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Flensburger Tageblatt

25. August 2016 | 18:40 Uhr

Spatenstich auf der Westlichen Höhe : Diako in Flensburg: Neue Tagesklinik für vier Millionen Euro

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Startschuss für den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Diako ist gefallen. Es gibt weiterhin Bedenken einiger Anwohner.

Flensburg | Baumfrevel auf der Westlichen Höhe? Gestern früh schlug eine Anwohnerin Alarm. Am Marienhölzungsweg, so klagte sie, würde die Kettensäge kreisen, Kastanien fielen ihr zum Opfer. In der Tat wurden dort einige Bäume flachgelegt, darunter auch eine, wie es hieß, „marode“ Kastanie. Doch das hatte nicht nur den Segen der Naturschutzbehörde, sondern auch einen guten Grund.

Die Diako nämlich errichtet auf einem 6000 Quadratmeter großen Areal neben dem dänischen Schülerwohnheim (Ungdomskollegiet) einen Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Allerdings wird viel Grün erhalten bleiben, auch zur Straße hin – denn das Erdgeschoss umfasst nur ein Sechstel des Geländes, hinzu kommen 275 Quadratmeter im Obergeschoss.

Seinen guten Grund hatte es auch, dass der Rektor des Krankenhauses, Pastor Wolfgang Boten, um Gottes Beistand bat, auf dass man mit den künftigen Nachbarn ein gutes Auskommen haben werde. „Dafür wollen wir alles Mögliche tun.“ Ein unmissverständlicher Hinweis auf vorangegangene Proteste. Einige Anwohner befürchten ein schwer verträgliches Verkehrsaufkommen in der Idylle eines gewachsenen Wohnquartiers. „Es gibt einzelne kritische Stimmen – und die sind noch nicht verstummt“, bemerkte der Technische Leiter Jürgen Freitag. Prophylaktisch hatte die Geschäftsführung kurz nach Veröffentlichung der Pläne zu einer Anwohnerversammlung geladen. Dort kamen die Skeptiker zu Wort, aber auch jene, die sich, so Diako-Sprecher Ole Michel, für die Vorbehalte ihrer Nachbarn geschämt hätten. „Den Kritikern geht es weniger um die Zersiedelung der Landschaft, als um die Klientel, die hier aus und ein gehen wird“, bekräftigte Heinz-Georg Löffler, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Womöglich gab es vorab schon mal Hilfe von oben, denn das Vorhaben wurde vom Land mit satten 2,7 Millionen Euro gefördert. Die Klinik selbst nimmt noch einmal 1,2 Millionen in die Hand, um das Projekt, das aufgrund der räumlichen Enge in der „Villa Paletti“ eine hohe Priorität hat, zu realisieren. 25 junge Patienten sollen hier ab Anfang nächsten Jahres von etwa 30 Mitarbeitern betreut werden. Die Tagesklinik bietet Hilfe bei psychischen Problemen, bei denen eine ambulante Therapie nicht ausreichend erfolgreich war, eine vollstationärer Aufenthalt jedoch nicht notwendig erscheint. Dabei geht es um depressive Entwicklungen, Ängste, Verhaltensauffälligkeiten sowie Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite. „Es gibt einen hohen Bedarf“, betonte Wolfgang Boten – auch mit Blick auf traumatisierte Flüchtlingskinder.

Der erste Spatenstich ist nur der symbolische Auftakt zu aufwendigen Gründungsarbeiten. 154 Pfähle müssen bis zu zwölf Meter tief in das sumpfige Erdreich gebohrt werden. Wenn das Gebäude in skandinavischem Stil, mit hellen Klinkern und viel Glas fertig gestellt ist, werden Mitarbeiter, die derzeit zwischen fünf Standorten pendeln, und Patienten, die in der Villa Paletti lange Wartezeiten auf sich nehmen müssen, aufatmen. „Wir bauen es nicht für uns, sondern für andere“, sagte Pastor Boten. „Für die Mühseligen und Beladenen.“

 

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erstellt am 23.Feb.2016 | 14:30 Uhr

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