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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:22 Uhr

Dammhof : Chemie-Anschlag auf Flensburger Flüchtlingsheim

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine gelbe, ätzende Flüssigkeit verletzt zwei Männer aus Syrien, die gerade duschen. Die Polizei sucht Zeugen.

Flensburg | Das Feuer an der Travestraße im vergangenen Oktober war noch ein Anschlag auf eine leere Flüchtlingsunterkunft. Am vergangenen Freitag in Flensburg, abends um 22.50 Uhr, war das anders. Da standen Leute unter der Dusche, als Unbekannte eine ätzende Flüssigkeit durch das zur Johannisstraße gelegene, auf Kipp stehende Fenster gossen und zwei Syrer verletzten. Die Polizei meldete den Anschlag auf die Flensburger Unterkunft erst am Dienstag kurz vor Feierabend und war für Nachfragen danach nicht mehr zu erreichen. Die Leitstelle in Harrislee gab am Abend ebenfalls keine weiteren Auskünfte. Es brenne ja nirgendwo – ein viereinhalb Tage alter Vorgang aus den Akten. Nichts zu machen.

Bautzen und Clausnitz sind nur die berühmtesten Beispiele: Immer wieder gibt es in den letzten Monaten Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland.

Der Hergang des Chemikalien-Anschlags lässt sich daher nur vom Hörensagen nacherzählen. Bewohner der zum Zeitpunkt der Tat mit 63 Flüchtlingen voll belegten Einrichtung zwischen Dammhof und Johannisstraße berichten, dass zwei junge Syrer, die sich in dem Duschraum aufhielten, akute Atemprobleme bekamen. „Einer von Ihnen hat die halbe Nacht gekotzt. Der andere war nach einer Stunde wieder auf dem Damm“, sagt ein deutscher Flüchtlingsbegleiter.

Der mit der Überwachung des Objektes beauftragte Wachdienst hatte dem Geschehen offenbar keinerlei Bedeutung beigemessen. Weder informierte er sofort seinen Vorgesetzten noch die Polizei. Stattdessen soll der Mann die Spuren des Anschlags weggespült haben – angeblich eine gelbliche Flüssigkeit. Die Sache sei erst am nächsten Tag herausgekommen. Unter den Bewohnern habe es aber keine Unruhe gegeben, heißt es. Zunächst jedenfalls nicht. Die Geschichte von diesem Ereignis macht erst seit Anfang der Woche die Runde. In der überwiegend von syrischen Flüchtlingen bewohnten städtischen Unterkunft ist man froh, dass der Chemiekalienanschlag durch den Sanitärbereich auf der Rückseite des Gebäudes so glimpflich verlief: „Es geht beiden wieder richtig gut“, berichtete ein Mitbewohner.

Simone Lange, Koordinatorin der Flüchtlingshelfer vom Bahnhof „Refugees Welcome“, hatte noch gar nichts von dem Zwischenfall gehört. „Das ist einfach nur furchtbar“, meinte sie. „Wir müssen solche Vorfälle zum Anlass nehmen, uns ständig zu überprüfen. Reichen die Schutzmaßnahmen? Brauchen wir mehr oder anderes Personal?“ Vor allem aber sagte Lange, dass dieses Ereignis Anlass für verbindliche Meldungsketten sein muss. Dass Spuren beseitigt wurden, statt die Polizei zu rufen, sei denkbar schlecht.

Die Polizei war am Dienstag für weiter gehende Fragen der Presse wenig zugänglich, meldete aber Bedarf nach hilfreichen Zeugenaussagen unter der Sammelnummer 0461-4840 an. Warum der Anschlag vom Freitag erst am späten Dienstagnachmittag gemeldet wurde, blieb unklar.

Nach sh:z-Informationen wird das Haus seit dem Anschlag an der Travestraße von einem Sicherheitsunternehmen bewacht. Dort werden seitdem im Eingangsbereich Besucher-Personalien abgefragt und Ausweise kontrolliert. Die Gebäuderückseite zur Johannisstraße hatten die Bewacher bislang offenbar nicht im Blick.

Ob die Stadt ihr Sicherheitskonzept für alle Flüchtlingsunterkünfte überprüfen wird, ist eine der weiteren Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt.

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erstellt am 23.Feb.2016 | 19:54 Uhr

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