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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:16 Uhr

Bahn: Kein Geld für neuen Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verkehrsunternehmen sieht schlechte Chance für Flensburger Überlegungen – und wird sich finanziell nicht beteiligen

Während Oberbürgermeister Simon Faber noch bei den Kommunalpolitikern mit dem Versuch unterwegs ist, sie von seinen Plänen für einen neuen Fernbahnhof und einen Regionalbahnhof am Zob zu überzeugen, hat sich die Stadt eine Klatsche von der Deutschen Bahn für diese Pläne eingefangen. Zwei DB-Geschäftsbereiche machen klipp und klar ihre Ablehnung der Vorschläge deutlich, die das Bahngutachten in Verbindung mit hohen Investitionen aufgeführt hat. Die Bahnexperten sprechen sich für die Erhaltung und Verbesserung des heutigen Bahnhofes aus. Hierzu sei allerdings Planungssicherheit notwendig: keine Spekulation um neue Standorte.

Die Stadt hatte das Bahngutachten, das die verschiedenen Varianten für eine Flensburger Bahnanbindung aufzeigt, an die Deutsche Bahn weitergeleitet und um Stellungnahmen gebeten. Diese fallen in den Schreiben an den Fachbereich Entwicklung und Innovation der Stadtverwaltung durchweg negativ aus.

So schreibt die für den Schienenweg zuständige Abteilung DB-Netze an die Stadt, die Vorschläge aus dem Bahngutachten erforderten erhebliche Investitionen, ohne dass mehr Züge fahren und so mehr Erlöse sichtbar würden. „Die damit für die DB Netz AG nicht gegebene Wirtschaftlichkeit aller Infrastrukturvarianten wird im Falle der Realisierung jedweder Variante die finanzielle Beteiligung durch uns ausschließen.“

Die für den Bahnverkehr zuständige Abteilung DB-Regio Schleswig-Holstein lässt Flensburgs Chef-Stadtplaner Peter Schroeders wissen, das Bahngutachten stelle eine interessante Herangehensweise dar „und sollte aus unserer Sicht als eine in Teilen visionäre Konzeption betrachtet werden“.

Und dann wird es noch deutlicher: „Wir plädieren aus Sicht des die Stadt Flensburg gern bedienenden Eisenbahnverkehrsunternehmens für eine schnellstmögliche Umsetzung der aufgezeigten Maßnahmen im so bezeichneten ,optimierten Nullfall’ – sprich die Aufwertung des heutigen Bahnhofs und dessen bestmögliche Einbindung in den Flensburger Stadt- und Überlandverkehr.“

Aus dem Schreiben wird deutlich, dass DB Regio eine andere Wahrnehmung als die Flensburger beim Thema Bahnanbindung hat. „Der heutige Bahnhof bietet bereits eine gute Verknüpfung des Schienenpersonennahverkehrs und Fernverkehrs.“ Keine Rede vom dänischen Wunsch, durch Umgehen der Flensburger Schienenschleife Fahrzeit einzusparen.

Aber auch die Flensburger Auffassung, der heutige Bahnhof liege zu weit weg von der City, wird von DB Regio nicht im mindesten nachvollzogen: „Der Bahnhof liegt mitten in der Stadt; in das Stadtzentrum sind es fußläufig zehn Minuten; mit der ausgeweiteten Linienführung des Flensburger Stadtverkehrs ist der Bahnhof aus vielen Stadtteilen umsteigefrei zu erreichen.“ Außerdem biete sich eine ausgebaute Brücke der Schleswiger Straße mit direktem Zugang zum Bahnhof als Knotenpunkt für Busverbindungen an.

Die Idee eines Regionalbahnhofes am Zob fällt bei DB Regio total durch. Neben dem hohen finanziellen Aufwand stelle die eingleisige Strecke von Wilhelminental zum Zob ein Nadelöhr dar. Unregelmäßigkeiten wirkten sich direkt auf die Betriebsqualität des Bahnverkehrs aus. An anderen Stellen werde versucht, die Durchlässigkeit der Strecken zu verbessern, „während in Flensburg bewusst ein weiteres Nadelöhr geschaffen würde“.

Sollte die Strecke nach Niebüll reaktiviert werden, könnte dies problemlos mit dem heutigen Bahnhof geschehen.

In einer Umfrage der Stadtredaktion hatte sich in der vergangenen Woche die Mehrheit von CDU, SPD und Grünen gegen neue Bahnhöfe ausgesprochen. 
Umfrage / Kommentar Seite 8

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erstellt am 02.Nov.2016 | 08:39 Uhr

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