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Flensburger Tageblatt

28. August 2016 | 07:08 Uhr

Flensburger Hafenspitze : Bellevue: Ein Restaurant in Vorzeigelage verrottet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt setzt Investor Cohrt das Messer auf die Brust: Innerhalb einer kurzen Frist muss er seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllen und im „Bellevue“ ein Café eröffnen.

Flensburg | Vertrag ist Vertrag. Und die Stadt besteht darauf. Nachdem sich die Verhandlungen mit dem neuen „Bellevue“-Investor Frank Dieter Cohrt über einzelne Pacht-Parameter, Rückbauforderungen und Behindertenparkplätze festgefahren haben, zieht die Verwaltung nun die Daumenschrauben an. Sie will den Kieler Geschäftsmann nicht aus der Verpflichtung entlassen, in absehbarer Zeit auf dem städtischen Grundstück an der Hafenspitze ein Café nach ihren Vorgaben zu betreiben und die vorhandenen Toiletten zugänglich zu machen.

Cohrt, der mit großen Ambitionen gestartet war und mit zunehmender Dauer des Vertragspokers immer entnervter und frustrierter wirkte, ist Geschäftsführer der AC Immobilienverwaltung Gesellschaft, die seit Mai letzten Jahres Eigentümer des Gebäudes ist. Er habe bereits eine neue Inneneinrichtung gefertigt, berichtete er im Frühsommer, derweil das Gebäude immer weiter zu zerfallen drohte. Betreiben sollte das Lokal die bundesweit tätige Einstein-Gruppe.

Doch dann begann die Hängepartie, das Trauerspiel um einen der attraktivsten Gastronomie-Standorte der Stadt. Einheimische wie Urlauber reagierten mit Unverständnis und Verärgerung. Und so ließ man der „Bellevue“-Ruine den Namen „Poubelle“ angedeihen – was nichts anderes bedeutet als „Mülleimer“.

Cohrt, der das Gebäude von der Firma IM Jaich (Kappeln) auf Basis des noch elf Jahre währenden Erbbaurechts erworben hatte, bestätigte gegenüber dem Tageblatt, dass derzeit die Einhaltung von Fristen die alles entscheidende Frage sei – die ihn zwar bewege, aber nicht dazu, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Die Situation spitzt sich zu“, sagte er kurz und knapp. Weitere Auskünfte lehnte er unter Hinweis auf die laufenden Verhandlungen ab.

„Der Vertragsbestand ist nicht erfüllt“, stellte Stadtsprecher Clemens Teschendorf unmissverständlich klar. „Wir haben dem Investor eine Frist gesetzt – er muss jetzt reagieren.“ Wann die Frist abläuft, wollte er nicht verraten. „Aber wir müssen jetzt weiterkommen.“

Ein Zeichen hat die Stadt bereits Ende November letzten Jahres gesetzt, indem sie die seinerzeit widerrechtlich errichtete Wasserterrasse, die im Gegensatz zum Gebäude zur Insolvenzmasse des Vorpächters gehört, an die Förde Betriebs GmbH verpachtet hat. Die ist auch Betreiber des Beach Clubs. Das Angebot firmiert deshalb sinnigerweise unter dem Namen Winter Beach Club. „Allerdings heißt das nicht, so Teschendorf, „dass Herr Cohrt die Terrasse im Sommer nicht betreiben soll.“ Der war in der Tat davon ausgegangen, dass die Wassergastronomie ebenfalls unter seiner Regie laufen sollte. Doch die Stadt kam ihm mit der Herauslösung aus der Insolvenzmasse offenbar zuvor. „Er kann ja nicht verpachten“, so Teschendorf, „was ihm nicht gehört.“

Die Beach-Club-Betreiber, denen Frank Dieter Cohrt die Nutzung der sanitären Anlagen gestattet hat, dürfen nun bis März bleiben – ihnen soll von der Stadt allerdings eine Option auf Verlängerung angeboten worden sein.

Während die Vertragspartner sich mit Aussagen zurückhalten, nimmt Andreas Tembrockhaus, als Geschäftsführer der Flensburger Brauerei potenzieller Partner von Cohrt, kein Blatt vor den Mund: „Zu den gegebenen Bedingungen wird kein Geschäftsmann der Welt den Betrieb profitabel machen können.“ Die Stadt habe den Investor trotz dessen intensiver Bemühungen mit einer signifikanten Pachterhöhung ausgebremst. „So wie es aussieht“, sagt Tembrockhaus, „hat er keine andere Möglichkeit mehr, als zu verkaufen. Ich sehe schwarz fürs Bellevue – und auch unser Enthusiasmus ist dahin!“

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erstellt am 15.Jan.2015 | 08:00 Uhr

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