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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 16:39 Uhr

Flensburger Kunst und Religion : Arche Alex aus dem Künstlerhirn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hans-Ruprecht Leiß hat 40 Bilder zu 40 biblischen Geschichten gemalt / Ausstellung in der St.-Jürgen-Kirche ab 6. November

Flensburgs Dampfer Alexandra als Arche Noah – eine Idee des Flensburger Künstlers Hans-Ruprecht Leiß, der 40 Bilder zu 40 biblischen Geschichten gemalt hat. Sie werden vom 6. November an in einer Ausstellung in der St.-Jürgen-Kirche zu sehen sein – von der Schöpfung über Adam und Eva bis zum Garten Gethsemane. Alle Bilder sind zusammen gefasst in einem Buch zur Ausstellung, mit dem der Kirchengemeinde ein Erfolg gelungen ist. Denn darin werden die Bilder durch Texte aus der neuen „Lutherbibel 2017“ ergänzt. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat der Flensburger Kirchengemeinde für ihr Projekt die Texte zur Verfügung gestellt.

Die Alexandra als rettende Arche – eine Idee, mit der der Künstler an das bittere Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Vor der vordringenden Sowjetarmee machten sich Zigtausende von Menschen aus den einstigen deutschen Ostgebieten – Ostpreußen, Pommern – auf die Flucht in Richtung Westen. Manchen blieb nur der Weg über das Wasser – wenn es denn gelang, einen Platz auf einem Schiff zu finden. Zu dieser Flotte mit Westkurs gehörte auch Flensburgs Dampfer Alexandra.

Das voll besetzt gezeichnete Schiff erinnert daran, dass diese Schiffe vielfach mehr Menschen in die Freiheit brachten als sie durften. Und die Tiere, die im Wasser paddeln statt auf dem rettenden Deck zu stehen, darf der Betrachter durchaus als Hinweis auffassen, dass bei weitem nicht alle Menschen diese Flucht schafften. Manche Schiffe schafften den Weg nicht, viele Menschen bekamen keinen Platz an Bord und mussten sich zu Fuß auf den mörderischen Weg machen. Die Mienen mancher Tiere zeigen durchaus Verzweiflung. Eine heitere Komponente bringen die beiden Delfine am Bug des Dampfers ins Bild. Da darf der fröhliche Gedanke an die Fördebesucher „Selfie“ und „Delfie“ aufkommen. Die Begleitung des alten Schiffes scheint ihnen ein vergnügliches Spiel zu sein.

Die Alexandra als Arche, als schwimmende Lebensversicherung – fast schon Ironie, wenn man an die jüngere Geschichte des schwimmenden Flensburger Wahrzeichens denkt. In den 1970er Jahren hatte der Dampfer ausgedient, war nicht mehr tauglich für die Butterfahrten, auf denen die Diesel getriebenen Schiffe Geld verdienten. Die Förde-Reederei legte das alte Dampfschiff still. An der Hafen-Ostseite, unterhalb der Jürgen-Kirche, gammelte es vor sich hin. Dann kam die Rettung, nicht in Form einer Arche, sondern in Gestalt von Flensburgern, die sich ihre Stadt nicht ohne die Alex vorstellen konnten und wollten. Ohne Zustimmung der Reederei, aber mit viel Werkzeug, gingen diese Enthusiasten an Bord, wollten aufräumen und Schäden des Verfalls beseitigen. Es kam jedenfalls nicht dazu, dass die Alexandra verschrottet wurde. So voll an Bord wie auf dem Bild wurde es allerdings nicht, freiwillige Helfer konnten immer noch mehr gebraucht werden.

Den Fachleuten der Alex-Freunde war klar, dass der alte Kessel nicht ewig halten würde. Wieder wurde intensiv Geld gesammelt. In Kürze wird der neue Kessel eimngebaut. Und wieder ist die Alexandra durch die Sintflut des drohenden Endes gesteuert worden. Mit vielen, vielen Helfern an Bord und an Land. Ein vollbesetztes Schiff, wenn auch nicht mit Tieren wie auf dem Bild von Leiß. Der Gedanke der Rettung, den der Begriff Arche enthält, hat sich völlig umgekehrt. Jeder, die die Arche Alexandra unterstützt, hat etwas von Noah. Er hat durch die Unterhaltung des Schiffes an einer Arche mitgebaut, die Platz bietet für das Flensburg-Gefühl der Bürger, für ihre Identifikation mit dieser Stadt. Die Alexandra gehört zu Flensburg wie das Nordertor, sie ist eine Arche für eine große Portion Heimatgefühl. 

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erstellt am 21.Okt.2016 | 18:58 Uhr

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