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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

Landschaft : Die Jäger des verlorenen Hufeisens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein halbkreisförmiges Naturschätzchen nur für die Eingeweihten: Flensburgs schönstes Labyrinth ist nicht so einfach zu entdecken

Es könnte ein Schatz für Flensburger sein – und für alle, die die Stadt besuchen. Der sechs Kilometer lange Weg führt durch eine prächtige Kleingartenkolonie, durch große Felder und grüne Wälder. Ab und zu kann man sogar den Zaun übersteigen und zwischen den friedlichen Schafen gehen. Der Pfad führt auch an den schönen alten Bauernhäusern von Engelsby-Dorf vorbei. Doch, wie bei vielen verborgenen Schätzen, muss man auch beim „Grünen Hufeisen“ auf die Suche gehen. So machte ich mich auch - mit einer Überlebensration Kohlehydratkomprimat - auf dem Weg.

Zwei Sachen sind sicher: der U-förmige Weg fängt am Hafenostufer, an der Mündung des Lautrupsbach vor Klarschiff an und endet vor Sonwik. Oder andersrum, wie man es lieber hat. Und er führt durch das Lautrupsbachtal, Engelsby-Dorf und Osbektal. Wo er sich genau befindet, ist aber zum Teil unklarer. Auch dort, wo man es eigentlich wissen müsste.

„Leider haben wir hier kein Material über den Weg“, wird mir bei der Touristen-Information in der Roten Straße gesagt. „Ich muss gestehen, dass ich den Namen heute zum ersten Mal höre, sagt Celina Matthiesen (22) auf der anderen Seite des Schalters. Nur eine grobe Karte kann Celina für mich online finden. Drauf sieht man einen grünen Kreisbogen, der die zwei Küstenteile verbindet. Geschätzter Maßstab 1: 2,5 Millionen – sehr hilfreich ist es nicht.

Das „Grüne Hufeisen“ ist auch bei seinen Anrainern kaum bekannt. „Ich kenne den Namen nur aus der Zeitung“, sagt Conny Sannowitz (53). „Ich weiß, dass er hier durch Fruerlundmühle geht, aber die Reststrecke kenne ich nicht.“ Jeden Tag spaziert sie auf der Strecke mit ihrem Hund. „Ich sollte es theoretisch wissen“ sagt sie. „Aber die Hinweisschilder sind so klein und unauffällig.“ Die Hinweisschilder? Bei den vielen, vielen Kreuzungen und dem reichen, prächtigen Grün der Büsche und Bäume gehen die winzigen grünen Schildchen mit dem kleinen weißen Pfeil glatt unter. Vielen Wanderern, die man hier trifft, geht es so wie Anwohnerin Sannowitz. Sie wissen von nichts. „Ach, das ist das Grüne Hufeisen?“, fragen sie mich. „Wir sind ganz zufällig hier. . .“

„Wenn man den Weg finden will, dann kann man den Weg finden!“ sagen Hildegard Moeller (71) und Marion Klarmann (61), die mit Wanderstöcken einmal die Woche laufen gehen. Den Weg kennen sie ganz gut. Drei Stunden dauert er. Dass Leute sich verlaufen, verstehen die beide nicht: „Es ist alles gut gekennzeichnet. Wir haben es ganz einfach gefunden. Man soll nur gut aufpassen.“ Um mir eine eigene Meinung darüber zu bilden, suche ich jetzt mal selber den Weg. Ich entdecke einen wunderschönen Naturpfad. Dreimal habe ich mich verlaufen. Oft habe ich auch lange an der Kreuzung nach dem kleinen grünen Schild gesucht, das sich so gerne versteckt.

Ich starte in Sonwik, den Kelmhof hinauf, die alte Marinefernmeldeschule lasse ich rechts neben mir. Dann weiter Richtung Osterallee. Bei der Ostseeschule geht’s durch ein Tor ins Kleingartengelände. Da kann man entscheiden, ob man lieber unten dem Bach oder oben dem Hauptweg der Kolonie folgt. Beide führen zur Osterallee – wo ich mich zum ersten Mal verlaufe. Den kleinen Überstieg zur Wiese verpasse ich und folge sehr lange der Osterallee, bis ich mich doch entscheide zurückzugehen. Der Weg durch die Weide ist herrlich. Ich folge ihm Richtung Engelsbyer Weg und finde mich dort vor einem Hufeisenschild, das in die falsche Richtung führt. 15 Minuten folge ich irrtümlich einer für Radwanderer ausgeschilderten Umleitung ums Osbektal in die falsche Richtung und lande wieder bei der Ostseeschule. Also von vorn, das Ganze: Diesmal finde ich das schöne Engelsby-Dorf – und auch am Ortsausgang die winzige Abzweigung des Pfads nach Fruerlundmühle. Langsam werde ich beim Schildersuchen besser. Ich folge dem Spazierweg den Lautrupsbach entlang. Nur kurz vor dem Ende, an der Gabelung unter der Nordstraße, weiß ich wieder nicht: rechts oder links? Ich entscheide mich für links und lande auf der Nordstraße. Rechts war es. Am Bachlauf entlang geht es dort idyllisch zu Tal. Als ich am Hafenostufer die Förde wieder sehe, freue ich mich auf eine wohlverdiente Pause.

Elmar Westphal, der Erfinder des „Grünen Hufeisens“ bedauert, dass sich die Stadt nur minimal um den Weg kümmert: „Offiziell gibt es das „Grüne Hufeisen“, aber aus meiner Sicht ist es eine Schummelei“. Für Westphal hat die Stadt bei Einrichtuung und Pflege geschludert. „Schilder werden überwachsen, die Wegpflege vernachlässigt, und wenn die Kleingartenkolonie im Winter schließt, muss man auf die Osterallee ausweichen. Um dieses Hindernis zu umgehen, hatte er vorgeschlagen, die Zäune der Gartenkolonie ein wenig umzusetzen. „Die Planung hat meine Vorschläge einfach ignoriert“, klagt Westphal. Er ist enttäuscht. „Viele wissen nicht, dass vor ihren Füßen so ein schönes Gebiet liegt. Und für die Verwaltung sind es fast null Kosten“.

Hildegard Moeller und Marion Klarmann haben also recht. Wer den Weg finden will, der kann. Vielleicht sollte man aber das erste Mal lieber mit dem Fahrrad suchen und die Augen gut offen halten. So werden die Umwege kleiner.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 12:37 Uhr

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