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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

Nach Räumung der „Luftschlossfabrik“ : Brüchiger Frieden am Flensburger Friedensweg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bauwagen-Siedler haben das besetzte Bequa-Gelände freiwillig verlassen und sind innerhalb des Grundstücks weitergezogen.

Das Versprechen war eindeutig. „Wir werden uns nicht in Luft auflösen“, hatten die ehemaligen Bewohner der „Luftschlossfabrik“ an der Flensburger Harniskaispitze am Hafenostufer hartnäckig prophezeit. Das war kurz nach der Räumung des von ihnen besetzten Geländes an der Harniskaispitze im Februar dieses Jahres. Sie haben Wort gehalten.

Anfang Februar hatte die Räumung der Luftschlossfabrik bundesweit für Aufsehen gesorgt. Polizisten stürmten das Kulturzentrum. Die Bewohner sowie autonome Sympathisanten leisteten Widerstand.

Nach einem kurzen Intermezzo an der Europawiese, wo ein temporäres Quartier entstand, waren Teile der Siedler mit ihren Bau- und Wohnwagen in einer Nacht- und Nebelaktion auf ein Grundstück am Friedensweg weitergezogen. Ebenfalls eine Besetzung, und vom Pächter alles andere als gern gesehen.

Der Aktion lag allerdings ein grundsätzlicher Irrtum zugrunde. Die jungen Leute waren davon ausgegangen, dass die naturbelassene Fläche sich in städtischer Hand befinde. Irrtum. Sie hatten aus Versehen Privatbesitz in Beschlag genommen. Zudem wurde das Areal, das einer Eigentümergemeinschaft gehört, von der Stadttochter Bequa für Projekte mit Langzeitarbeitslosen genutzt.

Mutmaßlich um weiteren Konflikten aus dem Weg zu gehen, packten die Siedler der Mission „Wagenwesen“ unlängst ihre Siebensachen und zogen etwa 150 Meter weiter auf den hinteren Teil des 3000 Quadratmeter großen Grundstücks. Offenbar geduldet. Auch wenn Pächter Hans Clausen die Welt nicht mehr versteht. „Soll das denn ewig so weitergehen?“, fragt der 80 Jahre alte Mann fast verzweifelt.

Warum die Luftschlössler ihren Platz verändert haben, entziehe sich seiner Kenntnis. Doch nach seinem Rechtsverständnis müssten sie ebenso eine Pacht bezahlen wie er selbst. „Ansonsten sollen sie verschwinden.“ Ob dort nun solidarisches, selbstbestimmtes Leben praktiziert, Kulturelles oder Ökologisches fröhlich verrichtet werden soll, ist ihm ziemlich schnuppe. Er könne, bedauert er, sich nicht persönlich der Angelegenheit annehmen, weil gesundheitlich angeschlagen. Aber die Stadt sieht er sehr wohl in der Pflicht.

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf winkt ab. Kein Handlungsbedarf. „Der Vermieter ist in der Verantwortung“, stellt er fest. Aber ist Wohnen auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche juristisch zulässig? Man habe noch nicht abschließend geprüft, heißt es aus dem Rathaus, ob der Flächennutzungsplan auf dem Gelände eine derartige Nutzung zulasse. „Gegebenenfalls wird das Ordnungsamt beim Grundstückseigentümer vorstellig“, sagte Teschendorf. Ungeachtet dessen würden auch die Kriterien durchleuchtet, auf welcher Grundlage man den alternativen Wohnmobilisten adäquaten Wohnraum anbieten könne. Alle bislang ins Auge gefassten Grundstücke hatten sich aus unterschiedlichen Gründen als nicht geeignet erwiesen.

Die aktuellen Wagenbewohner waren zu keiner Stellungnahme bereit. Schlechte Erfahrungen mit der Presse, hieß es lapidar. Noch im Juni hatten sie gegenüber dem Tageblatt freimütig erklärt, sie seien an konstruktiven Gesprächen sowie einer friedlichen Lösung interessiert und bemüht, einen dauerhaften Vertrag mit der Stadt einzugehen. Mit der Gründung eines Vereins war dafür die Grundlage geschaffen worden. Darüber hinaus sicherten sie zu, das Bequa-Gelände zu räumen, wenn die Gesellschaft die Absicht habe, es wieder zu bewirtschaften.

In dem Fall löste sich zwar nicht das Kollektiv, aber zumindest das Problem in Luft auf. „Die waren da – und dann waren sie auch schon wieder weg“, sagt Christoph Fels. Vor einiger Zeit, so der Bequa-Geschäftsführer, habe man die Fläche als Pächter für ökologischen Landbau genutzt. Das sei derzeit nicht der Fall, aber man wolle sie als potenzielles Betriebsgelände behalten. „Das geben wir nicht ab.“ Die Besetzer habe man im Umgang als friedlich und freundlich erlebt. „Und sie haben alles sauber und ordentlich hinterlassen.“

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erstellt am 07.Sep.2016 | 07:19 Uhr

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