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Flensburger Tageblatt

19. Januar 2017 | 07:51 Uhr

Mega-Yacht in Flensburg : Die FSG kann auch Yachtbau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Technischer Stapellauf für ein 100 Meter langes Luxusschiff / Flensburger Werft baut für Abeking & Rasmussen

Einmal ist immer das erste Mal. Nach fast 150 Jahren lief auf dem Betriebsgelände der Flensburger Schiffbau Gesellschaft Donnerstagmittag die erste Megayacht vom Stapel. Der 100 Meter lange schwimmfähige Rumpf (Kasko) blieb freilich nicht in Flensburg, sondern machte sich im Geleit von vier Schleppern unverzüglich auf den Weg in die Nordsee. Die Werft-Flagge am Bug des nur mit Rostschutzfarbe gepönten Rumpfes verriet das Reiseziel: Lemwerder an der Weser, seit 1907 Sitz von Abeking & Rasmussen, einer Legende unter den deutschen Yachtwerften.

Die FSG hatte den Auftrag äußerst diskret behandelt. Als im Juni vergangenen Jahres das Seismik-Schiff „Amazon Conqueror“ die Werfthalle verlassen hatte, wurde dort nicht wie vorgesehen das erste von zwei Offshore-Spezialschiffen für die norwegische Siem Industries auf Kiel gelegt, sondern eine Luxusyacht. Ausweislich des Yachtregisters der bei A&R gebauten Boote ist diese Einheit mit 100 Metern Länge das größte in der Unternehmensgeschichte.

Über den Auftraggeber ist nichts in Erfahrung zu bringen. Üblicherweise betreiben alle Yachtwerften Geheimniskrämerei, wenn es um die superreiche Kundschaft geht – das gilt auch für die FSG. „Darüber wurde Stillschweigen vereinbart“, so Frauken Maier, die Assistentin der Geschäftsleitung. Die Annahme des Auftrags als Subunternehmerin sei möglich gewesen, weil wir gerade eine Lücke hatten. „Das passte sehr gut.“ Der Bauauftrag aus Lemwerder dürfte die FSG zu Zeiten der großen Turbulenzen erreicht haben. Vergangenes Jahr schrammte die FSG, wie mehrfach berichtet, haarscharf an einer Insolvenz vorbei – wegen einer Finanzierungslücke für die beiden Offshore-Schiffe für Siem Industries.

Dank der Übernahme der FSG durch den finanzstarken norwegischen Konzern im November 2011 kam das Flensburger Traditionsunternehmen aber schnell wieder in die Spur. Das erste der beiden 150 Meter langen Spezialschiffe soll am nächsten Montag auf Kiel gelegt werden. Der Termin für den Stapellauf ist auch schon bekannt: Mittwoch, 30. September, 12 Uhr. Frauken Maier ist zuversichtlich, dass bis dahin schon weitere neue Vertragsabschlüsse vorliegen werden. Mit Stand Ende April hat die FSG nur noch drei Aufträge in den Büchern – die beiden Schiffe für die Konzernmutter Siem und eine innovative, umweltfreundliche RoRo-Fähre für die australische Searoad-Reederei in Melbourne. Das 181 Meter lange Fährschiff soll Tasmanien mit dem australischen Festland verbinden und wird mit umweltfreundlichem Flüssiggas betrieben. Die FSG stehe mit weiteren Partnern in viel versprechenden Verhandlungen, die Stimmung ist gut, so Maier. Seit einigen Wochen sei das Thema Kurzarbeit Geschichte, und in nächster Zukunft sei die Rückkehr dieses Problems nicht in Sicht.

Die IG Metall teilt diesen Optimismus. „Die Krise liegt hinter uns. Ich bin mit Blick auf die FSG lange nicht mehr so entspannt gewesen wie jetzt“, sagt Michael Schmidt, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Flensburg. Aus Sicht der Gewerkschaft könnte es an der Batteriestraße kaum besser laufen. Das liegt nicht nur an der mittlerweile beendeten Kurzarbeit, das liegt für Schmidt an der sehr guten Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer. Der Lohndumping-Skandal vom März diesen Jahres hat an der Batteriestraße einiges in Bewegung gebracht. Dem neuen Geschäftsführer Ulf Bertheau sei es ein wichtiges Anliegen, derartige Praktiken auch in der Kette der FSG-Zulieferer und Subunternehmen künftig auszuschließen, freut sich Schmidt. „Die neue Eigentümerin hat sich entschieden, die Arbeitnehmer und die IG Metall mit ins Boot zu holen. Das ist ein Gewinn für die Werft.“

 

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erstellt am 02.Mai.2015 | 08:00 Uhr

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