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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:11 Uhr

Alles mental : Der große Sportmotivator

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mentaltrainer, Autor und Redner Matthias Herzog unterhielt das Publikum im voll besetzen Audimax auf dem Campus

Die Drittliga-Handballer des DHK Flensborg schauen noch etwas abwartend. Für sie kommt die Motivationsshow des Mentaltrainers Matthias Herzog etwas spät – die Saison ist gerade vorbei. Das Audimax von Uni und FH ist fast komplett besetzt an diesem Frühsommerabend. Herzog hat bereits eine ausgewachsene Fangemeinde, vor allem im Sportbereich. Und die hängt knapp zwei Stunden lang an den Lippen des geborenen Flensburgers, der jetzt in Garbsen bei Hannover lebt.

Herzog ist auf Einladung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags gekommen; schnell stellte sich heraus, dass der Vortragssaal im sh:z-Medienhaus an der Fördestraße für das große Publikumsinteresse nicht ausreichen würde. Also ging man auf den Campus; das passte, denn immerhin hat Herzog hier einmal E nergie- und Umweltmanagement studiert. Doch eigentlich ist er ein Mann des Sports. Zwar dauerte seine Handball-Karriere nur neun Wochen, was ihm nicht nur die DHK-Handballer angesichts der eher schmächtigen Figur Herzogs aufs Wort geglaubt haben dürften.

Aber für einen Rennradfahrer könnte sie passen und siehe da – das Publikum erfährt viel über Herzogs Erlebnisse und Leistungen im schmalen Rennrad-Sattel. Ötztaler Rad-Marathon, 24 Stunden Rad am (Nürburg-) Ring, Training auf dem Deister, eine 4000-Kilometer-Tour durch Deutschland. Vor allem die Alpentour und wie er sie anging und bewältigte, nimmt breiten Raum ein. Wie er sich an den Anstiegen ein drittes, sehr kleines Kettenblatt wünscht und überlegt, welche ihn überholende Frau er vom Rad stoßen könnte, um mit ihrem Velo weiter zu fahren. Am Ende schafft er den Höllentrip in 10:32 Stunden, und man fragt sich, was dem Referenten jetzt wichtiger ist: die Anerkennung des Publikums für die eigene sportliche Leistung oder die Vermittlung, wie man sie erreicht. Diesbezügliche Ratschläge blieben Mangelware und schienen nicht neu: Auf den Kopf komme es an, das wusste schon Boris Becker, und auch der bevorstehende Abstiegskampf in der Bundesliga entscheide sich zu 80 Prozent mental. Das wissen Viktor Skripnik und Nico Kovac sicher auch. Und bei Alpenpässen – so Herzogs Rat – schaue er immer nur von Serpentine zu Serpentine und auf einen Punkt vier Meter vor ihm.

Zwischendurch geht es um die Emotionalisierung von Produkten wie Smartphones, Kochmaschinen und System-Müsli. Dann sollen zehn Probanden einen Tischtennisball von einer Flasche schnippen, was nur einer wirklich schaffte. Die Hand führe ein Eigenleben und gehe automatisch hoch, man müsse sie regelrecht nach unten zwingen, um den Ball zu treffen.

Oft befragt Matthias Herzog das Publikum: „Wer von euch möchte sich verändern?“ Die wenigsten möchten. „Wer von euch möchte sich verbessern?“ Fast alle. Aha!

Im weiteren Verlauf der unterhaltsamen Sport- und Lebensreportage mit eingestreuten Comedy-Elementen erfährt man ein bisschen über das Privatleben des Redners, man lernt, dass negative Prophezeiungen sich oft erfüllen, dass die Angst die größte Blockade sei und dass er eine Unverträglichkeit gegen 58 Lebensmittel habe. Für 2017 plane er ein großes Projekt mit Jugendlichen in der Flens-Arena. „Ich gebe Vollgas, ich gebe nicht auf!“, rief er wie zur Selbstbestätigung.

Wirklich motiviert und enthusiastisch sahen die DHK-Handballer auch am Ende nicht aus. Aber wie gesagt – die Saison ist ja auch vorbei.

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erstellt am 15.Mai.2016 | 12:57 Uhr

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