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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 10:04 Uhr

Chinesische Schüler setzen Segel auf der Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von einer Stadt mit über acht Millionen Einwohnern und 37 Grad Celsius nach Flensburg

Vormittags lernten sie, wie man sich mit Messer und Gabel einem deutschen Frühstück nähert, nachmittags setzten sie Segel auf der Flensburger Förde: 20 chinesische Schüler aus der Millionenstadt Hangzhou, die im Rahmen eines kulturellen Austausches mit der Kurt-Tucholsky-Schule eine Woche in Flensburg zu Gast waren.

Die jungen Chinesen waren in dieser Zeit bei Gastfamilien untergebracht. Vormittags gingen sie in die Schule und nachmittags erkundeten sie die Umgebung: Stadtführung, Bauernhofbesuch, Hotdog-Essen, Segeln oder Kanufahren auf der Treene. Vergangenen Donnerstag setzten die Gäste ihre Reise fort. Mit dem Bus sind sie jetzt auf Europa-Tournee, danach geht es in die Heimat zurück.

Die Schüler sprechen zusammen Englisch. „Es ist kein Sprachenaustausch“, erklärt Martin Feddersen, der Koordinator für den 9. und 10. Jahrgang ist. „Ziel ist es, dass die Schüler eine ganz andere Kultur kennen lernen.“ Und das ist gelungen.

„Das Brot ist hier härter“, erzählt die 17 Jährige Li Min, die in China drei Mal am Tag Reis isst. „Generell ist das Essen in Deutschland härter. Und die deutschen Schüler sind nicht sehr sauber. Vor dem Essen waschen sie sich nicht immer die Hände.“ In Korea und Singapur war die Schülerin schon. So weit wie nach Deutschland ist sie noch nie gereist.

„Oft müssen wir mit Händen und Füßen kommunizieren“, erzählt Niklas Rußbüldt, Li Mins Austauschpartner. Der 16-Jährige hat auch kulturelle Unterschiede bemerkt: „Die Chinesen sind überhaupt nicht sportlich! Und verbringen viel mehr Zeit mit ihren Smartphones als wir. Das liegt bestimmt daran, dass China eine extreme Konsumgesellschaft ist“, analysiert er. Und in der Tat bedauert Li Min, die junge Volksrepublik-Sozialistin, dass sie in dieser Stadt so wenig Auswahl beim Shopping hat. Über Politik wird wenig gesprochen. „Was wir nicht wissen sollen, werden wir auch nicht wissen“, sagen die jungen Chinesen.

Am Strand machen sie sich lieber auf Quallenjagd. Besonders freuen sich die Megalopolis-Kinder – die Region rund um Hangzhou hat über acht Millionen Bewohner – über die vielen Aktivitäten im Freien und über die Luftqualität in Flensburg. „Hier ist der Himmel so blau“, staunt Li Min.

Im Herbst fliegen die deutschen Schüler nach China. Dort werden sie Städte, Museen, Perlenzüchter und Seidenfabriken besuchen. Die Flensburger werden auch neue Schulfächer entdecken, wie Kalligrafie, Robotik oder chinesische Sportarten.

„Sie werden dort sehen, wie gut sie es hier haben“, denkt Betriebswirtin Sylvia Warte (48), die ihren Sohn Andreas (15) in China begleiten wird. „Die Schule ist in China so anstrengend.“ Nach dem Unterricht sollen die fleißigen Chinesen – 45 pro Klasse – auch noch eine oder zwei Stunden Hausaufgaben schreiben. Und im Unterricht darf nicht gesprochen werden. Allgemein findet Sylvia Warte die Chinesen besonders höflich. „Sie sagen nie etwas Negatives und lassen sich einfach von allem überraschen.“

Der letzte Abend wurde mit einer Grill-Party gefeiert. Li Min könnte es sich gut vorstellen, in Deutschland zu wohnen. Warum, sagt sie in einem Wort: „Freiheit“.

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erstellt am 23.Jul.2016 | 17:52 Uhr

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