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Flensburger Tageblatt

31. Mai 2016 | 16:08 Uhr

Das Luftschloss liegt in Trümmern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

220 Beamte am Harniskai im Einsatz – Polizei nimmt 17 Aktivisten in Gewahrsam

Zwei unterkühlte Demonstranten, keine Verletzten. Aus Sicht der Polizei war die gestern früh erfolgte Räumung der Luftschlossfabrik am Harniskai glimpflich verlaufen, auch wenn – wie Einsatzleiter Jörn Tietje eingestehen musste – die Gewaltbereitschaft der Besetzer überraschend kam. Nach den friedlichen Eindrücken vom Abend zuvor, als das Thema unter Beteiligung vieler Betroffener im Rathaus nochmals diskutiert worden war, seien die Einsatzkräfte von einem friedfertigen Verlauf ausgegangen.

Stattdessen standen die Polizisten und der Gerichtsvollzieher mit der Räumungsverfügung im Wurfhagel. Erst nach gut zwei Stunden hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle. Wie Tietje später auf einer Pressekonferenz im Rathaus mitteilte, hätten sich zu Beginn der Räumung rund 40 Personen auf dem Gelände befunden. Vermutlich Förderer des Wohn- und Kulturprojekts. Die eigentlichen Aktivisten hatten schon am Montag ihre Bauwagen abgezogen und für eine konfliktfreie Lösung geworben.

Doch daraus wurde nichts. Von diesen 40 Besetzern sei knapp die Hälfte trotz verschiedener Aufforderungen auf dem Gelände geblieben und habe Widerstand geleistet. Es sei gelungen, diese Leute festzunehmen, sagte Tietje. Um weitere Straftaten zu verhindern, seien 17 Personen in Gewahrsam genommen worden. Sie müssen mit Verfahren wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte rechnen. Autonome demonstrierten bis in den Abend hinein vor dem 1. Revier gegen diese Festnahmen.

Tietje kündigte an, dass von 220 an der Aktion beteiligten Beamten – eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei Eutin sowie Beamte der Polizeidirektion Nord – starke Kräfte noch vor Ort bleiben werden, weil mit Nachfolgeaktionen zu rechnen sei. „Wir beobachten die Lage genau.“

Oberbürgermeister Simon Faber zeigte sich enttäuscht, dass die Hälfte der Straftäter gestern offenbar der Luftschlossfabrik zuzurechnen seien. Er sei überzeugt, dass weiteres Zuwarten nichts genutzt hätte. Alle Erfahrung lasse vermuten, dass man die Stadt nur weiter hingehalten hätte. Weiteres Warten wäre schon gegenüber jenen Flensburgern nicht mehr zu vertreten gewesen, die wegen Mietrückständen in bis zu 60 Fällen jährlich auch von Zwangsräumung bedroht seien.

Seiten 8 und 9

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erstellt am 04.Feb.2016 | 07:41 Uhr

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