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Firma Matz in Flensburg : Der Herr der alten Teile

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wirtschaftsinformatiker Florian Matz hatte eigentlich andere Pläne – heute leitet er den überregional größten Oldtimer-Teilehandel seiner Art

Wer überregional Oldtimerteile sucht, landet irgendwann bei Autoteile Matz am Sophienhof. Vor allem, wenn er Bremsteile sucht, oder Opel. Opel, Mercedes, Borgward oder DKW-Munga. Nicht nur von diesen Herstellern findet man in den sieben Hallen auf dem ehemaligen Ausbildungs- und Versuchsgut Sophienhof Teile. Aber wer Oldtimerteile von diesen Herstellern sucht, kommt am Sophienhof womöglich kaum vorbei. 200  000 Autoteile lagern auf 23  000 Quadratmetern in Weiche, darunter allerhand Skurrilitäten.

Munga? Munga ist ein allradgetriebener Geländewagen, ein Militär und Grenzschutzfahrzeug, das von 1956 bis 1968 hergestellt wurde, und die Abkürzung für Mehrzweck-Universal-Geländewagen mit Allradantrieb. Florian Matz schätzt, dass es noch rund 4500 Fahrzeuge in Deutschland gibt. Und wenn es am Markt einmal keine Ersatzteile gebe, würden in der Werkstatt auch schon mal Motoren oder Bremszylinder überholt. „Der Munga wird gerne von Jägern eingesetzt und ist relativ preisgünstig.“

Dass Matz bei Opel-Oldtimerteilen Marktführer nach dem Zweiten Weltkrieg wurde, verdankt der heutige Geschäftsführer Florian Matz (40) seinem Großvater Hans Helmut. Nach dem Krieg hatten die Franzosen die gesamten Opelteile als Reparationszahlung übernommen, die der Firmengründer von den Franzosen später aufkaufte.

Das Unternehmen Matz habe der Großvater 1928 mit 18 Jahren gegründet, erzählt der Enkel, wobei formal dessen Vater Gründer gewesen sei. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig: „Mein Großvater hat sich aber schon mit 20 Jahren vorzeitig volljährig und damit geschäftsfähig geklagt“, berichtet Matz.

Neben dem Vertrieb von 200  000 gelagerten Originalersatzteilen lässt Matz auch selbst nachproduzieren, vor allem in Dänemark und der Türkei. In Fernost dagegen lasse er nicht produzieren.

Im zwölften Jahr ist Florian Matz jetzt Geschäftsführer des Familienunternehmens mit seinen 15 Mitarbeitern. Geplant war das nicht. Matz’ Lebensentwurf sah anders aus, als er als Wirtschaftsinformatiker die Fachhochschule verließ. Doch der Vater starb plötzlich, das Unternehmen geriet in Schwierigkeiten. Als Sohn in einen funktionierenden Betrieb einzusteigen – das hätte er nicht gewollt, sagt Matz.

Bei neueren Teilen aus den 80er und 90er Jahren ist Matz noch nicht so gut aufgestellt. „Solange andere lieferfähig sind, ist es uninteressant“, sagt Matz. Spannend werde es, wenn man die Nachfrage im eigenen Unternehmen bündeln kann. Das Geschäftsmodell funktioniert ungefähr so: „Wenn Händler auslisten, kaufen wir das als Partie auf.“ Zunächst werde ein Gebot angegeben: „Im Gegensatz zu anderen kaufen wir alles an Einzelteilen im Cent-Bereich.“ Tatsächlich habe Matz einen Großteil seiner Bestände für einen Cent pro Teil erworben.

Vieles liegt dann in den sieben großen Gebäuden, einige davon waren Viehställe. Ein Getriebe oder ein Radbremszylinder für den Munga werde fast wöchentlich nachgefragt, ein Auspuff für einen Kadett A dagegen geht eher nur zweimal pro Jahr durch die Versandabteilung. „Wir wissen, dass die Hälfte am Lager in einem Jahr gar nicht nachgefragt wird“, sagt Matz.

Viele Mitbewerber seien kleinere Unternehmen – Inhaber plus eine Aushilfe. Die großen Autohäuser dagegen hätten Oldtimersparten mit zwei oder drei Leuten. „So ein Unternehmen wie uns gibt es sonst gar nicht.“ Und: Die Autohäuser selbst gehören zu den Kunden bei Matz. Bei Opel sei Matz selbst assoziiertes Mitglied der Vertragshändler.

Eines der Erfolgsgeheimnisse des Teilehändlers vom Sophienhof: „Wir liefern schnell und sind von den Prozessen her gut aufgestellt.“ Vom eisernen Türgriff bis zum Kotflügel: „Die große Kunst ist, zu wissen, was wir eigentlich haben.“ Beim Einstieg des Wirtschaftsinformatikers 2005 habe man noch alle Informationen auf Karteikarten gehabt, heute seien 90 Prozent von der EDV erfasst.

Dennoch ist es gut, Leute wie Ismail Ugur Aribasak im Unternehmen zu haben. Der Großvater stellte den jungen Türken 18-jährig als Praktikanten ein – 44 Jahre später ist er der dienstälteste Mitarbeiter.

1928 beginnt die Unternehmensgeschichte übrigens mit einem Brennabor, den der Urgroßvater gebraucht erwarb. Doch der alte Wagen soll schon auf dem Heimweg auseinander gefallen sein – und Opa erlöste mit dem Verkauf der Einzelteile mehr, als er für den Wagen bezahlt hatte. Ob die Geschichte wirklich stimmt, weiß Florian Matz selbst nicht so genau. Auf jeden Fall passt sie sehr schön zum Unternehmen, das hunderttausende Teile in alten Stallungen lagert.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 12:43 Uhr

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