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Flensburger Tageblatt

31. Juli 2016 | 09:18 Uhr

Biotechnologie-Unternehmen : Der natürliche Kampf gegen den Magenkeim

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Firma Organobalance wird für Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet gesunder Bakterien für Innovationspreis nominiert.

Flensburg | Ihre Arbeit funktioniert wie die der Kriminalpolizei – nur umgekehrt. Während die Beamten stets auf der Suche nach dem Bösen sind, forschen die Mitarbeiter der Firma Organobalance nach den Guten, die die Bösen zur Strecke bringen sollen. Die Guten sind dabei positive Mikroorganismen, die krankheitsverursachende Keime auf natürlichem Wege ausschalten. Mit den Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet gesunder Bakterien hat Organobalance die Finalrunde für den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft erreicht, der in diesem Jahr zum 35. Mal vergeben wird. Ob es den Preis gewinnt, erfährt das Firmen-Team am 16. April. Dann wird er im hessischen Darmstadt verliehen.

Seit 2001 beschäftigt sich das Biotechnologie-Unternehmen, das neben Berlin auch einen Sitz an der Fachhochschule Flensburg hat, mit der Erschließung der gesundheitsfördernden Wirkung von Milchsäurebakterien und Hefen. „Die Bakterien werden dabei als Alternative zur herkömmlichen Antibiotika-Behandlung eingesetzt“, erklärt Detlef Goelling, Produktions- und Entwicklungsleiter von Organobalance. So hat das Biotechnologie-Unternehmen bunter anderem eine auf einem natürlichen Milchsäurebakterium basierende prophylaktische Alternative zur Antibiotika-Behandlung des Magenkeims Helicobacter pylori entwickelt, mit dem weltweit etwa drei Milliarden Menschen infiziert sind. Tritt dieser Keim in einer großen Konzentration auf, kann er eine Gastritis und Magengeschwüre verursachen, sagt Goelling. Diese werden mit Antibiotika behandelt, doch die Therapie wird immer häufiger durch die Resistenz des Keims erschwert.

Die Entwicklung des Rohstoffs Pylopass, den Organobalance an Kunden verkauft, hat sich über rund sechs Jahre hingezogen. „Unsere Kunden, die den Rohstoff kaufen, verarbeiten ihn zu Kapseln oder arbeiten ihn in Lebensmittel, zum Beispiel in Joghurt, ein“, erzählt Goelling. Klinische Studien zeigen die Wirksamkeit und die Verträglichkeit des Wirkstoffs. Dem fertigen Rohstoff geht ein langer Forschungsprozess an der FH Flensburg voraus. Zuerst wird ein System entwickelt, das die Magenumgebung simuliert. In diesen imaginären Magen kommt ein Reaktionsgefäß mit einem Helicobacter pylori und einem im Labor kultivierten Milchsäurebakterium. Das Ziel der Forschung ist, dass sich der Magenkeim nicht an die Magenschleimhaut bindet, sondern an das Milchsäurebakterium. So werde er Goelling zufolge nicht getötet, sondern aus dem Körper herausgespült und über die Verdauung ausgeschieden. Der gebürtige Berliner fügt hinzu, dass so zwar nicht alle Bakterien verschwinden, aber das Gleichgewicht des Magens wieder hergestellt wird. „Der Wirkstoff ist vorbeugend und heilt keine Magengeschwüre“, stellt Goelling klar.

Neben dem Rohstoff zur Vorbeugung einer Magenschleimhautentzündung oder eines Magengeschwürs hat Organobalance einen weiteren entwickelt, der in der Kosmetik eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um einen Extrakt, der die Hautflora regeneriert, die durch Stress, Sonne oder Duschen zerstört wurde. Auch hier sind die „guten“ Bakterien im Spiel. Gefahren, so Goelling, gehen von ihnen nicht aus. Wenn sie keinen Nährboden mehr haben, sterben sie aus.

Dass an der FH Flensburg mit Mikroorganismen geforscht wird, liegt an der technischen Ausstattung sowie den fachlich gut ausgebildeten Mitarbeitern an der Hochschule. Eine von ihnen ist Meike Tiedemann, die seit 2013 im Rahmen ihres Bachelor- und Masterstudiums in Biotechnologie-Verfahrenstechnik von Organobalance betreut wurde und nun fest für die Firma arbeitet. Sie ist für die Entwicklung von Prozessen im Pilotmaßstab zuständig. „Die Arbeit gefällt mir“, sagt sie, „es gibt immer etwas zu tun.“ Neben den festen Mitarbeitern sind auch Bachelor- und Masterstudierende im Labor tätig, die etwa für ihre Abschlussarbeit forschen. „Einer der Studierenden hat im Rahmen seiner Bachlorarbeit eine Magenumgebung entworfen“, beschreibt Goelling die Forschungsmöglichkeiten des Studiengangs.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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