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Flensburger Tageblatt

28. August 2016 | 22:35 Uhr

Die Dolmetscherin kommt per Videokonferenz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zum 18. April erprobt die Stadt Flensburg einen Übersetzungsservice per Computer und Internet

Seit wenigen Wochen ist der junge Mann in Deutschland und möchte einen Asylantrag stellen. Seine Deutschkenntnisse genügen allerdings noch nicht, um mit Begriffen wie Obhut oder Zuerkennung hantieren zu können. Und ein Dolmetscher für Farsi ist gerade nicht abkömmlich, ein Termin müsste verabredet werden. „Um diesen nicht-deutschsprachigen Mitmenschen im Rahmen einer gelebten Willkommenskultur bestmögliche Hilfe anbieten zu können“, habe sich die Stadt Flensburg entschieden, drei Monate lang das Videodolmetschen zu erproben.

„Großes Kino“ nennt einer der Beobachter eine Demonstration kürzlich im Rathaus: Bei der gestellten Szene agiert Goran Vidovic, Flüchtlingsbetreuer des Diakonischen Werkes, als Antragsteller und spricht ausschließlich in seiner serbischen Muttersprache mit Andrea Lange-Bauer vom Einwanderungsbüro. Eine per Videokonferenz zugeschaltete serbische Dolmetscherin in Österreich übersetzt die Unterhaltung.

Die ersten Erfahrungen mit dem Pilotprojekt seit Mitte Januar seien positiv, sagt Kathrin Ove, Sprecherin aus der Stadtverwaltung. Man wähle eine Sprache über den Bildschirm an, werde zum Dolmetscher durchgestellt, und das Gespräch kann beginnen. Die Verbindung sei verschlüsselt, betont Kathrin Ove mit Blick auf den Datenschutz. Bei der technischen Lösung verlasse man sich auf den Weltmarktführer Cisco. Die Dolmetscher unterliegen zudem der Schweigepflicht. Für die 15 am häufigsten angefragten Sprachen sei die Erreichbarkeit eines von 950 Dolmetschern binnen zwei Minuten gewährleistet. Für Situationen, „in denen nichts schief gehen darf in der Kommunikation“, stünden aus diesem Pool auch vereidigte Übersetzer zur Verfügung.

Weil es über Angelegenheiten wie im Einwanderungsbüro hinaus auch andere Konstellationen gibt, in denen haargenaue Übersetzungen wichtig sind – etwa beim Arzt –, haben sich bereits mehrere Partner dem Projekt angeschlossen. Dazu zählen die Diako, das Jobcenter, Pro Familia, die Grundschule Ramsharde und der Bezirkssozialdienst, die ebenfalls ein Tablet mit der erforderlichen Software bekommen haben.

Anbieterin des Service ist die österreichische GmbH SAVD, deren Anfänge in dem Pilotprojekt „Videodolmetschen im Gesundheitswesen“ im November 2011 liegen und die nach erfolgreicher Testphase im März 2014 gegründet wurde. Inzwischen seien die Österreicher vom Europäischen Forum Alpbach als einer der 30 wichtigsten Gesundheitspioniere ausgezeichnet worden, weiß Ove.

Die Grundgebühr pro Monat kostet die Stadt Flensburg 100 Euro. Pro Kontakt kämen dann 30 Euro hinzu, wobei 15 Minuten eingeschlossen sind, sagt die Sprecherin aus dem Büro für Grundsatzangelegenheiten. Für jede weitere Minute werde je ein Euro fällig. Die Hinzuziehung eines vereidigten Dolmetschers koste schließlich 70 Euro pro Stunde.

Derzeit könne der Service des Videodolmetschens montags bis freitags zwischen 7 Uhr früh und 19 Uhr am Abend genutzt werden. Ab März können die Projektpartner sogar rund um die Uhr Dolmetscher zuschalten, die wissen, was Aufenthaltsgestattung auf Arabisch oder Milz auf Türkisch heißt.

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erstellt am 09.Feb.2016 | 18:24 Uhr

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