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Flensburger Tageblatt

25. Juli 2016 | 06:16 Uhr

Glücksburg : Die Bücherei ist nicht das einzige Problem

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt steht vor dem finanziellen Kollaps. Stadtvertreter fordert den Einsatz eines professionelles Planers, um die Gemeinde vor der Pleite zu retten.

Die Stadt Glücksburg gibt derzeit das Bild eines strauchelnden Boxers kurz vor dem K.o.. Erst verließ eine wütende Bürgerin den Saal, dann gab Timo Petersen (CDU) zu, dass Glücksburg nicht mehr handlungsfähig sei. Der ehemalige Finanzausschuss-Vorsitzende hielt auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung eine engagierte Rede zum Wachrütteln. Seine Partei hatte das Thema „Strategische Weiterentwicklung Glücksburgs“ auf die Tagesordnung setzen lassen. Nicht speziell wegen der Bücherei, sondern grundsätzlich, so Petersen.

„Am Tisch“ sei der Ernst der Lage schon angekommen, sagte Petersen und deutete auf die übrigen Stadtvertreter. Bei einigen Bürgern, die ihre Bücherei nicht missen wollen, noch nicht, ergänzte er im Hinblick auf den Abgang der wütenden Bürgerin kurz zuvor. Es tue ihm leid, dass die Bücherei in der Form, wie sie bestehe, wohl nicht gehalten werden könne. Aber es sei nun einmal so: „Wir machen jedes Jahr 700  000 bis eine Million Euro Verlust.“ Die Stadt stehe vor dem Kollaps. „Wir laufen Gefahr, von Flensburg oder Langballig annektiert zu werden.“

Petersen forderte, weiter auf den Tourismus zu setzen und dafür zu sorgen, dass Baulücken geschlossen werden. Gleichzeitig plädierte er für ein „stadtplanerisches Konzept“, das von Fachleuten erstellt werden soll. „Wir Stadtvertreter sind alles Ehrenamtliche, stecken zum Teil in ganz anderen Berufsalltagen. Wir brauchen einen professionellen Stadtplaner, damit wir sehen, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt in Glücksburg“, sagte Petersen. Flensburg habe Peter Schroeders und mit Flensburg bilde man ja bereits eine Verwaltungsgemeinschaft, regte Petersen an. Seine Überlegung: „Wenn eine Stadt attraktiv ist, hat man mehr Einwohner, mehr Touristen“ – und somit mehr Einnahmen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Sylvia Ullmer hatte ein 18-seitiges Manuskript zu dem Thema mitgebracht. Burkhard Repenning (LWL) und Marcus Dechange (SSW) stimmten Petersen mit kleinen Ergänzungen zu. Bürgermeisterin Franke stellte fest, dass sie in der Glücksburger Politik klare Ziele vermisse: „Ich möchte wissen, wo wir hinsteuern wollen“, sagte sie. Was die Bücherei betrifft, ist aus den politischen Reihen häufig zu hören, dass sie in einer verkleinerten Form in einem kulturell vielseitig genutzten Bahnhof erhalten bleiben soll.

Außerdem wurde auf der Sitzung Jörg Schönamsgruber als stellvertretenden Ortswehrführer vereidigt. Eine Bestandsaufnahme aller in Glücksburg gehaltenen Hunde mittels Anschreiben an Grundstückseigentümer wurde abgelehnt. Burkhard Repenning blieb hier der einzige Befürworter. Ein geänderter Zufahrtsweg für Feuerwehrfahrzeuge in Schwennauhof sowie Änderungen des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans für das geplante Wohngebiet „Alter Reiterhof“ wurden beschlossen.

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erstellt am 10.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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