zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2014 | 09:44 Uhr

Neu-Anschaffung würde 50000 Euro jährlich kosten : Bücherbus reif für den Schrottplatz?

vom

Gutachter stoßen mit Einsparvorschlag Diskussion über die Notwendigkeit eines neuen Fahrzeugs an / Kämmerer: 50 000 Euro pro Jahr

Flensburg | Er ist 26 Jahre alt, hat noch etwa ein Jahr Tüv und 181 145 Kilometer auf dem Tacho. Eigentlich nicht viel für einen guten alten Bus "made in Germany". Trotzdem könnten für den Flensburger Bücherbus die Tage oder besser die Jahre gezählt sein. Er steht auf der Spar-Liste der Nürnberger Gutachter von Rödl & Partner, und die haben mit diesem Sparvorschlag einen ganz wunden Punkt getroffen: Der Bücherbus ist auf, es muss ein neuer angeschafft werden, und der ist teuer.

Anzeige
Anzeige

Bücherkisten als Ersatz?

Die Gutachter geben eine unmissverständliche Empfehlung an die Adresse der Ratsversammlung: Einstellung des Angebots. Man müsste nicht nur keinen neuen Bus kaufen, sondern würde mittelfristig auch Personalkosten sparen. Als Ersatz nannte Peter Lind von Rödl & Partner im Kulturausschuss die Möglichkeit, an den Schulen Bücherkisten zu platzieren, aus denen sich die Schüler bedienen können, und Schulklassen in die Bibliothek einzuladen, um Hemmschwellen abzubauen und das Angebot bekannt zu machen. Wie zu erwarten, stieß der Vorschlag im zuständigen Fachausschuss nur auf schwach ausgeprägte Zustimmung. "Der Bücherbus muss aufrecht erhalten werden", sagte der Vorsitzende Max Stark (CDU). "Sehr skeptisch" äußerte sich auch Martin Lorenzen (SSW) zu dem Vorschlag. Für Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) ist die Fahrbücherei "ein integraler Bestandteil der Bildungslandschaft". Er erinnerte an ältere Mitbürger, die mit ihrem Rollator noch gerade zur Haltestelle des Bücherbusses fahren könnten, jedoch nicht in die Innenstadt. Karin Schnittke (SPD) wies darauf hin, dass es lesende Kinder aus wenig gut betuchten Familien gebe, die schlicht kein Geld für das Busticket in die Innenstadt haben. Und "gar nicht ernst nehmen" wollte Henning Nielsen (Linke) Linds Anregung mit den Bücherkisten.

Mit 109 000 Entleihungen pro Jahr trägt der Bücherbus mit 13,5 Prozent zum Gesamtumsatz der Stadtbibliothek von 796 000 Entleihungen bei. Nach Erkenntnissen der Büchereileitung findet jeder zweite neue Nutzer den Einstieg ins Büchereiwesen über die rollende Außenstelle vor der Haustür. Man erreiche jeden fünften Nutzer über den Bücherbus, gab Bibliotheksleiter Martin Szlatki im Ausschuss zu bedenken. Der Bus verursache nur zwei Prozent der Gesamtkosten, bewirke aber 20 Prozent der Zielgruppenerreichung.

"Wir sind ein Oberzentrum mit einer sehr guten Bibliothek und einem sehr gut ausgebauten ÖPNV", argumentierte dagegen Henning Brüggemann, Bürgermeister und Kämmerer. "Wir sind nicht der ländliche Raum." Für ihn stelle sich die Frage, "ob wir den Bücherbus wirklich brauchen". Man müsse pro Jahr 50 000 Euro nur für die Anschaffung des neuen Fahrzeuges aufwenden. "Mir graut vor der Diskussion mit der Kreditaufsicht."

Hendrik Ahrens (Rödl & Partner) verdeutlichte, dass es eine veränderte Nutzung von Bibliotheken gebe - Stichwort: Neue Medien. Neben pädagogischen Angeboten in Kindertagesstätten und Schulen müsse es das Ziel sein, Kinder in die zentrale Bibliothek zu holen.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Sep.2012 | 06:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Sanierung im November : Bahnhofstreppe: Es bewegt sich etwas

Nach zwei Jahren Streit einigen sich Bahn und Stadt auf die Teilung der Kosten. Die Arbeiten sollen Anfang November