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Öffentliche Toiletten in Flensburg : Das Elend mit dem dringenden Bedürfnis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Saubere öffentliche Toiletten sind in der Flensburger Innenstadt Mangelware. Eine Alternative wäre die „Nette Toilette“.

Flensburg | Hunderte Touristen bummeln täglich durch die Flensburger Innenstadt. Wer dabei gewisse Bedürfnisse verspürt, wird Schwierigkeiten haben, das stille Örtchen zu finden. „Von Karstadt bis zum Nordertor ist weit und breit keine Toilette in Sichtweite“, beschwert sich Passantin Sabine Hein. Nach 20 Minuten Schlendern durch die Fußgängerzone findet man gerade mal drei öffentliche Toiletten. Und die sind schlecht ausgeschildert, zum Teil nicht begehbar – oder schlichtweg abstoßend. Am Wochenende ist es noch schwieriger, eine Toilette zu finden, da die Anlaufstellen Galerie und Holmpassage sonntags zugeschlossen sind.

Die Situation am Stadtpark: Hier ist das WC durchgehend geschlossen, da Beschwerden über eine starke Verschmutzung und dort hausierende Obdachlose eingingen, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Demnach bestehen keine Pläne, die Toilette wieder zu öffnen.

Wer am Flensburger Strand nach einer Toilette sucht, wird noch ein paar Tage vor verschlossener Tür stehen. Öffentliche WCs im Ostseebad, Solitüde oder auch im Beach Club haben nur in der Saison geöffnet, und die beginnt erst Mitte April.

Obwohl die Innenstadt natürlich mehr öffentliche Toiletten bietet als die Strände, gleicht das Erlebnis in der City dank mangelhafter Hygiene eher einer Mutprobe. Am Zob gibt es zwei Toiletten. Doch wer sie betritt, wird sich gut überlegen, diese „dank“ des Fäkaliengeruchs auch zu nutzen. Seife und Papiertücher gibt es nicht.

Im Volksbad sind die Spiegel voll mit Graffiti, und der Gestank kommt einem schon draußen entgegen. Die Spülungen der Urinale sind kaputt; wer sich die Hände waschen möchte, kann lange nach Utensilien suchen.

In der Neuen Straße haben Frauen „Glück“. Immerhin ist offen, aber die Damen mit Bedürfnis werden von einem unerträglichen Uringeruch empfangen. Das „Erlebnis“ wird durch das Fehlen von Klopapier, Klobürste und Papiertüchern abgerundet. Die Männertoilette ist geschlossen.

Wer kurz vor der Bahnfahrt noch einmal die Toilette besuchen möchte, wird beim Hauptbahnhof ebenfalls keinen schönen Aufenthalt haben. Die Wände sind bekritzelt, der Geruch ist unangenehm, man möchte am liebsten gleich wieder raus. Zwar ist im Vergleich zum letzten Jahr eine leichte Verbesserung erkennbar: Wo früher Schimmel an den Waschbecken blühte, ist es mittlerweile sauber. Und man kann sogar die Türklinke anfassen, ohne Angst vor Keimen haben zu müssen. Dennoch besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Der Südermarkt beherbergt eine der wenigen halbwegs passablen Toiletten, die man in Flensburg findet. Zwar ist erkennbar, dass sie nicht die neueste Einrichtung hat, doch wird sie regelmäßig gepflegt. Betreten kann man sie, ohne die Luft anhalten zu müssen, sie ist den anderen WCs geruchstechnisch überlegen. Auch Klobürste und Seifenspender sind vorhanden.

Eine Alternative zur Investition in die Instandhaltung der WCs wäre die „Nette Toilette“. Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach: Gastwirte und Restaurantbesitzer stellen ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung und bekommen dafür Geld von der Stadt. Zum ersten Mal kam dieser Vorschlag 2014 vom SSW. Der forderte seinerzeit, dem Beispiel von 230 anderen Städten zu folgen. Dieses Konzept scheint indes nur schleppend voranzukommen: Gerade mal vier Lokale (Nordsee-Restaurant, Café Central, Beste Stuuv, Eiszeit am Plack) beteiligen sich.

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erstellt am 13.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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