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Flensburger Tageblatt

25. August 2016 | 11:40 Uhr

Glücksburg : Bürger kämpfen für ihre Bücherei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

100 Glücksburger bilden am Sonnabend eine Menschenkette rund um das frühere Bahnhofsgebäude, um für den Erhalt der städtischen Bibliothek zu demonstrieren. Im Mai soll die Aktion wiederholt werden.

Glücksburg | „Wir sind viel, wir sind laut, wenn man uns die Bücher klaut“, tönte es Sonnabendmittag in Glücksburg. Rund 100 Anhänger der Bücherei fassten sich an den Händen und bildeten eine Kette um das frühere Bahnhofsgebäude, das seit 1964 die Bücherei beherbergt. Sie nahmen es sinnbildlich in Schutz vor möglichen Maßnahmen durch die politischen Vertreter der Stadt.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Anfrage der Bürgermeisterin. Was eine Verlegung der Bücherei bei gleichzeitiger Verkleinerung des Angebotes in die Räume der Grundschule kosten würde, hatte sie gefragt. Mit ihrer Demonstration äußerten die Büchereifreunde nun erneut – unter Anführung des Vereins „Freunde der Stadtbücherei Glücksburg“ – ihren Unmut über die Sparpolitik der hoch verschuldeten Stadt. Zuletzt war es am „Runden Tisch“ und in der Stadtvertreter-Sitzung wegen der Bücherei laut geworden (wir berichteten).

Völlig unverständlich findet indes der Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, Heinz-Jürgen Lorenzen, die Debatte in Glücksburg. Seine Einrichtung bietet Dienstleistungen zur Unterstützung der öffentlichen Büchereien in Schleswig-Holstein an, bezuschusst die Glücksburger Bücherei mit rund 17  000 Euro im Jahr. Eine Bücherei gehört seiner Meinung nach ganz selbstverständlich in eine Stadt wie Glücksburg. Und er fühlt sich mit seiner Ansicht nicht alleine. „Gerade hat das Kabinett in Kiel einem neuen Bibliotheksgesetz zur Stärkung des Bibliothekswesens zugestimmt. Auch der Städtebund Schleswig-Holstein, dem Glücksburg angehört, hat die Wichtigkeit von Bibliotheken bekräftigt“, sagte Lorenzen im Interview einen Tag vor der Demonstration. Die Defizite in Glücksburgs Stadtkasse sind seiner Meinung nach nicht durch die Bücherei entstanden. Und keine Kommunalaufsicht würde Zwangsmaßnahmen in Bezug auf eine Stadtbücherei anordnen. Was in Glücksburg fehle, so Lorenzen, sei das Bekenntnis der Stadtpolitik zur Bücherei.

Unter Sparzwang fühlt sich aber Bürgermeisterin Kristina Franke. Seit 2013 hat die Stadt die Verwaltung für die Bücherei übernommen und ist somit auch für die dortigen Personalangelegenheiten zuständig. Darüber darf sie öffentlich nicht sprechen. Doch die drei betroffenen Angestellten äußerten sich jetzt gegenüber unserer Zeitung. Bücherei-Leiterin Stefanie Ritter (31 Stunden/Woche) und Mitarbeiterin Sylvia Huse (19,5 Stunden) haben von der Stadt Glücksburg nur befristete Arbeitsverträge erhalten. Die dritte Kraft, Gudrun Jacobsen, hat ihren Acht-Stunden-Vertrag noch zu Zeiten abgeschlossen, als die Büchereizentrale die Verwaltung innehatte. Ihr Vertrag ist unbefristet. Die anderen enden am 30. Juni 2016. „Ich darf keine neuen Verträge abschließen“, sagte Franke in Hinblick auf die schlechte Haushaltslage. „Erst müssen wir den Haushalt für das laufende Jahr beschließen. Und der muss von der Kommunalverwaltung genehmigt werden.“ Damit sei aber nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Franke betonte außerdem, dass der Unterhalt der Bücherei eine „freiwillige Leistung“ der Stadt darstelle.

Ritter und Huse sagten, dass sie schon „Schritte eingeleitet“ hätten wegen des bevorstehenden Endes ihrer Arbeitsverhältnisse. Gudrun Jacobsen mit ihren acht Stunden allein in der Bücherei – „das würde wohl nicht lange gut gehen“, meint sie. Aber machen würde sie es. Denn die Arbeit in der Glücksburger Bücherei sei ihr eine echte Herzensangelegenheit, obwohl sie auch noch Jobs in der Beratungsstelle „Frau und Beruf“ und beim Deutschen Gewerkschaftsbund habe. Stefanie Ritter findet, dass es nur ein Ja oder ein Nein zur bestehenden Bücherei geben könne. Sie habe veraltete Bestände ausgemistet und die Online-Ausleihe eingeführt. Die Bücherei ist nach Ansicht der 30-jährigen Bibliothekswissenschaftlerin intakt. „Es fehlt ein Bekenntnis der Stadt.“

Im Vorfeld der Demonstration sammelte der Verein der Büchereifreunde an zwei Tagen 600 Unterschriften für den Erhalt der Bücherei in ihrer jetzigen Form. Für Mai plant der Verein erneut eine Menschenkette. Diese soll dann von der der Bücherei bis zum Rathaus reichen. Es sollen Bücher durchgereicht und vor dem Rathaus aufgestapelt werden.

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