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Flensburger Tageblatt

27. September 2016 | 22:40 Uhr

Die Schwimmlehrer der Kadetten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

DLRG Flensburg unterrichtet seit 60 Jahren Soldaten der Bundeswehr im Rettungsschwimmen

Niklas Rohde (20 Jahre alt) springt ins 900  000 Liter große Becken der Schwimmhalle der Marineschule Mürwik. Mit ihm sind weitere Kadetten im Bad, schwimmen, tauchen, schleppen Gegenstände. Sie absolvieren die Rettungsschwimmerausbildung der DLRG.

In diesem Sommer feiert das Team der DLRG Flensburg 60 Jahre Einsatz bei der Bundeswehr. Seit 1956 schon bildet das vierköpfige Bundeswehr-Stützpunkt-Team Soldaten zu Rettungsschwimmern aus – eine Aufgabe, die neben der Strandwache, dem Wasserrettungsdienst und der Schwimmausbildung von Kinder und Jugendlichen doch eher unbekannt ist.

13  161 Rettungsschwimmer wurden seit Beginn der Kooperation zwischen DLRG und Bundeswehr schon ausgebildet. Ein Ausbildungsrekord ist es für Teamleiter Wolf-Dieter Sauer, der 1995 – zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Beeß – die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland für seinen Einsatz bekam und 2015 den ersten Platz im Wettbewerb Schwimmen und Retten belegte. Unterstützung erhielten Sauer und Beeß 1995 durch den Leutnant zur See Dietmar Kula. 2007 kam Uwe Merk dazu und vervollständigte das Team.

Die vier Berufssoldaten sind inzwischen im Ruhestand. Doch noch immer stehen sie regelmäßig am Beckenrand: Ehrenamtlich kommen sie jede Woche zur Badehalle der Marineschule, „um einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten“, so Sauer.

Das 25-Meter-Schwimmbecken erinnert an das alte Hallenbad in der Innenstadt, das derzeit abgerissen wird. „Nur ist diese Anlage viel moderner“, meint Beeß. „Es gibt hier keinen Chlorgeruch und keine roten Augen. Alles wird von der Anlage genau dosiert. Seit der großen Sanierung von 2008 ist die Halle eine der besten Anlagen der Bundeswehr.“ Weil sie auch die einzige Standort-Schwimmhalle in Schleswig Holstein ist, kommen viele Soldaten aus der gesamten Nordregion hierher zur Ausbildung.

In der Badehalle, die im Sommer wieder geleert und saniert wurde, schwimmen die Offizieranwärter für das erste Treffen der Saison. Einer wird zum Beispiel Leinenführer und wirft eine Rettungsleine ins Wasser. Ein anderer spielt den Ertrinkenden und wird gleich von einem anderen Soldaten gerettet und bis zum Beckenrand transportiert. An diesem Tag sind zwölf Auszubildende anwesend, alle tragen einen schwarzen Badeanzug. Die Anzahl der Teilnehmer ist aber immer unterschiedlich, da viele Soldaten oft monatelang auf Ausbildungsfahrten der Marine unterwegs sind. In der Halle können die Offizieranwärter jeden Dienstag drei Stunden kostenlos für den Rettungsschwimmerschein üben. Voraussetzung ist nur, dass alle schwimmen können.

„Ich bin gekommen, weil ich meine Schwimmtechnik verbessern möchte und es als ehemaliger Sanitäter interessant finde, Menschen in einem anderen Element zu helfen“, erklärt Rohde. Bronze, Silber und Goldene Schwimmabzeichen hat er schon. Jetzt möchte er Bronze, Silber und Gold auch als Rettungsschein erhalten.

Vor Silber muss er aber zuerst die Bronze-Prüfung bestehen. Dafür muss Rohde 200 Meter in zehn Minuten – zur Hälfte in Bauchlage, zur Hälfte in Rückenlage – schwimmen können, 100 Meter Kleiderschwimmen in vier Minuten oder zweimal in drei Minuten Tieftauchen und aus drei Metern Tiefe einen Fünf-Kilo-Tauchring herausholen. 90 Prozent der Offizieranwärter erzielen nur den Silberschein. Für Gold sei die Prüfung viel schwieriger. Dafür müssen sie 30 Meter Streckentauchen und acht Ringe aufsammeln.

„Zu den praktischen Leistungen kommt auch eine theoretische Prüfung“, erklärt Sauer. „Da werden Kenntnisse wie Erste Hilfe, Wiederbelebung oder das Beherrschen verschiedener Rettungsmittel getestet.“

Sauer bedauert es, dass diese Rettungsausbildung für zukünftige Offiziere keine Pflicht mehr ist. „In der Dienstvorschrift 3/10 steht, dass Rettungsschwimmer bei dienstlichen Schwimmen, je nach Anzahl, anwesend sein müssen. Wenn jemand über Board fällt oder wenn das Boot umkippt, ist es auch besonders wichtig, dass die Soldaten zu Rettungskräften ausgebildet sind.“

Die vier Männer erinnern sich an die Vergangenheit. Zunächst wurde der Unterricht im ehemaligen Marinebad an der Förde und im Winter in Kiel durchgeführt, dann im Flensburger Hallenbad und später in der Marineschule. „Wir haben auch Soldaten aus Afrika, Asien und dem Mittleren Osten ausgebildet“, erzählt Sauer. „Es gab sogar einem Mann aus dem Kongo, der noch nie Wasser gesehen hatte. Und die Ausbildung zum Rettungsschwimmer hat er geschafft!“

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