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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Brasseriehof wird ein Verein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach anderthalb Jahren des ehrenamtlichen Betriebes soll am 15. September der „Kulturhof e.V.“ gegründet werden

Als sie am 15. April 2015 den Brasseriehof erwarb, hatte Anja Werthebach „nie“ gesagt. Nie wollte sie einen Verein gründen, um ihre Ideen für das Ensemble in der Großen Straße mit Hof und ehemaligem Speicher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu verwirklichen. Heute muss sie einräumen: „Es ist schwer für mich, das allein zu tragen. Wenn es sich auf 1000 Flensburger verteilte, wäre es einfacher.“ Die Liste der wachsenden Aufgaben werde immer länger und sei länger als die Liste der freiwilligen Helfer, die den Brasseriehof als Café und Kulturort beleben. Deshalb hat sie ihre anfänglichen Bedenken verabschiedet und beschlossen: „Wir gründen am 15. September.“

Die konstituierende Sitzung beginnt um 20 Uhr im Brasseriehof. Einen Namen haben die Vereinsgründer schon gefunden, nur ein Logo fehle noch. „Kulturhof Flensburg e.V.“ soll alten und neuen Flensburgern „eine Begegnungsstätte bieten und Kulturzentrum sein, wo jeder Kultur anbieten und Stadtkultur vermitteln kann“, erklärt Anja Werthebach, die technische Übersetzerin ist und seit dem Studium leidenschaftlich gern in Flensburg lebt. „Wir haben so einen guten Rahmen dafür“, sagt die 49-jährige Visionärin. Seit anderthalb Jahren wächst das Kulturprogramm täglich. Werthebach schwärmt von gut besuchten Veranstaltungen mit Denkmalschützern und Stadtkennern zum Thema Idstedt-Löwe und zum Hafen, politischen Lesungen oder Vorträgen. Auch als Ort für Ausstellungen und Konzerte hat sich das lauschige Ensemble mit Brunnen, Skulpturen und anschmiegsamen Katzen etabliert. Manche Musikveranstaltungen haben dazu beigetragen, dass rund 1000 Euro an Spenden zusammengekommen sind für die Behindertentoilette, die gerade geplant und eingebaut wird. Jetzt laufen die Vorbereitungen zum Begegnungsfest am 10. September und für einen Abend mit Diakunstwerken und Klavierimprovisation über Don Quijote.

Jeden Nachmittag, außer montags am Ruhetag, ist das Herz des Hofes, das inklusive und interkulturelle Café, offen für alle. Das Projekt „Mit uns für Alle“ der Lebenshilfe Flensburg, das involviert war, ist im Juli ausgelaufen, weiß Anja Werthebach. Doch das Familiennetzwerk, das daraus hervorging, bestehe eigenständig weiter und „kann, soll und will“ sich dem Projekt „Ein Flensburg für alle“ angliedern.

Alle Barrista, Köche und Kuchenbäcker und Techniker bringen ihre Fähigkeiten ehrenamtlich ein, damit jeder Gast, auch wenn er kein Geld hat, einen Kaffee und ein Stück Käsekuchen bekommt oder eine Suppe. Wer kann, spendet etwas. Doch gibt es immer Menschen, die eine solche Idee ausnutzen und täglich mehrere Kuchenstücke verputzen. „Gerade, wenn Du richtig Hunger hast, dann verspürst Du das Bedürfnis, mal drei Stücke Kuchen zu essen“, wirbt Heinz-Werner Jezewski für Empathie. Doch geht das nur ausnahmsweise. „Wir brauchen mehr Schultern, sonst geht es nicht“, unterstreicht auch er. Die Institution auf ein Fundament zu stellen, allmählich auch auf ein finanzielles, nennt Werthebach als weitere Intention der Vereinsgründung. Sie hofft zudem auf Fördermitglieder. Die Bewerbung um Fördermittel bestimmter Vorhaben würde sich ebenfalls einfacher gestalten, ergänzt Unterstützer und Ratsherr Jezewski.

Toll wäre, „wenn der Flensburger Norden zur Flensburger Kulturachse würde: im Süden shoppen und im Norden Kultur und auch kleine Gewerke genießen“, skizziert Anja Werthebach ihren großen Traum. www.brasseriehof.com

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erstellt am 03.Sep.2016 | 08:11 Uhr

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