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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

„Beam mich hoch, Vati:“ Ralf Schmitz als Klassenclown

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schul-Erinnerungen eines Rheinländers: Comedian im Deutschen Haus

Eine Schulklingel ertönt, Musik dröhnt aus den Lautsprechern, buntes Scheinwerferlicht zuckt durch den gut gefüllten Saal im Deutschen Haus. Auftritt Ralf Schmitz. Der Comedian läuft aus den Kulissen auf die Bühne. Ein dynamischer Luftsprung und die gut zweistündige Show beginnt.

„Schmitzenklasse“ heißt das aktuelle Programm, Schulerinnerungen und -geschichten bilden den groben inhaltlichen Rahmen. Um den unterhaltsam zu füllen, nimmt der Improvisationsprofi aus dem Rheinland vom Publikum, was er kriegen kann: Susis herrlich norddeutschen Dialekt, mit dem sie verkündet, dass hier im Norden ein starker Wind weht, Birtes rabiate Art, ihren Freund zu wecken und den Knoblauchatem von Susis Sitznachbarin. Versprecher, zu viel Haarspray in der Frisur, eine ‚unmännliche‘ Bewegung – das Publikum überschlägt sich vor Begeisterung, wenn Schmitz gekonnt und mit hysterisch-heiserem Dauerkichern einen aus ihren Reihen vorführt.

Er ist der Klassenclown, der mit verschmitzt-bübischem Charme Muttis auf den Schoß klettert. So einem kann man ja nicht böse sein. Einzig Detlef und Sylvia scheinen sich auf der Bühne nicht recht wohl zu fühlen. Schmitz arbeitet mit allen Mitteln, singt, tanzt und plaudert sich gekonnt durch die Nummer, bis die unvermittelt aus ihrer Sitzreihe rekrutierten Co-Stars unter verdientem Applaus die Schulbank auf der Bühne endlich wieder verlassen dürfen.

Neben seinen improvisierten Nummern gönnt Schmitz sich kleine ‚Pausen‘ mit vorbereiteten Programmteilen, zum Beispiel seinem ‚Religionsunterricht‘. Dazu packt der 41-Jährige einzelne Erzählsplitter aus der Bibel in bekannte Fernsehsendungen der vergangenen Jahrzehnte und setzt dabei erfolgreich auf sein Talent für Parodie und ein funktionierendes kollektives TV-Gedächtnis im Saal: Adam und Eva übernehmen die unverkennbaren Stimmen der Geissens; in Sachen Petrus und Jesus ermittelt Schmitz als ‚Columbo‘ mit den typischen leicht weggedrehten Augen und ausholenden Gesten von Schauspieler Peter Falk, und am Ende heißt es „Beam mich hoch, Vati“. Bibelkunde im Schnelldurchlauf.

Schnelligkeit ist ohnehin ein Merkmal des Komikers: Er spricht schnell, reagiert schnell, wechselt schnell die Themen – die Zuschauer halten mit. Aber eigentlich ist es ja auch egal, was er macht, denn das Publikum platzt bereits vor Lachen, wenn Schmitz nur eine kleine Geste andeutet. Keine Frage: Der TV-bekannte Comedian kann auf seine norddeutschen Fans setzen.


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erstellt am 16.Okt.2016 | 23:45 Uhr

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