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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 18:51 Uhr

Energetischer „Engtanz“ : Bosse – der singende Derwisch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Er singt und tanzt, er hüpft und schwitzt. Rennt wie ein Derwisch über die Bühne. Und zwischen den Songs erzählt er Geschichten. Trinkt schnell einen Schluck Wasser – und weiter geht’s. Wo nimmt der Mann diese Energie her?

Bosse verwandelt das Deutsche Haus in eine große Partyzone. Wenn „Aki“ die Bühne betritt, dann gibt es kein Halten mehr. Bei seinen bunten deutschsprachigen Indie-Pop-Hits der letzten Jahre und Stücken seines aktuellen Albums „Engtanz“ zündet der Funke sofort, springt aufs Publikum über, das seinem Idol schließlich mit stehenden Ovationen huldigt.

Der Titel der gleichnamigen Tour „Engtanz“ ist leicht irreführend. Es steht nicht etwa das Schwofen zu zweit im Vordergrund, sondern der enge Tanz mit dem eigenen Leben. So sind Bosses Lieder Hymnen an besondere Momente, gute oder schlechte Erinnerungen, die uns prägen. Und manchmal nimmt der Meister das Motto sehr wörtlich, springt ins Publikum, sucht den direkten Kontakt. „Tanzt“, ruft er in die Menge. Um augenzwinkernd hinzuzufügen: „Ihr könnt dabei auch ein bisschen fummeln.“

Nachdem die Berliner Vorband „Keøma“, die Bosse für fünf Städte im Gepäck hat, vierzig Minuten lang überwiegend ruhigen Synthie-Pop zum Besten gibt, kommt mit Bosse und Band richtig Bewegung auf die Bühne, brandet Begeisterung auf. Sobald die Musik beginnt, performt der 36-jährige Familienvater seine Songs mit Hingabe und ganzem Körpereinsatz.

Die gute Laune und Energie ist hochgradig ansteckend, 1600 Gästen wird bei dem kalten Wetter mächtig eingeheizt. Bereits nach seinem zweiten Lied läuft dem Sänger der Schweiß in Strömen übers Gesicht, er selbst nimmt es mit Humor. „Ich sollte meinen Schweiß mal in einem Mülleimer sammeln. Ich schwöre, nach meinem letzten Konzert hätte da locker eine Scholle drinne überlebt!“, lacht er und legt noch einmal eine Schippe drauf.

Und alle machen mit. „Ihr singt vielleicht schief, aber wir freuen uns über jeden“, begrüßt Aki den Enthusiasmus seiner Fans. So werden auch kleine Pannen charmant bereinigt. Als der Sänger eine Strophe vergisst, nimmt er die verloren gegangene Stelle einfach noch einmal auf – das Publikum unterstützt ihn lauthals.

Der Wahl-Hamburger singt seine Lieder nicht nur, kurzweilig zelebriert er die sowohl lustigen, aber auch ernsten Hintergrundgeschichten zu den Songs. Das Publikum freut sich vor allem über Bosses Erzählung zum Lied „Alter Strand“, in dem es um Amrum, Dünen, FKK-Strand und die zweitschönste Sache der Welt geht: „Flens!“

Bitterer Humor schimmert durch beim „Familienfest“, und natürlich fehlt nicht sein großer Hit „Schönste Zeit“, bei dem es auch die Gäste auf den Rängen nicht mehr auf den Plätzen hält.

Aki Bosse ist gerne nah dran an seinem Publikum und hat keine Berührungsängste. So beglückt er nicht nur die ersten Reihen mit seiner Präsenz, sondern fordert zwei glückliche Fans auf, zu ihm hochzuklettern um mit ihm den Hit „3 Millionen“ zu singen. „Ich habe euch die ganze Zeit schon gesehen und ihr könnt einfach jeden Text auswendig. Wollt ihr mit auf die Bühne?“ Als ob Dana und Sophia sich das zweimal sagen lassen würden. Zum Dank gibt es ein Foto mit dem Sänger und die selbstlose Aufforderung, sich später doch bitte am Merchandise-Stand zu bedienen.

Während der Show unterstützen eine ausgeklügelte Lightshow und Videos, die mit einem Projektor an eine Leinwand im Hintergrund der Bühne projeziert werden, die einzelnen Titel. Vor allem der Kurzfilm mit Ausschnitten des Lebens in Istanbul (zum gleichnamigen Song) lässt die Zuschauer tiefer in den Plot des Lieds eintauchen.

Die erste Zugabe beginnt etwas ruhiger, aber später gibt Bosse jedem der Musiker die Chance zu kleinen solistischen Ausflügen. Hervorzuheben sind der Trompeter und Multiinstrumentalist Martin Wenk, den Bosse nach eigenen Worten von der Wüstenrock-Band Calexico „freigekauft“ hat und Niklas Hardt, der den Liedern mit seinem Cello eine ganz eigene Note gibt.

Ein glitzernder Konfettiregen setzt der Tanzparty endgültig die Krone auf. Bosse beendet sein Konzert nicht, ohne zu versprechen, „tausendmal“ wieder nach Flensburg zu kommen. Das allerdings tut er bei jedem Auftritt seiner aktuellen Tour.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 07:34 Uhr

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