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Flensburger Tageblatt

23. April 2014 | 11:14 Uhr

Sieverstedt - Biogas-Bauern wehren sich

vom

Sieverstedter Landwirte bezeichnen den Vorwurf, der Maisanbau hinterlasse "verbrannte Erde", als "Hetze"

Sieverstedt | Drei Biogas-Anlagen gibt es in der Gemeinde Sieverstedt. Dass diese Art der Energie-Erzeugung und der damit verbundene großflächige Mais-Anbau zunehmend in die Kritik gerät, ärgert Sieverstedts Bürgermeister Finn Petersen: "Zurzeit ist es Mode, zu schimpfen, Leserbriefe zu schreiben und völlig unausgewogene Kritik gegenüber den Landwirten zu üben", meint er. Er sieht im jüngsten Strukturwandel der Landwirtschaft vor allem Vorteile: "In unserem Bereich gibt es zwischen Biogasanlagenbetreiber und der Kommune eine vorbildliche Zusammenarbeit, wir schonen die Umwelt, und zahlreiche Bürger profitieren davon."

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Die erste Biogasanlage in Sieverstedt wurde 2007 von Torsten Clausen errichtet. "Vorher bauten wir Getreide und Rüben an, hatten aber wegen des leichten Bodens und der extremem Wetterbedingungen der letzten Jahre große Schwierigkeiten", sagt Clausen. Die zweite Anlage gehört Arne Brodersen, Karl-Georg Hasenpusch, Ulf Hansen und Sönke Andresen im Ortsteil Stenderup. Im Ortsteil Süderschmedeby hat Thorsten Johannsen seine Anlage im Herbst 2010 aufgebaut und die Schweinemast aufgestockt.

In Sieverstedt sind nach Angaben der Landwirte in dieser Saison 1000 Hektar Mais angebaut worden - zu 70 Prozent für Biogasanlagen und zu 30 Prozent für die Rinderzucht. Die Frage, warum die Bauern auf Biogasanlagen umgestiegen sind, beantworten alle im gleichen Tenor: "Wir konnten mit unseren bisherigen Betriebskonzepten nicht überleben." Für Roggen, der auf dem leichten Boden ohnehin nur bedingt gut wachse, habe man zur Zeit der Planung einen sehr niedrigen Preis erzielen können. Zuckerrüben rentierten sich seit Schließung der Schleswiger Zuckerfabrik weniger. Die Rüben müssten nun bis nach Uelzen transportiert werden, was mit Zeit und Kosten verbunden sei.

Die jüngste Kritik des Landesnaturschutzbeauftragten Klaus Dürkop, der Maisanbau hinterlasse "fast verbrannte Erde", bezeichnen die Biogasanlagenbetreiber als "Hetze von Interessenvertretern" und "ausgesprochen dämlich". Sie betonen: "Wir werden doch wohl nicht unsere Heimat und unser Hab und Gut vernichten. Wir denken schon an unsere Kinder."

Sie hätten sich auch für diese Art des Broterwerbs entschieden, weil von der Politikerseite der Ökostrom vehement favorisiert und auch gefördert werde. Torsten Clausen und seine Gesellschafter liefern mit ihrer Anlage Strom für 2000 Haushalte. An die Wärmeproduktion sind 19 Wohneinheiten und das Schwimmbad angeschlossen. Von der Stenderuper Anlage wird in Zukunft das Kinderheim in Havetoft versorgt. Dies spare jährlich 100 000 Liter Heizöl.

Die Betreiber haben jeweils rund zwei Millionen Euro investiert. Geld, das überwiegend in der Region geblieben sei, freut sich Bürgermeister Finn Petersen, der zugleich betont: "Mit Verträgen ist sichergestellt, dass diese Landwirte die Straßen erhalten, Wege ausbessern und Gräben ausbaggern werden."

Als positiv für ihren Mais sehen die Landwirte auch die Gegenüberstellungen der CO2-Bilanz. Diese Grünpflanze mit langer Stehzeit filtere viel mehr CO2 als beispielsweise Getreide. Auch beim Pflanzenschutz sei Mais im Vorteil, da hier die Aufwandmenge deutlich geringer sei als bei anderen Kulturpflanzen. Etwa 30 Prozent der Biomasse wird als organischer Dünger wieder auf die Felder gebracht.

von pm
erstellt am 22.Okt.2011 | 07:15 Uhr

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