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Wahlkampf in Flensburg : Der Mann mit positiven Botschaften

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Arbeitgeber und CDU diskutieren mit Hoffnungsträger Jens Spahn bei der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft

Norbert Erichsen hat es nicht schwer, seine Fahrzeugbau-Gesellschaft als echtes Flensburger Traditionsunternehmen anzupreisen – schließlich kommt jeder Besucher durch das Haupttor der Alten Werft: „Ich sage immer, uns gibt es hier seit 1872“, sagt der FFG-Chef zum Besucher aus dem Berliner Finanzministerium, erklärt aber sogleich, dass die FFG hieraus in den 1960er Jahren entstanden sei nach dem Umzug der Schiffbauer an die Batteriestraße. An der Werftstraße – und seit vier Jahren auch auf dem alten Danfoss-Gelände – setzen mehr als 500 Mitarbeiter Rad- und Kettenfahrzeuge für die Bundeswehr instand. Und in der Neufertigung würden Berge-Unterstützungsfahrzeuge für Kunden in Kanada, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten gebaut.

Der Arbeitgeberverband Flensburg – Schleswig – Eckernförde und dessen Vorsitzender Norbert Erichsen hatten Jens Spahn (36), einen der Hoffnungsträger der Bundes-CDU, zur Diskussion in die Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) geladen. Und Erichsen eröffnete: „Wir fühlen uns bei der großen Koalition als Unternehmer im Nachteil.“ Schließlich säßen über die SPD die Gewerkschaften praktisch mit am Tisch. Die große Koalition habe zuletzt die Unternehmer vernachlässigt. Schließlich könnten nicht alle im öffentlichen Dienst arbeiten, sagte Erichsen.

Jens Spahn, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und zuletzt Stammgast in vielen Talkshows, wollte aber lieber mit positiven Botschaften beginnen. Mit bald 44 Millionen Arbeitsplätzen gebe es bundesweit so viel Beschäftigung wie nie in der Geschichte der Bundesrepublik und – entgegen anderslautender Gerüchte – seien die meisten Stellen unbefristete Vollzeitjobs. Befristete Arbeitsplätze gebe es am ehesten im sozialen und im öffentlichen Sektor, wo viel in Projekten gearbeitet werde, sagte Spahn und nannte als Beispiel Universitäten. Zudem verzeichne Deutschland die höchsten Renten- und Lohnsteigerungen der letzten 20 Jahre. Und: Außer Luxemburg gebe es kein anderes Land außer Deutschland, das seit drei Jahren in Folge Überschüsse erwirtschafte.

Als Probleme benannte Spahn, dass die ersten Babyboomer in den nächsten Jahren in Ruhestand gingen: „Bald gehen jedes Jahr doppelt soviele in Rente wie aus den zehnten Klassen kommen.“ Zudem verließen 45  000 junge Leute die Schulen ohne Abschluss. Und an die Adresse Erichsens erklärte er: „Ihre Facharbeiter zahlen mit Überstunden schon den Spitzensteuersatz, ohne dass sie es merken.“ Da sah sich der FFG-Chef genötigt zu widersprechen: „Das wissen die sehr genau.“

Mit Blick auf die Europäische Union findet es Spahn bemerkenswert, dass es für 28 Mitgliedsstaaten 27 verschiedene Militärgeländewagen gebe: „Das kann man auch effizienter gestalten.“

Nur für ein Problem konnte auch er so recht keine Lösung anbieten: Null Prozent Inflation und null Prozent Zinsen seien ja schon schwer erklärbar gewesen. Wenn jetzt aber die Inflation steige, die Zinsen aber nicht, sei das politisch ein Riesenproblem.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 12:37 Uhr

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