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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Die junge Elite des 18. Jahrhunderts

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gesellschaft für Stadtgeschichte veröffentlicht den Band „Die Schüler der Lateinschule 1701-1795“ / Heute Vortrag im Alten Gymnasium

Wer war Johannes Moller? Sollte dies als finale Frage bei „Wer wird Millionär“ gestellt werden – der Kandidat würde vermutlich kläglich scheitern. Im Gegensatz zu Gerhard Kraack, der mal wieder tief in die Flensburger Historie des 18. Jahrhunderts eingetaucht ist. Er weiß: „Joannese Mollerus“ war von 1701 bis 1725 Rektor der Lateinschule, aus der das Alte Gymnasium hervorgegangen ist.

Kraack hat in einer beachtlichen Fleißarbeit die Namen der 1235 Schüler zusammengetragen, die in 95 Jahren die Schule durchlaufen haben. Mehr noch: Wann immer die Recherche es hergab, hat er vorhandenes biografisches Material angereichert: zur geografischen und sozialen Herkunft, zur Dauer des Schulbesuchs und, soweit bekannt, zum weiteren Werdegang. Bislang lag diese Schülerliste nur handschriftlich in einem Katalog in der Bibliothek des Alten Gymnasiums vor. Seine Nachforschungen führten ihn von der Königlichen Bibliothek Kopenhagen bis hinunter nach Tübingen.

All das ist nun in Buchform erhältlich. Die Flensburger Gesellschaft für Stadtgeschichte hat den von Gerhard Kraack verfassten Band „Die Schüler der Flensburger Lateinschule 1701-1795“ herausgegeben, der zunächst in einer limitierten Auflage von nur 165 Exemplaren erhältlich ist.

Vor mehr als vier Jahrzehnten stieß der ehemalige Lehrer auf den „Katalog der Jünglinge und Knaben“, die in besagter Zeit die 1566 gegründete höhere Lehranstalt besuchten. Seit dieser Zeit beschäftigt er sich damit. „Das ganze letzte Jahr habe ich täglich an dem Buch gearbeitet – es sollte zum 450-jährigen Jubiläum des Gymnasiums fertig gestellt sein.“ Das ist ihm in überzeugender Manier gelungen. Findet auch Stadtarchivdirektor Broder Schwensen. „Kein anderer hätte das so durchdringen können“, lobt Schwensen die akribische Arbeit, die dem sehbehinderten Autor zu eigen ist. Vor drei Jahren stellte er das „Historische Kataster“ der Stadt von 1436 bis 1795 vor. Daran hatte er 20 Jahre lang gefeilt.

Die Flensburger Lateinschule, zwischen Südermarkt und Kloster zum Heiligen Geist gelegen, wurde seinerzeit überwiegend von Söhnen höher gestellter Familien besucht. Töchter ausgeschlossen. Sie kamen nicht nur aus Flensburg, sondern auch aus Mecklenburg, Brandenburg, dem Lüneburgischen oder sogar aus Norwegen und durchliefen Quinta, Quarta, Tertia, Sekunda, Prima. Es waren alle großen Kaufmanns- und Schifferfamilien der Stadt vertreten, Sprösslinge von Ärzten, Lehrern, Handwerkern oder Pastoren. Allerdings wurden bei der Berechnung des Schulgelds auch soziale Aspekte berücksichtigt.

Es ging in erster Linie darum, Latein als Sprache der universellen Gelehrten zu erlernen und sich auf ein Theologiestudium vorzubereiten. „Gute Schüler stiegen schnell auf“, sagt Kraack. „Einige wiederum kamen nur für zwei Jahre, um sich dann ihrer bürgerlichen Karriere zu widmen.“ Die Dauer der Ausbildung betrug – wie heute – acht bis neun Jahre. Doch damals gab es noch keine Schulpflicht.

Als der beliebte Johannes Moller seinen Dienst als Rektor antrat, zählte die Einrichtung lediglich 51 Schüler. Gerhard Kraack, inzwischen 76-jährig, hat das Alte Gymnasium nie besucht – er machte sein Abitur an der Goethe-Schule.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 18:12 Uhr

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