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Flensburger Tageblatt

18. April 2014 | 10:03 Uhr

- Die Eisenbahn mitten in der Stadt

vom

Die alten Bahnhofsanlagen benötigten große Flächen in der Innenstadt / Vom Staatsbahnhof des Jahres 1884 bis zum heutigen Zob

Flensburg | Vor hundert Jahren, am 11. August 1912, flog der Zeppelin "Hansa" über die Stadt. Die Flensburger waren aus dem Häuschen. Mit an Bord: Ein Fotograf mit seiner gewaltigen Plattenkamera, der die ersten Luftbilder der Stadtgeschichte aufnahm. Zum Jubiläum hat die Stadtredaktion diese Aufnahmen von damals Luftbildern der Gegenwart gegenübergestellt und präsentiert zusammen mit dem Stadtarchiv in zehn Folgen ein einmaliges Dokument der städtischen Entwicklung und Veränderung.

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Die Förde, die St.-Jürgen-Kirche und - für Kundige - ein paar Bauten des damaligen Rathausviertels lassen noch das Flensburg von 1912 erkennen. Dr Rest des alten Stadtgebietes hat einen Wandel hinter sich, so dass das alte Flensburg kaum noch wieder zu erkennen ist.

Extrem prägnant auf dem Bild von 1912: die dichte Belegung der Fläche zwischen Innenstadt und St. Johannis mit Eisenbahnanlagen. Dieses flache Gelände entstand durch Aufschüttung des einstigen Hafenzipfels, der bis hin zum Südermarkt und heutiger Angelburger Straße reichte. Mitte des 19. Jahrhunderts sollte die Eisenbahn Flensburg erreichen. Nicht etwawurde die Stadt mit einem Schienennetz verknüpft - es entstand eine einzelne Strecke von Tönning nach Flensburg. Investoren des Projektes waren englische Unternehmer, die ihren Nutzen im gefahrlosen Gütertransport über Land sahen. Die Waren gingen von England nach Dänemark, und mit der Bahn konnte das gefährliche Kattegat umgangen werden. 1854 traf der erste Zug von der Westküste in Flensburg ein, rollte übrigens auf einem bereits hochgelegten Gleiskörper. Endstation in Flensburg war der "Englische Bahnhof", dem heutigen Europa-Haus gegenüber gelegen. Die nötigen Anlagen für die Behandlung von Loks und Waggons hatten damals noch einen bescheidenen Umfang.

Von vornherein war klar, dass die Bahn nach Tönning eine Sackgasse war. Mit einer komplizierten Konstruktion wurde deshalb in Oster-Ohrstedt der Anschluss an das Bahnnetz nach Neumünster geschaffen. Ab 1870 war die Bahn gerade durchgezogen von Hamburg-Altona über Neumünster und Schleswig nach Flensburg.

Für den wachsenden Verkehr war der "Englische Bahnhof" zu klein. 1884 wurde an gleicher Stelle der "Staatsbahnhof" mit seinen markanten Türmchen eröffnet. Der kompakte Bau ist neben dem durchgehenden Gleisstrang zu erkennen. Rechts davon, zum Johannisviertel hin, steht ein großer Lokomotivschuppen mit Drehscheibe. Als hier die Erweiterung notwendig wurde, gab es keinen Platz in der Altstadt - die damalige Deutsche Reichsbahn plante neue Anlagen an seinem heutigen Platz südlich der Mühlenteiche, die extra dafür zugeschüttet wurden.

Auf dem alten Luftbild leicht zu erkennen durch das weiße Eckgebäude: die Niko laistraße. Links davon unterbricht ein geschwungener, weißer Giebel die dunkle Dachfläche des mehrstöckigen Hauses - Nikolaistraße 7, Stammhaus des Zeitungsverlages. Das Grundstück östlich davon bis zur Fahrbahn Süderhofenden war mit großen Bäumen bestanden, die den Blick auf den damals noch offenen Mühlenstrom verstellten. Kurz vor der Hafenspitze verschwindet der Bach in einem Rohr.

Der Vergleich mit dem Foto von heute macht deutlich, dass das Zob-Gelände durch die Jahrzehnte hindurch seine Tradition als Verkehrsfläche hatte. Der Innenstadt-Bahndamm ist so stark bewachsen, dass kein Blick mehr auf die Schienen möglich ist. Raum für zusätzliche Bahnanlagen, sollte der wieder diskutierte Bahnhof am Zob entstehen, ist aus der Luft nicht sichtbar. Kein Vorbild haben die großformatigen Gebäude, die heute das Bild der Innenstadt mitbestimmen - nicht zu ihrem Vorteil: das gelbliche Telekom-Gebäude hinter der Rathausstraße, der Karstadt-Komplex, die Holmpassage.

von Gerhard Nowc
erstellt am 28.Jul.2012 | 06:45 Uhr

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