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Flensburger Tageblatt

27. Juni 2016 | 18:50 Uhr

Glücksburg-Meierwik : Der Lebensretter kam im Kajak

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dietmar Hellmich paddelte am einsamen Strand von Meierwik und fand eine schwer verletzte Frau.

Flensburg/Glücksburg | Dietmar Hellmich muss ein harter Hund sein. Oder ein so begeisterter Wassersportler, dass ihn auch die Förde mit ihrem eiskalten Wasser im Februar nicht schrecken kann. Und das rettete einer alten Dame in Glücksburg das Leben.

Hellmich fährt leidenschaftlich gern Kajak. Die Freude daran war am Morgen des 26. Februar größer als die Abneigung gegen die Kühle, die über dem Wasser lag. Hellmich holte sein Kajak aus dem Schuppen des Ersten Flensburger Kanuklubs in Fahrensodde und machte es startklar. Richtung Meierwik paddelte er „mit einer Hand am Ufer“, wie er die von ihm eingehaltene Nähe zum Land beschreibt. Hinter dem Meierhof glaubte er zunächst, seinen Ohren nicht zu trauen: Von dem Ufersaum unterhalb der ersten Grundstücke am Alten Weg „kam ein Wimmern“, schildert Hellmich. Da er sich überhaupt keinen Reim auf die Geräusche machen konnte, fuhr der Paddler ans Ufer und stieg aus seinem Boot. Hellmich war fassungslos, als er am Flutsaum eine ältere Frau im Sand sah, die sich offenbar nicht rühren konnte.

Da die Wohngrundstücke über der Böschung von der Wasserkante her unzugänglich sind, machte sich der Sportler zu Fuß auf den Weg zum Meierhof. Von dort aus wurden Wasserschutzpolizei und der Rettungsdienst alarmiert. Mitarbeiter des Meierhofes nahmen Decken mit und folgten Hellmich zur Unfallstelle. Dort kümmerten sie sich gemeinsam um die Verletzte, bis die Mannschaft des Rettungswagens eintraf. Sie brachte die Frau ins Krankenhaus.

Die Recherchen zu dem Unfall zeigten, dass die verletzte Frau gewaltiges Glück gehabt hatte. Da sie sich den Oberschenkelhals gebrochen hatte, war sie bewegungsunfähig. Alles Rufen half ihr nicht – die Wohnhäuser sind zu weit entfernt von der steilen Uferböschung. Und der Uferstreifen ist praktisch unzugänglich. Es gab kaum eine Wahrscheinlichkeit, dass die Frau zufällig von Spaziergängern gefunden worden wäre.

Sie schilderte einen kaum vorstellbaren Vorgang: Am Abend zuvor war sie von ihrem Haus zur Böschung gegangen und dann abgestürzt. Sie habe die ganze Nacht an dem Uferstreifen gelegen. Wäre nicht Dietmar Hellmich gekommen, hätte sie verletzt am Strand gelegen, vielleicht noch Tage lang und mehrere der kalten Nächte hindurch.

Eine weitere Begegnung zwischen dem Sportler und der Frau nach dem Zufallsfund am Morgen des 26. Februar war noch nicht möglich. Nach Hellmichs Informationen kam die Glücksburgerin nach dem Krankenhausaufenthalt zur Reha.

In einem Punkt kommen der Sportler und seine Kameraden vom Kanuclub allerdings ins Grübeln: Hat die ältere Dame tatsächlich die ganze Nacht über in der Kälte am Strand gelegen, ohne dass sie in Lebensgefahr geriet, oder verwischt sich das Geschehen in ihrer Erinnerung?

 

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erstellt am 11.Mär.2016 | 07:20 Uhr

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