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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

Bürgerbeteiligung in Flensburg : Der Hafen in der Denkwerkstatt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt startet Beteiligung der Bevölkerung zur anstehenden Umgestaltung des Ostufers zwischen Hafen- und Harniskaispitze

„Die Geschichte des Hafens ist 800 Jahre alt“, sagte Gastgeber Markus Pahl, „da kommt es auf ein paar Monate nicht an.“ Pahl, neuer Geschäftsführer der Sanierungsgesellschaft, hatte gerade ein weiteres Kapitel in der 800 Jahre langen Geschichte des Hafens aufgeschlagen: Seit Mittwoch machen sich die Bürger offiziell Gedanken über die Zukunft ihres Hafens. Drei Stunden lang rauchten im Europa-Raum des Rathauses die Köpfe und wogten die Emotionen. Die Dauer des Diskussionsprozesses ließ Pahl offen – ein halbes Jahr oder länger.

Der Flensburger Hafen ist im Umbruch – schon seit Jahren. Der Umschlag geht zurück, in den 90er Jahren war er vier mal so hoch wie heute, 2016 wird er voraussichtlich unter die Marke von 100  000 Tonnen fallen. Braucht man da überhaupt noch einen gewerblichen Hafen? Diese Kernfrage zog sich durch die Gespräche in den fünf Workshops.

Rund 60 Personen waren zu der ersten von zwei Veranstaltungen gekommen, mit denen die Stadt in Form ihrer Sanierungsgesellschaft die Ideen der Bürger zur Zukunft des Hafens abfragen möchte. Und muss, denn die Beteiligung der Bürger ist zwingend vorgeschrieben, wenn eine Stadt Teile ihres Areals als Sanierungsgebiet deklariert, um auf diese Weise nicht zuletzt in den Genuss finanzieller Förderung durch Land und Bund zu gelangen. Und weil die Beteiligung der Öffentlichkeit so wichtig ist, hat man sich Profis für die Abwicklung geholt. Zwei Hamburger Planungsfirmen schleusten fünf sehr heterogene Gruppen gekonnt und geduldig durch die fünf Themen-Kojen: Freiraum und Grün, Verkehr, Hafen und Gewerbe, Nutzungen sowie Leben und Arbeiten.

Unter den Teilnehmern waren Profis und Amateure, Touristiker und Radfahrer, Lobbyisten und Visionäre. Während Vertreter der Hafen-Wirtschaft nur schwer akzeptieren konnten, dass der Gewerbehafen hier ganz frank und frei in Frage gestellt wurde, schlugen andere vor, die gesamte Hafen-Ostseite nach Vorbild dänischer Städte komplett umzubauen mit Promenade, Wohnen, Gastronomie, Hotel und kleinem Gewerbe.

„Es gibt kein Denkverbot“, mahnte einer der Hamburger Moderatoren. Einwände wie „viel zu teuer“ oder „geht doch gar nicht“ wurden dann auch sofort für ungültig erklärt. Vieles, was vorgeschlagen wurde, war nicht neu, gehört aber dennoch in eine Gesamtbetrachtung: Radweg auf der Bahndamm-Trasse, Zugänglichkeit der kompletten Wasserkante, eine grün gestaltete, öffentliche Fläche an der Harniskaispitze mit Gastronomie als Zielpunkt einer U-förmigen Promenade rund um den Hafen.

Doch es gab auch neue Aspekte. So wurden von vielen Teilnehmern die Beziehungen zwischen Volkspark und Osthafen ins Spiel gebracht. Man müsse versuchen, mehr und bessere Verbindungen zwischen Park und Hafen herzustellen, sogar der Vorschlag einer großen Freitreppe war zu hören. Der Volkspark habe das Potenzial eines touristischen Highlights für die Stadt. Auch müsse unbedingt auf eine weitere Bebauung oberhalb der jetzigen im Bereich Ballastbrücke verzichtet werden. Auf die Liste der unbedingt zu erhaltenen Bestandteile gehörte der Fischereihafen und der kleine Strandabschnitt daneben.

Doch was geschieht jetzt mit all den Ideen und Vorschlägen? Sie fließen ein in die so genannten Vorbereitenden Untersuchungen, an denen die Sanierungsgesellschaft seit Monaten arbeitet, sogar mit einem eigenen Büro am Hafen. Konkretisiert werden sie in einer Zukunftswerkstatt im kommenden Jahr, an der erneut auch Bürger beteiligt werden. Was zwischen Hafen- und Harniskaispitze am Ende verändert und gebaut wird, steht in den Sternen. Sicher scheint indes, dass dieser Küstenabschnitt in zehn Jahren nicht mehr so aussehen wird wie heute. Anders als noch beim Masterplan Hafen, den die Stadt vor einigen Jahren ebenfalls mit großem Aufwand auf den Weg gebracht hatte, werden die Ergebnisse dieses Prozesses nicht in den Rathaus-Schubladen verschwinden können.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 12:39 Uhr

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