zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:43 Uhr

Offene Ateliers : Das Glück als Kunstwerk

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünf Flensburger Künstlerinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, öffnen am Wochenende ihre Ateliers bei landesweiter Aktion

Mit dem Glück ist es so eine Sache. Jeder ist mal auf der Suche danach und macht seine Erfahrungen über Erreichbarkeit und Haltbarkeit des ersehnten Gutes. Auch Karin Mohrdieck, 71, hat viel über das Thema nachgedacht – und weil sie Künstlerin ist, es mit Licht, Schablonen und anderen Materialien zu visualisieren versucht. Die Fotos davon hat sie in einer Broschüre zusammengefasst.

Am Wochenende 20. und 21. August führt sie das Projekt „Glück“ fort. Sie wird sich als Wahrsagerin betätigen. Mit dem altchinesischen Buch der Weisheit, dem I Ging, wird sie in ihrem Atelier sitzen, ihrem jeweiligen Gegenüber tief in die Augen schauen, dabei eine Seite aufschlagen und vorlesen. „Anschließend kommt man vielleicht ins Gespräch“, spekuliert die Künstlerin, „über das Leben, über das Streben nach Glück und was Glück überhaupt ausmacht.“ Mohrdieck, das dürfte klar geworden sein, wählt für ihre Installationen und Projekte oft eine philosophische Herangehensweise.

Gemeinsam mit ihr geben am kommenden Wochenende zum zweiten Mal über 100 Künstler in Schleswig-Holstein einen Einblick in ihr Schaffen – und zwar am Ort des Entstehens, in ihren Ateliers. Alle Künstler sind Mitglieder der Landesverbände für angewandte und bildende Kunst (BAK, BBK, Gedok).

Fünf Künstlerinnen, die mitmachen, haben eines gemeinsam: Sie leben oder arbeiten in Flensburg. Karin Mohrdieck und Gundula Sommerer waren zunächst beide Kunsterzieherinnen, bevor sie Kunst beziehungsweise Keramik studierten – die eine an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel, die andere in Bremen an der Hochschule für Gestaltung. Sommerer, die Keramikerin, hat mit ihrem Partner, einem Musiker, ein Gebäudeensemble an der Schloßstraße 16b in Flensburg gekauft. Sie wollen ein Kulturzentrum daraus machen.

Jetzt findet dort das Sommeratelier statt. Typisch für ihre Keramik ist eine Rissestruktur, in der die Künstlerin Wege erkennt – aber auch Vergänglichkeit. „Die wahre Natur der Dinge offenbart sich im Zerfall“, zitiert Sommerer den italienischen Schriftsteller Italo Calvino. „Der Satz passt gut zu meinen Arbeiten“, sagt sie.

Mohrdiek, die „Wahrsagerin“, hat ihr Atelier direkt neben dem von Antje Fuchs am Nordergraben 26 in Flensburg. Fuchs ist ausgebildete Schaufenstergestalterin und Erzieherin. Sie arbeitet mit Fotografie und Computer, schafft großformatige Wandbilder und Installationen. Für die Sommerateliers hat sie Schnüre aus Plastiktüten angefertigt, fotografiert und zu kaleidoskopartigen Würfeln weiterverarbeitet. Man kann mit ihr über globale Müllprobleme sprechen und Recyclingkunst. „Das ist jedenfalls zu erwarten“, sagt Fuchs, die auch als Kunstpädagogin arbeitet.

Katja de Vries lebt am Flensburger Hafendamm, stellt aber in der Werkstatt ihres Freundes in Ringsberg, Bahnhofstraße 6, aus. De Vries machte zunächst eine Tischlerlehre und arbeitete fünf Jahre als Gesellin in den USA. Danach entschied sie sich für ein Studium an der Flensburger Werkkunstschule. Seitdem konzentriert sie sich auf die gestalterische Entwicklung ihrer Arbeiten, ohne das Handwerkliche zu vernachlässigen. Ihre fein gearbeiteten Kästchen aus Holz zum Beispiel sind Unikate. 150 bis 180 Euro werden dafür verlangt.

Schmuck nicht nur zum Tragen, sondern auch zum bloßen Betrachten schafft die in Flensburg lebende Dänin Hanne Bay Lührssen. Sie lernte das Goldschmiedhandwerk in Meldorf, wo man laut Lührssen besonders filigran arbeitete. Inzwischen lässt sie sich von stringenter Architektur und rationellem japanischen Design inspirieren. Lührssen stellt bei Uli Strempel in Stoltebüll auf Gut Drült aus.

Alle fünf Künstlerinnen sind sehr gespannt, was das Wochenende an Begegnungen bringt. Möglicherweise lösen sie neue Inspirationen aus, so hoffen sie.


Eine Übersicht über alle Veranstaltungsorte gibt es unter www.sommerateliers-sh.de. Die Ateliers sind an beiden Tagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Aug.2016 | 18:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen