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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 00:55 Uhr

Kultur in Flensburg : Die Pilkentafel wird umgebaut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trennung von Haus und Truppe / Festes Personal für Technik und Büro / Neue Strukturen erfordern höheren Zuschuss

Das Theater wird volljährig, die Theatertruppe sogar schon 33: An der Pilkentafel im verwinkelten Gängeviertel am Hafen steht eine Zeitenwende bevor. Es war ruhig hier in den letzten Monaten, Theater wurde hier nicht gespielt, stattdessen gegrübelt, geplant, nachgedacht. Jetzt gibt es ein schriftliches Konzept und einen Fahrplan in die Zukunft der Pilkentafel. „Die Stadt Flensburg muss sich entscheiden, ob sie dieses Theater will oder nicht“, sagt Elisabeth Bohde, die die Pilkentafel 1983 gegründet hat und sie bis heute lebt.

Doch die Zeiten, in denen die Theatergruppe, das Gebäude-Ensemble an der Pilkentafel und das Paar Elisabeth Bohde und Torsten Schütte eine untrennbare Einheit waren, sind vorbei. Das Haus und die Kunst sollen deutlicher voneinander getrennt werden. „Die Menschen, die hier Theater machen, wollen und sollen sich auf die Kunst konzentrieren“, so Bohde. Dem Haus werde eine gewisse Eigenständigkeit gegeben, so dass es auch ohne das Duo funktionieren kann. Das Haus werde geöffnet, damit andere Theatermacher es bespielen. Dabei denke man nicht an Gastspiele. Stattdessen sollen junge Theatermacher hier in aller Ruhe ihre Stücke entwickeln und spielen. Dieses Modell praktiziere man bereits mit dem Regisseur Peer Ripberger und dem Theater Kormoran – ein Ensemble ohne festen Standort, dessen Mitglieder an unterschiedlichen Orten leben und nur zu neuen Produktionen zusammen kommen, zum Beispiel in Flensburg.

Elisabeth Bohde und Torsten Schütte ziehen sich ein wenig zurück, aber nicht ganz. „Wir übernehmen eine Beratungs- und Coaching-Funktion, aber nicht die Kontrolle“, betont Bohde. Außerdem behalte man die Geschäftsführung der Spielstätte. Die werde vergrößert und erweitert, weil das Paar aus dem Vorderhaus, in dem es seit Jahren lebt, ausziehen wird. Es könne als Tanzsaal und Probenraum genutzt werden. Natürlich werden die Beiden auch nach wie vor eigene Stücke produzieren, auch derzeit wird an einem Stück gearbeitet.

„Das Haus hat eine längere Lebensdauer als wir“, sagt Elisabeth Bohde und denkt dabei nicht zuletzt auch an ihr eigenes Alter. „Wir müssen eine klare Struktur haben.“ Im August beginne der Theatertechniker Manuel Melzer, fest an der Pilkentafel zu arbeiten. Die Drittelstelle für Öffentlichkeitsarbeit ist mit Esther Sievers bereits besetzt, es folge noch eine Verwaltungsstelle.

Das große Ziel heißt: Sechs Premieren pro Jahr, Spielzeiten von September bis Juni mit Ausnahme der Vorweihnachtszeit, 120 Vorstellungen pro Jahr. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel“, so Bohde. Zusätzlich könne es Begleitformate und Gesprächsformate geben. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit könne das Theater auch für Lesungen, Konzerte und Vorträge vermietet werden.

Das Kindertheater werde komplett auf Klassenzimmer-Vorstellungen umgestellt. Die Abendstücke werden aber nach wie vor auch vormittags für Schülergruppen – meist Oberstufe – angeboten, einige wohl auch für neunte und zehnte Klassen. Um den heißen finanziellen Brei redet Elisabeth Bohde nicht lange herum: Die neue Pilkentafel werde teurer sein als die alte. Durch die Verteilung auf viele künstlerische Schultern würden mehr Bundesmittel zur Finanzierung einzelner Produktionen nach Flensburg fließen. Doch die Basisfinanzierung müsse vor Ort gesichert werden. Das bedeute, den städtischen Zuschuss von 50  000 Euro pro Jahr auf 100  000 zu verdoppeln. Das Konzept liege im Rathaus vor, das Kulturbüro kenne die Planungen. In der Gesamtfinanzierung des Theater bleibe der finanzielle Anteil der Stadt der gleiche.

In der neuen Struktur werde die Pilkentafel mehr Ausstrahlung über die Region hinaus bekommen, die freie Theaterszene sei hervorragend vernetzt. Schon jetzt gebe es über einzelne Personen sehr gute Kontakte bis in die Kulturpolitik in Berlin.

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erstellt am 15.Jun.2016 | 08:00 Uhr

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