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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 23:06 Uhr

Das neue Haus der alten Yachten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Industriehafen eröffnet heute das Yacht Heritage Center – Flensburgs einzigartiges Fenster in die Zeit der Segelei auf hölzernen Booten

Ohne die Vebeg hätte es das Haus, das heute vor geladenen Gästen feierlich eröffnet wird, nicht gegeben. Es war Mittwoch, 5. Oktober 2005, als drei segelbegeisterte Flensburger ein bildschönes Sorgenkind erwarben: Gorm Gondesen, Jochen Frank und Oliver Berking hatten mit 173  001 Euro bei einer Versteigerung der Verwertungsgesellschaft des Bundes den Zuschlag für ein trauriges Schiff bekommen. Sie wurden Eigner der ehemaligen Ausbildungsyacht „Ostwind“ der Marineschule, die nach 50 Jahren wie ihre Schwester „Westwind“ wegen Baufälligkeit ausgemustert worden war. Für die „Ostwind“ ein Glückstag. Für Flensburg auch. Die schöne Yacht fährt dank grundlegender Restaurierung unter ihrem Mädchennamen „Sphinx“ Regatten auf der Förde und Flensburg hat ein Yachting Heritage Center.

Am Industriehafen ist eine Schatztruhe entstanden, die große Geschichten aus alter Zeit aufbewahrt und erzählt. Hier ist die weltweit größte Fachbibliothek der Yachtsportgeschichte zu Hause, hier werden wechselnde Ausstellungen die Entwicklung des Holzbootbaus von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts begleiten. Verbunden ist dieses europaweit einzigartige Haus mit einer Werft für klassische Yachten, die es ohne die „Sphinx“ nicht gegeben hätte.

„Es hängt alles zusammen“, nickt der Hausherr. Oliver Berking erinnert sich gerne an diesen seltsamen Moment, an dem das Restaurierungsprojekt abgeschlossen war. Zweieinhalb Jahre lang hatte unter der Leitung seines Freundes Kay Wohlenberg eine Mannschaft von bootsvernarrten Handwerkern aus der Region die 1939 bei Abeking & Rasmussen entstandene Mahagoni-Yacht wieder in den Originalzustand versetzt. Die etablierte Branche belächelte zunächst das Flensburger Do-it-yourself-Projekt unter einem Zeltdach, am Ende wurde applaudiert. „Da war unglaublich viel Know-How erworben worden, das nach mehr verlangte“, so Berking. „Als wir Sphinx schließlich aus dem Zelt schoben, hing über uns allen die bange Frage: Und was machen wir jetzt?“

Oliver Berking kaufte ein Grundstück und gründete eine Familie. Mit der Bootswerft Robbe & Berking-Classics fing es an. Inzwischen sind ein großes Winterlager, Baum & König, die bundesweit größte Yachtmaklerei für klassische Yachten und mit „Galery 4“ sogar ein Atelier am Industriehafen eingezogen. Sie alle firmieren (gemeinsam mit der Silbermanufaktur) als Robbe & Berking Family. Die Visitenkarte ziert übrigens der puristisch schlanke Riss der Design-Ikone „Sphinx“, die das alles ins Rollen gebracht hat.

Ihre kleinere Variante ist im neuen Center zentrales Ausstellungsstück. Mittig in der 800 Quadratmeter großen Halle liegt, traumhaft inszeniert, die gut 12 Meter lange „Norna“, 1927 für König Olav von Norwegen gebaut, der mit ihr 1928 in Amsterdam olympisches Gold gewann.

Königlich ist auch das Umfeld. Berking und seine Museumsleiterin Dr. Eva Nielsen haben für die Eröffnungsausstellung zahlreiche bislang noch nie gezeigte Exponate aus europäischen Königshäusern zusammengetragen, die einen einzigartigen Blick auf die Anfänge der damals noch hochherrschaftlichen Yachtsegelei vermitteln. Zur Eröffnung ist der Eintritt morgen zwischen 10 und 17 Uhr frei.

Die Ausstellung wird bis Ende des Jahres bei Eintrittspreisen von 3,50 Euro (ermäßigt) und 7 Euro gezeigt. Kinder unter 6 Jahre haben freien Eintritt. Geöffnet (außer an Feiertagen) Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Näheres unter www.classic-yachts.de.

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erstellt am 01.Okt.2016 | 08:34 Uhr

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