zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Flensburger Tageblatt

26. Oktober 2014 | 10:29 Uhr

Luftbildserie Teil II: Marineschule Mürwik : Der Boom in der "matschigen Bucht"

vom

Mit der Ansiedlung der Torpedotruppe begann der Ausbau Mürwiks zum Marinestandort

Flensburg | Vor hundert Jahren, am 11. August 1912, flog der Zeppelin "Hansa" über die Stadt. Die Flensburger waren aus dem Häuschen. Mit an Bord: Ein Fotograf mit seiner gewaltigen Plattenkamera, der die ersten Luftbilder der Stadtgeschichte aufnahm. Zum Jubiläum hat die Stadtredaktion diese Aufnahmen von damals Luftbildern der Gegenwart gegenübergestellt und präsentiert zusammen mit dem Stadtarchiv in zehn Folgen ein einmaliges Dokument der städtischen Entwicklung und Veränderung.

Anzeige
Anzeige

Das ist sie, die "matschige Bucht". So wurde der Name Mürwik übersetzt: Sumpfbucht. Das Grundbuch von 1436 ließ sich noch weiter aus: "und ist wüste, Mürholm (Mührwick) mit der dortigen Hölzung." Andere alte Namensnennungen sprechen von Mürwick, Mürwig, Mürwich.

Matschig ist gut vorstellbar. Das Wasser aus dem Hang suppte in den schmalen Streifen Strand, und der kleine Bach Osbek beförderte seit Jahrhunderten Schwemmsand in die Bucht. Das Leben war geprägt von Beschaulichkeit. Am Strand arbeitete die Osbek-Ziegelei (als kleines, weißes Gebäude erkennbar). Der Rest von Mürwik war eine Handvoll Fischerkaten, etwa dort, wo heute die Bäckerei Hansen ihr Stammhaus hat. Noch weiter draußen lag die kleine Siedlung Twedterholz, kaum der Rede wert, aber immerhin die Gemeinde im Kreis, zu der das Gebiet Mürwik gehörte.

Es war die Ruhe, von der Flensburg als Standort für die Marine profitierte. Zuerst die Ruhe auf dem Wasser. Wollten die Seesoldaten zur Übung ihre Torpedos abfeuern, kamen ihnen auf der dicht befahrenen Kieler Förde immer wieder Boote und Schiffe in die Quere. Ganz anders auf der Flensburger Förde. Hier herrschte lange nicht so dichter Schiffsverkehr, hier konnten die "Aale" durchs Wasser zischen, ohne jemanden zu gefährden. Seit Mitte der 1890er Jahre erschien regelmäßig im Sommer aus Kiel das Torpedoschul- und Versuchsschiff "Blücher" mit seinem Tross zu Torpedo-Übungen. Irgendwann reichte die "Blücher" nicht mehr aus, es mussten feste Bauten an Land sein. Es entstand als Keimzelle der Marine in Mürwik das Gebäude mit dem markanten Türmchen. Und dann ging es zur Sache: Unterkunfts-, Schulungs- und Versorgungsgebäude entstanden, neue Kaianlagen boten Platz für die Schiffe.

Aus Kiel sollte die Marineschule nach Flensburg verlegt werden, die Anfrage kam 1903. Die Stadt bot ein kostenloses Grundstück an. Am 3. Oktober 1910 war Einweihung, Kaiser Wilhelm kam persönlich. Die Anlagen wurden durch das Marinelazarett (die spätere Klinik Ost), Wasserturm und Sportschule ergänzt. Die Hochrüstung der NS-Regierung brachte so viele Marinesoldaten nach Mürwik, dass sie in Baracken untergebracht werden mussten. Die Fernmeldeschule stammt aus der Zeit. Das alte Bild zeigt hinter den Marineanlagen noch die Trasse von Kaiser-Wilhelm-Straße (Mürwiker Straße), die weiter führte nach Twedterholz (Fördestraße). Von der späteren dichten Bebauung ist noch nichts zu ahnen. Nur das Osbektal bringt ein wenig Abwechslung in die Landschaft.

Zu Nato-Zeiten hatte die Bundesmarine die Ostseezugänge zu verteidigen. Flensburg war der ideale Standort, und so lagen die Schiffe im Stützpunkt dicht an dicht. Die Wende war das Ende: Geschwader wurden aufgelöst oder nach Kiel verlegt, der Stützpunkt war überflüssig. Zum großen, gelungenen Experiment wurde die Umwandlung der Bundeswehrgebäude in zivile Wohnhäuser. Auf den Brücken, an denen einst die Schiffe lagen, entstanden die Wasserhäuser, zwischen den Brücken hat eine Marina ihren Platz. Die Linie der alten Militärbauten wurde nicht angetastet. Die weißen, vorgesetzten Balkone vor den Ziegelfassaden weisen auf die neue Nutzung hin. Ergänzung des neuen Wohnviertels war das Hochhaus-Ensemble "Luv und Lee". Das Haus, das 1912 das Türmchen trug, ist bis heute erhalten und in der zweiten Linie am hellen Anstrich erkennbar. Heute ist dort das Sanitätszentrum untergebracht.

Bei den letzten Standortentscheidungen wurde die Marineschule nicht angetastet. Auch die alte Fernmeldeschule wird weiter von der Bundeswehr als Ausbildungsstätte genutzt. Auf dem aktuellen Foto ist ihr markantes Torhaus von hinten deutlich sichtbar. Dahinter zieht sich die Osterallee schräg ins Gelände.

Das neue Foto bündelt die Geschichte des Kraftfahrt-Bundesamtes. Als im Mai 1952 die Entscheidung zur Verlegung der Behörde nach Flensburg fiel, zog sie in die Bontekaserne ein, einen Block des brachliegenden Stützpunktes. Wiederaufbau der Bundeswehr und Platzmangel des KBA führten zum Neubau an der Fördestraße. Der helle Block ist unübersehbar. Direkt daneben die einstige Bundeswehrfachschule und die Baustelle für das neue Verlagshaus des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z). Friedheim und Kiefernweg ziehen Linien durch das Mürwiker Grün. In Richtung Fördewald setzen die beiden hellen Hochhäuser Osterkoppel und Twedter Feld Akzente im größten Flensburger Stadtteil. Dahinter dehnen sich die Glücksburger Waldflächen aus.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jul.2012 | 05:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Verkehr : Falle für Radfahrer an der Nordstraße

Eine Umleitung zwingt Pedalritter auf die viel befahrene Nordstraße. Die Stadt plant die Beleuchtung der Strecke bis zur