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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 03:22 Uhr

Gender-Debatte in Flensburg : Aufregung um eine Papierkörb/in: Linke will Antrag zurückziehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gescheit oder gescheitert? Der Gaga-Antrag der Linken in Flensburg steht wohl Mittwoch doch nicht mehr zur Debatte.

Flensburg | Sie findet sie immer noch gut, die Gaga-Vorlage ihrer Linksfraktion. Aber das Wahnsinns-Echo auf den Antrag, Arbeitsgeräte und Arbeitsmittel in der kommunalen Verwaltung künftig genderneutral zu bezeichnen – das hat die Fraktionsvorsitzende Gabriele Ritter nicht erwartet. Seit dem Wochenende stand die Ratspolitikerin im Zentrum bundesweiten Medieninteresses. Dort hatten zu ihrem Leidwesen nicht alle gemerkt, dass der Antrag ein eingebautes Augenzwinkern hatte. „Wir wollten nur einen internen Debattenbeitrag leisten. Dass daraus so ein Shitstorm wird, hat keiner gewollt.“ Der Antrag soll nun zurückgezogen werden.

Wie berichtet, war die auf eine genderneutrale Umbenennung „männlicher“ Arbeitsmittel gerichtete Beschlussvorlage (PapierkörbIn, BleistiftanspitzerIn, StaubsaugerIn etc.) als Satire gestartet. Die Links-Fraktion wollte einen ihrer Überzeugung nach absurden Antrag der WiF auf Umbenennung der Ratsfrau in Ratsdame durch einen noch absurderen Ergänzungsantrag bloßstellen. Aber über Nacht verlor das Unternehmen seine Steuerungsfähigkeit. Das Antrags-Duett war aus dem Ratsinformationssystem nämlich auf den digitalen Präsentierteller geraten. Weil der satirische Ansatz in der Berichterstattung nicht oder unzureichend transportiert wurde, schlug über Flensburg eine Woge medialer Entrüstung zusammen.

Im näheren Umfeld waren die Reaktionen geteilt. Arne Rüstemeier (CDU) maulte, solcher Unfug schade der Gleichstellung und dem Ansehen der Stadt. Aus der Verwaltung selber, so Ritter, habe sie wesentlich entspanntere Reaktionen bekommen. „Die meisten Mitarbeiter nehmen es mit Humor.“ Seit Freitag, als die Aktion immer weitere Kreise zog, würden im Rathausturm alle möglichen „männlichen“ Gegenstände gnadenlos durchgentrifiziert. Aus der Führungsebene wollte weder zu zu PapierkörbInnen noch zu Ratsdamen jemand Stellung beziehen. Auch Bürgermeister Henning Brüggemann nicht, zuständig für die Gleichstellung der Geschlechter in der Verwaltung.

Mag man sich mit dem politischen Gegner auch raufen – überhaupt nicht komisch findet Ritter die Reaktion in sozialen Medien und ihrem Email-Eingang. Kleines Beispiel: „Stecken Sie sich doch irre kichernd eine scharfe Pistole in den Mund und drücken Sie ab!“ Und das ist noch eine der harmloseren Zuschriften. Ritter ist es wichtig, eines zu betonen: „Die Linke steht für eine gendergerechte Sprache. Ich habe diese Zuspitzung gewählt, um den meiner Überzeugung nach rückwärts gewandten Antrag der WiF durch den Kakao zu ziehen.“

Die WiF-Vorsitzende Erika Vollmer hält den Ansatz der Kollegin für verkehrt. Man kann über alles diskutieren, aber ein satirischer Antrag gehört gar nicht erst auf den Tisch!“, kritisiert sie die Kollegin von Links. Auch Vollmer ist überzeugt, Ritter habe der Genderdebatte einen Bärendienst erwiesen. „Die WiF habe im Übrigen auch nur einen Diskussionsanstoß geben wollen. Aber diese Debatte sei für die nächste Zeit wohl nicht mehr zu führen.

Ist Satire also ein probates Mittel für den politischen Tagesbetrieb? Gabi Ritter schwankt noch. „Man kann sagen, lass ganz die Finger von Satire. Wenn wir aber bundesweit regelmäßig in die Presse kommen wollen, sollten wir das planmäßig professionalisieren. Aber Achtung! Das war jetzt eben Satire!“

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erstellt am 27.Sep.2016 | 07:45 Uhr

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