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Flensburger Tageblatt

28. Februar 2017 | 18:12 Uhr

Fachhochschule Flensburg : Campus-Abschied mit neuem TV-Studio

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

FH-Präsident Herbert Zickfeld musste in seiner Amtszeit zunächst viel aufräumen. Gestern feierte er seinen letzten Erfolg in Flensburg.

Flensburg | So einen letzten Arbeitstag wünscht sich jeder. Am Vormittag noch eben ein hochmodernes HD-Film- und Fernsehstudio in gediegenstem hanseatischen Ambiente eröffnen, eine bereits für vier Jahre finanzierte Stiftungsprofessur für Werbefilm obendrauf packen – und am Nachmittag im Audimax mit mehr als 200 Freunden, Gönnern und Weggefährten samt Ministerpräsident Abschied feiern.

Sollte der scheidende Präsident der Fachhochschule (FH) nach sechs Jahren auf dem Sandberg von der Schönheit des Flensburger Campus noch nicht überzeugt gewesen sein, gestern Morgen hätte er den letzten Zweifel verloren. Ein dicker Schneemantel hatte das hügelige Areal rund um Flens-Arena und Campusbad samt seiner Teiche bedeckt, im gleißenden Sonnenschein stieg Frühnebel in den blauen Himmel – ein strahlendes Naturschauspiel, wie bestellt als Abschiedsgruß für einen ungewöhnlich breit aufgestellten Wissenschaftler.

Es ist eine Wissenschaftskarriere, die es heute so kaum mehr geben kann, die aber dennoch ein starkes Zukunftssignal an junge Leute aussendet, die um den richtigen Weg ins Berufsleben ringen. Zickfeld hat im Harz die Volksschule besucht, dann eine Banklehre gemacht und später beim Grenzschutz gearbeitet. In Pforzheim und Freiburg studierte er Betriebswirtschaft, VWL und Soziologie. „Junge Menschen haben heute auch noch spät die Chance, sich zu qualifizieren. Sie müssen sie nur nutzen“, findet Zickfeld. Nach mehr als 20 Jahren Lehrtätigkeit an der FH Kiel war er 2009 zum Präsidenten der FH Flensburg berufen worden. „Es war mir nie wichtig gewesen, wichtig zu sein, aber ich hatte einen Traum“, sagt Zickfeld.

2009 war die Fachhochschule unter der umstrittenen Verwaltung ihres Ex-Kanzlers Klaus Arnold in schwerem Fahrwasser. Baustellen gab es beim Personal, den Finanzen sowie beim gesamten wissenschaftlichen Betrieb: „Aufgrund der schwierigen Ausgangssituation war eine umfassende Reorganisation der Hochschule notwendig“, sagt er heute. Zwei Jahre später ging sein Kanzler, der in der FH-Werkstatt Metallpforten für das friesische Privatanwesen arbeiten ließ, vorzeitig in den Ruhestand. Die juristische Aufarbeitung des unrühmlichen Abgangs ist nach mehr als vier Jahren noch nicht zu Ende. Für Zickfeld war der Konflikt unausweichlich: „Es ging auch darum, der Hochschule ein Stück Würde zurückzugeben.“

Gestern überwogen die leichteren Töne. „Ihre Arbeit steht für die Idee der Fachhochschule an sich und für die Idee der Fachhochschule Flensburg im Besonderen: wissenschaftliche Forschung und berufliche Praxis zusammenzuführen und dadurch einen ganz besonderen und einzigartigen Mehrwert zu erhalten“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig. Die Fachhochschule und die gesamte Region hätten Zickfeld sehr viel zu verdanken. Bis über die Grenze reichte Zickfelds Wirken, er habe zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Sonderburg im Masterstudiengang „Innovation and Business“ forciert.

Am Vormittag hatte Zickfeld mit den großzügigen Vertretern der Marga-und-Walter Boll-Stiftung (Kerpen) das 200  000 Euro teure modernste Film- und TV-Studio weit und breit eröffnet. Ob Podiumsdiskussionen aufzeichnen, Werbefilme für Institute drehen oder die visuelle Demonstration neuester Forschung – alle FH-Mitglieder sollen die Möglichkeit haben, ihre Aktivitäten nach außen sichtbar zu machen, berichtete der renommierte Werbefilmer und FH-Dozent Jim Lacy. Binnen drei Tagen hat er mit Hamburger Bühnenbauern aus kahler Zweckarchitektur ein antik-hanseatisches Ambiente gezimmert, aus dem sich künftig Zickfeld-Nachfolger Holger Watter oder andere Repräsentanten der FH in aller Welt in würdigem Rahmen zeigen können. Zickfeld nannte etwa die Kooperationspartner des Afrika-Instituts in Namibia, Kenia oder Südafrika.

Dabei verriet Werbefilmer Lacy ein Geheimnis. Zwischen roten Backsteinen und antiken Büchern gibt es einen Knopf, der hinter dem Bücherregal einen Geheimgang öffnet. Herbert Zickfeld wird ihn aber nicht mehr nutzen. In Ruhestand geht er dennoch nicht. Er will an der FH Kiel nochmal weiterforschen.

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erstellt am 01.Feb.2015 | 09:30 Uhr

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