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Wohnungsbau in Flensburg : Die Tage des Hochhauses sind gezählt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mitte Mai soll das Gebäude Travestraße 28 vom Erdboden verschwunden sein - hier nahm die Flensburger Fernwärme ihren Anfang.

Jetzt ist es vorbei: Ein markantes Gebäude verschwindet aus der Ansicht des Stadtteils Fruerlund. Der Selbsthilfe-Bauverein (SBV) verwirklicht seine Absicht, das Hochhaus Travestraße 28 abzureißen, die Vorbereitungen sind voll im Gang.

Eigentlich hätte der Bau längst verschwunden sein sollen. Doch als während des großen Flüchtlingsansturms Wohnraum gebraucht wurde, erlebte das Haus eine Reaktivierung, und an der Travestraße konnten Wohnungen geboten werden. In dem Zusammenhang stand auch der Brandanschlag auf die unteren Geschosse. Wohnraum ist dort Vergangenheit, jetzt wird der Abbruch sichtbar vorbereitet. Noch einmal konnte der Bau nützlich sein: Polizisten mit Spürhunden gingen einsatzmäßig durch das Haus und übten die Suche nach Personen. Danach war die Feuerwehr dran. Nach der Vernebelung der Gänge und Flure sollten die Mitglieder mehrerer Freiwilliger Wehren den Einsatz im dichten Qualm üben.

Zu den Standard-Vorbereitungen für den Abriss gehört das Abklemmen von Strom, Wasser und Fernwärme. Eine besondere „Zierde“ verdankt der Stadtteil der Tatsache, dass auf dem neunstöckigen Gebäude Antennen für den Mobilfunk montiert waren. Als Ersatz wurde auf dem Parkplatz an der Ecke Elbestraße/Travestraße ein Mast installiert, der die Antennen trägt. Die Antennen werden wieder auf dem Neubau installiert, der etwa so groß wird wie sein Vorgänger.

Und in gut 14 Tagen kommt der große Bagger. Vom Standort auf dem Parkplatz wird er mit einem riesigen Greifer zunächst das Dach abheben. Dann wird das Maul des Baggerarms jede Wand einzeln wegknacken. Zu einem Abbruch gehört die Sortierung der verschiedenen Bestandteile nach der Materialsorte. Hier müssen die Arbeiter nicht mühselig jedes Stück freilegen und nach unten schaffen, hier hilft wieder der große Bagger. Fenster oder Heizungen werden einzeln herausgerissen und unten auf verschiedenen Materialstapeln abgelegt und zum Recycling gebracht. Das gilt auch für den Bauschutt, der im Straßenbau verwendet werden soll.

Am Schluss steht die Beseitigung des Fundamentes. Mitte Mai soll das alte Hochhaus vom Erdboden verschwunden sein. Die Baugrube wird dann nicht zugeschüttet, sondern für den Neubau auf eine größere Grundfläche erweitert.

Das Hochhaus steht auch für Pioniergeist: Hier nahm die Flensburger Fernwärme ihren Anfang. In Dänemark entdeckte SBV-Direktor Willi Sander die Fernwärme, mit einer zentralen Erzeugung der Heizungswärme in einem Heizwerk und der Verteilung per Rohrnetz in alle Wohnungen. Neben dem Hochhaus wurde die Heizzentrale installiert, welche die „alte“ Siedlung versorgte.

Es war damals Taktik des Bauvereins, jedem Mieter zu erklären: Wer nicht angeschlossen werden will, der braucht das nicht. Die Verweigerer, die sich in der Ausbauphase dann doch für den Anschluss entschieden, wurden etwas hingehalten, damit sie in der Siedlung erzählten: „Da geht jetzt gar nicht mehr“ und damit eine gewisse Torschlusspanik auslösten – mit Erfolg.

Das SBV-Fernwärmenetz zeigte, dass diese Art der Versorgung funktionierte. Das nahmen sich die Stadtwerke zum Vorbild und erstellten eine Versorgung, die zum Vorbild für deutsche Städte wurde. Das Fruerlunder Netz ging später in dem der Stadtwerke auf.

 

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erstellt am 14.Mär.2017 | 14:33 Uhr

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