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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:07 Uhr

Museumshafen Flensburg : Apfelfahrt – vom Winde verweht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sturm-Böen sorgten für einen verhaltenen Auftakt, doch am Sonntag strömten die Flensburger zu Hauf aufs Bohlwerk

„Ich reffe nie“, sagte der Schipper noch im Hafen. Aber am Ende des ersten Tags der Apfelfahrt war er dann doch froh, auf den mitsegelnden Gast Martin Schulz gehört zu haben, der sich vehement für eine Ausnahme von dieser Regel eingesetzt hatte. Denn wenig später sollte die Danske Jagt „Mejsen“ mit ziemlicher Schräglage gegen einen in Böen auch stürmischen Nordostwind gen Glücksburg durch die Förde pflügen. Keine Frage: Die Apfelfahrt 2016 war extrem herbstlich, aber nach zwei Tagen Wind gab’s ein zufriedenes Resümee bei einer leichten Brise.

Sabine Große-Aust, Vorsitzende des Museumshafens, und ihr Geschäftsführer Martin Schulz zeigten sich gestern unterm Strich sehr zufrieden. Übers Flensburger Bohlwerk, seit 1980 Schauplatz der „Hökerei“, also dem Verkauf von Äpfeln, von Muscheln, Fisch, Esskastanien, Fischbrötchen, Früchten, Säften, Punsch, türkischen Leckereien und vielem mehr, schoben sich entspannt die Menschen. Der dritte Tag, der Sonntag, war vom Winde verschont geblieben, das honorierten viele Flensburger, aber auch viele dänische Gäste mit ihrem Besuch. „Der Verkauf läuft super“, freute sich Schulz. Fast eine Tonne Apfelobst von der Glücksburger Plantage, plus eine Ladung Gravensteiner Setzlinge und Gravensteiner Äpfel aus der Sonderburger Plantage waren schnell über die Tresen gegangen.

Die Apfelfahrt ist eine frühe Erfindung des Museumshafens. Mit ihr wollten die Schipper nicht nur durchs Hökern regionaler Waren die Vereinskasse auffüllen, sie wollten auch auf die umweltschonenden Versorgungsstrukturen der Vergangenheit verweisen, als die Ware aus der Umgebung kam und das Segelschiff als günstiges und zuverlässiges Transportmittel allererste Wahl war.

Auch in diesem Jahr gab es den Brückenschlag zu den Nachbarn: Kollund und Gravenstein feierten mit. Gravenstein sogar drei Tage lang. In dem Städtchen, in dem die dänische Königsfamilie traditionell den Sommer verbringt, hat sich mit dem Grasten-Forum eine Bürgerinitiative aufgemacht, den einst weltbekannten Gravensteiner Apfel als regionalen Botschafter zu aktivieren. Karin Baum, dort lebende inoffizielle königlich-dänische Apfelkönigin, berichtete von einem gelungenen Fest im Zelt mit vielen, vielen Gästen, und auch in Kollund war der Apfel Anlass für ein Fest am Hafen. Allerdings litten beide Nachbarorte unter dem Wetter. Ursprünglich sollten am Freitag einige Segler auf dem Rückweg von Glücksburg in Kollund Station machen, doch das war den Schiffsführern unter den herrschenden Bedingungen zu haarig. Schwankende Festmacherpfähle in der aufgewühlten Förde, und die Kenterung eines kleinen Wikinger-Lüttfischers ließen jeden Gedanken an Extratouren schnell verblassen. Das kleine Klinkerboot hatte in Rauschefahrt auf dem Rückweg eine Welle unterschnitten und war über den Bug gestolpert. Die Besatzung wurde klitschnass und frierend, aber unversehrt geborgen.

Die Apfelfahrt 2016 war auch Rahmen für den Austausch mit der Politik. Großes Thema mit hohem Gefährdungspotenzial für den Fortbestand einiger Traditionsschiffe, war die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt betriebene Neufassung der Schiffsicherheitsrichtlinie. Arne Rüstemeier, Ratsherr und Chef der Stadt-CDU, hatte die christdemokratische Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack und die Traditionsschiffer zu einem Gedankenaustausch vor Ort zusammengebracht.

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erstellt am 16.Okt.2016 | 23:06 Uhr

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