffentliches Telefon zurückgreifen musste, weil sie keinen Handy-Empfang hatte. „Da musste ich, wie in alten Zeiten, Geld raussuchen“, sagt sie. Und Helga Böhmer fügt hinzu, sie würde schon noch Leute in Telefonzellen telefonieren sehen. Sie selbst benutzt „die Dinger“ aber schon längst nicht mehr. Margret Hansen wollte dagegen neulich eine Telefonzelle benutzen. Sie habe aber leider keine in der Nähe gefunden.


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erstellt am 01.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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