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Flensburger Tageblatt

26. Februar 2017 | 20:14 Uhr

Flüchtlinge in Flensburg : Die ganze Flucht auf dem eigenen Handy

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Acht Geflohene dokumentieren ihre Geschichte bis zur Ankunft in Flensburg: Ausstellung seit 1. Dezember im Rathaus

Man möchte lieber nicht dabei gewesen sein, wenn Sameh Al Kali (29) von seiner Flucht berichtet. Der Theaterlehrer aus Amunda im kurdischen Teil Syriens machte sich im Spätsommer 2015 aus Kurdistan auf den Weg nach Deutschland. Er berichtet von zwei Tagen im Gefängnis in der Türkei, von der geschlossenen Grenze in Mazedonien, und von vier Tagen davor mit 30 Personen in den Wäldern Griechenlands: „Die Polizei hat mir alle Papier abgenommen“, schimpft Kali schon in ganz ordentlichem Deutsch. Seit einem Jahr und vier Monaten sei er nun in Deutschland, fühle sich in Flensburg sehr wohl. Bloß über seinen Asylantrag sei bis heute nicht entschieden. Immerhin sei er vor mehr als zwei Monaten in Neumünster vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angehört worden. Herumsitzen und warten wollte der Kurde in Flensburg aber von Anfang an nicht: „Ich mache ehrenamtlich Theater mit Kindern“, verrät er.

Hussein Alkawalda ist mit seiner Frau aus Dharra in Syrien geflohen. Zu Hause handelte er mit Teppichen. Seine Flucht führte ihn von Izmir in der Türkei übers Mittelmeer. Unter den Handyfotos der Geflüchteten, aus denen das Kulturbüro der Stadt und die Flüchtlingshilfe eine Ausstellung gemacht haben, ist ein Foto, das zeigt, wie er das Steuer des Bootes übernehmen musste. Alkawalda und seine Frau sind froh, dass sie in Flensburg gelandet sind und jetzt in einem Zimmer in der Schleswiger Straße wohnen.

Thomas Frahm vom Kulturbüro und Niklas Kildentoft von der Flüchtlingshilfe hatte bereits im vergangenen September die Idee zu der Aussstellung. „Damals hatte viele Flüchtlinge im Gespräch ihre Mobiltelefone gezückt – und wir haben gemerkt, dass sie ihre gesamte Geschichte dabeihaben, von der Heimat über die Flucht bis zur Ankunft in Flensburg“, erzählt Frahm. Schließlich fanden sich acht Geflüchtete, die bereit waren, ihre Flucht und ihre persönlichen Fotos vom Handy zu veröffentlichen.

Am 1. Dezember wurde die Ausstellung mit den acht Stellwänden im Rathausfoyer eröffnet und ist dann dort bis Weihnachten zu sehen sein. Danach soll sie in interessierten Flensburger Schulen gezeigt werden.

Die meisten der mittlerweile rund 1900 Geflüchteten in Flensburg kommen aus Syrien, dem Irak, dem Jemen oder Afghanistan. Für manchen ist es auch hart, sich immer wieder zu erinnern. Viele ließen Familie, Freunde oder von Bomben zerstörte Dörfer zurück.

Doch es sind auch Storys darunter, die Mut machen. Ein Syrer macht gerade Praktikum beim Friseur, andere sind im Integrationskurs, doch viele würden gerne schneller lernen. Die Afghanin Melika Habibi floh über den Iran und ist seit einem Jahr in Deutschland. Seit einem Monat hat sie mit ihrem Mann Massih und ihren Sohn Mikail eine Wohnung. Der Dreijährige hat gerade einen Platz in der Kita bekommen. Jetzt kann sie endlich einen Deutschkurs machen.

 

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erstellt am 25.Nov.2016 | 15:11 Uhr

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