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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Flensburger Jungunternehmer : Die Herren der 1000 Felgen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Daniel Jonas und Felix Lemke haben sich im Gewerbegebiet Peelwatt auf den Online-Handel mit sportlichem Autozubehör spezialisiert.

Man muss sich den Unternehmensstart von DF Automotive in Flensburg wohl eher unspektakulär vorstellen. Die Abiturienten Daniel Jonas (20) und Felix Lemke (18) gründen die Firma sozusagen zu Hause in der eigenen Wohngemeinschaft. Jonas und Lemke beginnen ihren Online-Autozubehörhandel vom heimischen Schreibtisch, die ersten Aushilfen dürfen auf dem Sofa der WG Platz nehmen.

Zehn Jahre später sitzen die Erfinder und Betreiber von Felgenshop.de und anderen Plattformen für sportliches Fahrzeugzubehör mit mehr als 50 Mitarbeitern in einem bereits erweiterten Neubau am Ende des Gewerbegebietes Peelwatt. Im Dezember 2014 sind sie hier eingezogen. Nach anderthalb Jahren denken sie gerade über den übernächsten Wachstumsschritt nach: „Wir haben schon fast zu klein gebaut“, fürchtet Daniel Jonas, der bei sommerlichen Temperaturen sportlich in Shorts und T-Shirt empfängt. „Bei der Innenarchitektur haben wir uns von Google und Facebook inspirieren lassen“, erklärt er. Damit meint er natürlich nicht die Fülle eleganter Felgen, die den Besucher im Foyer neben Stoßdämpfern oder Auspuffanlagen empfängt. Auch nicht die Felgenmontagestraße samt Verpackungsmaschine im Werkstattsektor. Er meint die lockere Anordnung höhenverstellbarer Schreibtische, Kaffeebereiche, Besprechungsecken und Ruheräume, in denen man sich auch mal aufs Sofa legen kann. Auch Mineralwasser von Treenetaler stellt das Unternehmen. Beide Chefs haben übrigens ein gemeinsames Büro. Die Philosophie dahinter: immer im Austausch bleiben.

Blumenwiese hinterm Haus, Gratiswasser, Kaffee und Früchte, schön und gut: Aber wo liegt eigentlich das Geheimnis dieses kleinen Wirtschaftswunders verborgen? „Wir verkaufen Autoteile, die sonst keiner anbietet“, erklärt DF-Automotive-Geschäftsführer Jonas – samt eigener Werkstatt, in der Felgen, Auspuff oder Fahrwerk montiert werden. Das Unternehmen (Altersdurchschnitt unter 30 Jahren) ist auf Exportmärkten weltweit aktiv. Und obwohl die Firmenzentrale in der Stadt wenig bekannt ist, pilgern begeisterte Automobilisten mindestens aus der nördlichen Hälfte Deutschlands und ganz Jütland zum Peelwatt, wenn man das Teil der Teile hier zu finden glaubt – und die hauseigene Werkstatt es sogar einbaut.

Überhaupt: Manche ahnen kaum, wie leidvoll die Auswahl der richtigen Felge sein kein. Beispiel VW Golf 5: Hier hält der gut sortierte Felgenshop glatt 953 Auswahlmöglichkeiten vor: Farbe, Design, Marke, Speiche, Oberfläche. Sollen sie auch wintergeeignet sein? Otto-Normalfahrer weiß ja gar, in welchen Dschungel man sich in so einem Felgenreich begeben kann. „Das Komplettpaket muss stimmen“, verrät Daniel Jobas. Dazu gehören neben gut sortierten Auswahlmöglichkeiten auch Erklärungen des Felgenberaters – und gewiss auch eine ordentliche Portion Suchmaschinen-Marketing, damit die Felgen aus dem eigenen Shop bei Google & Co auch ganz vorn angeboten werden.

Irgendwann auf dem Weg zwischen WG-Firmengründung und Peelwatt-Wachstum haben Jonas und Lemke ein BWL-Studium an der Flensburger Fachhochschule aufgenommen – einer mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikationstechnologie, einer mit Schwerpunkt Controlling und Logistik. Doch als sie merkten, dass sie beim E-Commerce auf dem Campus nicht mehr viel lernen konnten, haben sie das Studieren eher nebenher laufen lassen.

Die Tuningteile-Großhändler haben selbst wohl schneller gelernt, was für den Erfolg wichtig ist. Eigene Datenbanken und ein Fotostudio für Felgen und Autoteile in 3-D-Technik. Der Clou: Am Ende soll der Kunde auswählen können, ob der Hintergrund die Flensburger Schiffbrücke, der Hamburger Hafen oder vielleicht sogar der Pariser Platz in Berlin sein könnte.

Und bevor es vergessen werden könnte, sagt Daniel Jonas noch. „Wir liefern natürlich nur Qualitätsware.“ Die Masse der Kundschaft sitzt bislang in Deutschland, Skandinavien und Dänemark. Aber das muss ja nicht so bleiben. Je nachdem, welche Sprachen die neuen Mitarbeiter gerade beherrschen, werden wieder neue Märkte beackert. Jonas sagt: „Ich denke, zum Jahresende werden wir fast 60 Mitarbeiter sein.“

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erstellt am 10.Aug.2016 | 11:54 Uhr

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