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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 07:18 Uhr

Kinderbetreuung in Flensburg : Die Sonderkonjunktur für Erzieher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburger Kita-Offensive wirbelt den Arbeitsmarkt für pädagogische Fachkräfte und Heilpädagogen seit Januar durcheinander.

Die Kita-Offensive der Stadt Flensburg hat eine echte Sonderkonjunktur für pädagogisches Personal nach sich gezogen. Im Herbst hatte die Flensburger Ratsversammlung beschlossen, alle mehr als 240 Gruppen der rund 60 Flensburger Kindergärten mit zusätzlichem Personal, längeren Öffnungszeiten morgens und am Nachmittag und darüber hinaus einem Heilpädagogik-Angebot auszustatten. Pro Kita- und Krippengruppe geht es durchschnittlich um eine halbe Stelle plus fünf Stunden Heilpädagogik – also rechnerisch allein um mehr als 120 neue Jobs für Erzieher an der Förde.

„Vor dem Hintergrund des großem Personal- und Fachkräftemangels ist es allerdings eine große Herausforderung, wenn es darum geht, die vakanten Stellen in den inzwischen 243 Flensburger Kita-Gruppen zu besetzen“, sagt Almut Ritter aus der Kindertagebetreuung der Stadt. Die elf Kitas in städtischer Trägerschaft – mit derzeit 51 Gruppen – hätten bereits einen Teil des zusätzlichen Personalbedarfs von mehr als 25 Vollzeitstellen durch Stundenaufstockung bei den Kita-Beschäftigten gedeckt, zahlreiche Stellen entfristet und auch neue Erzieher eingestellt. Eine Umfrage unter den nicht-städtischen Kitaträgern habe ergeben, dass es auch dort mittlerweile gelungen ist, einen Teil der neuen Stellen für Erzieher und sozialpädagogische Assistenten (SPA) zu besetzen. Für die meisten Träger gilt jedoch, dass noch lange nicht alle Stellen besetzt werden konnten und dass die Personalverantwortlichen sehnsüchtig auf weitere Bewerbungen von qualifizieren Heilpädagogen, Erziehern und SPA hoffen. Am schwierigsten ist es offenbar, die rechnerisch 31 Vollzeit- oder 62-Halbtagsbeschäftigten in der Heilpädagogik zu finden, wie Almut Ritter bestätigt: „Besonders an diesem Fachpersonal mangelt es an allen Ecken und Enden.“

Adelby1 Kinder- und Jugenddienste, mit neun Kitas in der Stadt einer der großen privaten Anbieter in Flensburg, meldet erste Erfolge: „Wir haben aktuell sieben neue Stellen besetzt und führen wöchentlich Bewerbungsgespräche“, sagt Sprecherin Anette Schnoor. Schon jetzt berichteten die Mitarbeiter von einer spürbaren Verbesserung der Arbeitsbedingungen: „Die halbe Stelle mehr sorgt für Planbarkeit und Sicherheit auch in Zeiten mit hohem Krankenstand. Die damit verbundene Sicherheit und Entspannung im Team der jeweiligen Einrichtung wirkt unmittelbar in die Gruppenarbeit, kommt also den Kindern zugute“, sagt sie.

Etwas weiter sind bereits die acht kirchlichen Kitas in Flensburg, wie Gerd Nielsen vom Evangelischen Kita-Werk in Flensburg berichtet: „Für unsere acht Kitas ergibt sich rechnerisch ein Anteil von 15,7 zusätzlichen Vollzeitkräften im Erzieherbereich und 4,3 Stellen zusätzlich für Heilpädagogen.“ Diese verteilten sich jedoch stundenanteilig auf die acht Einrichtungen. Gut zwei Drittel der Stundenanteile (Erzieherinnen und SPA) seien bei der Kirche bereits besetzt – unter anderem, weil Mitarbeiter aus dem Umland sich aufgrund des besseren Stellenschlüssels in der Stadt bewerben. „Selbstverständlich suchen wir weiterhin Personal für unsere Kitas im Kitawerk“, sagt Nielsen und ergänzt: „Bei Heilpädagoginnen können wir keine Einstellungen vermelden.“ Hier erschwere die Tatsache, dass sich mehrere Kitas einen Heilpädagogen teilen müssen, die Suche auf dem Arbeitsmarkt.

Der ADS-Grenzfriedensbund mit seinen fünf Flensburger Kitas habe drei Viertel der neuen Stellen besetzt, berichtet Gesa Görrissen, die die Kita-Abteilung leitet. Doch die Suche ist längst nicht abgeschlossen. „Wir wünschen uns weitere Bewerbungen von Heilpädagogen, sozialpädagogischen Assistenten, Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen.“

Die Flensburger Hannah-Arendt-Schule, eine Berufsschule mit einem Schwerpunkt in der Sozial- und Heilpädagogik, bietet konkret die Berufe „staatlich anerkannter/e sozialpädagogischer/e Assistent/in“, „staatlich anerkannter/e Erzieher/in“ sowie die Weiterbildung zum/zur „staatlich anerkannter/en Heilpädagogen/in“ in Vollzeit an. „Damit leisten wir einen großen Beitrag zur Kita-Qualitätsoffensive in Flensburg“, sagt deren Sprecher Christian Lucks. In der Abteilung für Sozial- und Heilpädagogik ist geplant, dass das Flensburger RBZ ab dem Sommer drei Klassen Erzieher ausbildet – vom Bildungsministerium sei in Aussicht gestellt worden, eine vierte Klasse für die Erzieher-Ausbildung einzurichten. Bewerbungsschluss ist am 28. Februar. Im Herbst starte die nächste Vollzeit-Klasse für die eineinhalbjährige berufliche Weiterbildung zum Heilpädagogen.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 18:35 Uhr

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