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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 09:32 Uhr

Das Auf und Ab eines Musikerlebens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Kulturturm am Trollseeweg wird aus Anlass des 60. Geburtstags Richard Westers eine außergewöhnliche Künstler-Biographie sichtbar

Der Ausstellungsort ist genauso speziell wie das Thema der Ausstellung. Ein ehemaliger Turmbunker mit einer Spirale als Treppe, auf der man sich von Exponat zu Exponat zunächst nach oben und dann über die Gegentreppe nach unten bewegt. Wie passt das zu der Vita eines Musikers, eines Performers, eines Event-Choreographen namens Richard Wester?

Keinesfalls sei der zweite Teil der Ausstellung, bei dem es wieder herunter geht, als Abstieg zu verstehen, betonte der frühere sh:z-Chefredakteur Stephan Richter in seiner Einführung zur Wester-Schau im Trollseeturm des Holländerhofes. Sondern eher als Ausstieg aus dem wilden Großstadt-Leben in Berlin, aus Richard Westers aufregender Zeit bei den Großen der Rockmusikszene, als er mit Bap in China war, als er mit Stefan Waggershausen und Ulla Meinecke tourte, als er mit Lindenberg, Grönemeyer und Westernhagen zur Band für Afrika gehörte.

Natürlich gab es in Richard Westers Künstlerleben – wie in jedem anderen auch – Aufs und Abs. Darum geht es aber nicht in der sehenswerten Ausstellung. Kaum jemand ist in der regionalen Kulturszene der letzten drei Jahrzehnte so präsent wie Wester, und kein anderer deckt dabei eine so enorme Bandbreite an Kunstformen ab. Ob solo, im Duo, Trio, Quartett oder als Teil einer amtlichen Rockband, als Erfinder und Gastgeber der Nacht der Lieder, als Gestalter großartiger Shows und Performances auf Kohlehalden, im Hafen oder am Rhein. Als Anführer der so erfolgreichen und weit gereisten Marching Band des Käpt’n Kümo. Mit seinem Glashaus im tiefsten Angeln hat er Kultur aufs flache Land gebracht und die Städter dorthin gelockt. Immer angetrieben von einer unstillbaren künstlerischen Neugier, hat er immerzu die Begegnung gesucht: mit Kirchenmusikern wie Matthias Janz und Michael Mages, mit Trommlern aus der Wüste Marokkos, mit Musikern vom Balkan, mit Sängern wie dem ewigen Kumpan Maurenbrecher, mit Tänzerinnen, mit Dorfmusikern wie weiland bei der legendären Ostseerevue.

An all das kann man zurückdenken beim Besuch der Ausstellung im Turm. Viele Bilder von Plakaten oder Konzerten wecken Erinnerungen, doch manche hat man mit ziemlicher Sicherheit noch nie gesehen: Der junge Richard als Teil einer Jazzcombo im feinen Zwirn – wunderbar! Der junge Richard mit blauem Spielzeug-Saxophon im rosa Sakko – herrlich!

Richard Wester ist eine Institution, sagte Richter. Anders als Persönlichkeiten wie Emmy Ball-Hennings oder Hugo Eckener, die von Flensburg in die Welt gingen und Großes vollbrachten, kam der in Linz am Rhein aufgewachsene Wester, der in diesem Jahr 60 geworden ist, aus der Großstadt Berlin in die Provinz und machte hier etwas, das der Region Mut machen kann, so Richter: „Diese Region muss sich nicht hinter den Großstädten verstecken“ – auch dank Richard Wester. Der Ausstieg nach einer „Überdosis Großstadt“ und Westers Wechsel in den Norden, seine Selbstfindung, waren ein Glücksfall für die Region.

„Ein Musikerleben“: Ausstellung im Kulturturm am Trollseeweg, bis 17. Mai, sechs Werkstattkonzerte am 29.4. sowie 1., 4., 5., 16. und 17. Mai. Anmeldungen: the.project@t-online.de

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erstellt am 25.Apr.2016 | 12:27 Uhr

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